Beiträge von tinybutmighty

    Hauptsache, man muss selbst nicht aktiv werden und kann auf den vermeintlichen Mangel und auf das System schimpfen

    Ich finde es wichtig und richtig, auf strukturelle Ungerechtigkeit hinzuweisen und diese aufzuzeigen.

    Es gibt nun einmal viele Probleme, die nicht individuell verursacht und daher auch nicht allein individuell lösbar sind., sondern vor allem auf der politischen/gesellschaftlichen Ebene.

    Wenn wir nun sagen, jeder muss sich um sich selber kümmern und wir sind nicht füreinander verantwortlich, können wir den Sozialstaat eigentlich abschaffen.

    Nein, dass stimmt so nicht für D.

    Ich weiss aus erster Hand dass die Kassen nicht mehr Therapeuten zulassen und nicht die Anzahl der vorhandenen Therapeuten das Problem ist, sondern deren Kassenzulassung

    Danke für die Info. Dass das immer noch so ist, wusste ich nicht bzw. hätte es nicht gedacht.

    =)

    In AT gibt es laut diesem Artikel von diesem Jahr auch keinen Mangel: https://www.profil.at/oesterreich/ju…uchte/402446931

    Steht relativ weit unten: "Immerhin: „Wir haben zahlenmäßig keinen Mangel. Dieses Land bildet pro Jahr so viele Psychotherapeuten wie Deutschland aus“, so Plener vom AKH."

    Aber immer dieses Gejammer und diese ganzen Ausreden...

    Nein, lasse ich nicht gelten.

    Arsch hoch, statt immer nur fordern oder jammern.

    Dann wird das auch.

    Die meisten Menschen jammern doch nicht nur. Aber wie soll eine alleinerziehende Mutter am Existenzminimum, vielleicht noch mit einem special-needs-kid, die neben dem Hauptjob noch putzen geht, und die keinen hat, der sie mit ihrem Kind unterstützt, und die froh ist, wenn sie mal auf 5 Stunden Schlaf kommt, so ganz nebenbei noch ein regelmäßiges Treffen mit Gleichgesinnten organisieren?

    Wie soll ein Mensch, der aufgrund seines Autismus oder seiner Sozialphobie Probleme damit hat, Kontakte selbst zu initiieren, ohne den nötigen "Rahmen", eine Selbsthilfegruppe ins Leben rufen? Oder einen Verein für Hobby XY gründen, wenn die meisten Menschen sich gleich wieder abwenden aufgrund seiner Kommunikationsschwierigkeiten, die ihn vielleicht zu direkt oder zu verschlossen wirken lassen?


    Witzigerweise ist es ja trotzdem so, dass es immer wieder Menschen gibt, die das schaffen. Wenn ich mir angucke, was Betroffene teils für geniale Selbsthilfegruppen oder Online-Austauschforen etc. auf die Beine stellen, ist das eh ein Wahnsinn.

    Aber es könnte ja den Menschen durchaus das ein oder andere erleichtert werden, allein indem z.b. Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt werden, wo Treffen barrierefrei + mit Toilettenzugang stattfinden können. Für mich bedeutet Solidargesellschaft auch, dass man auf die Schwächsten schaut, damit möglichst niemand zurückbleibt.

    "Jeder ist seines Glückes Schmied" ist mir persönlich zu einfach gedacht. Wir kommen da schnell in diese "Selbst schuld"-Spirale.

    "Was, der kann sich die Miete nicht mehr leisten? Selber schuld, er arbeitet ja auch nur im Einzelhandel!"

    "Was, du hast keine Freunde und fühlst dich oft einsam? Selbst schuld, gibt doch genug Leute da draußen!"

    "Was, du kannst dir XY nicht mehr leisten? Selbst schuld, hättest ja nicht chronisch krank werden müssen!"

    Im Endeffekt führt diese Denkweise doch gerade zu einer Aushöhlung des Sozialstaates? Gratis Kinderbetreuung? - Wieso, wer Kinder will, soll das gefälligst selber zahlen.

    Toiletten im öffentlichen Raum? - Wieso, die Obdachlosen können sich ja 'ne Wohnung nehmen.

    Arbeitslosengeld? - Brauchen wir doch eigentlich gar nicht, irgendeine Tätigkeit findet sich immer und Leute, die nicht arbeiten, sind eh Sozialschmarotzer, ohne die die Gesellschaft besser dran wäre?

    Ich habe doch gerade in meinem letzten Post geschrieben, dass die Unterschiede regional extrem sind? Wien ist in der Hinsicht super, ländlichere Teile Österreichs hingegen mitunter schwierig.

    Trotzdem finde ich nach wie vor absolut nichts Verkehrtes daran, mehr konsumfreien öffentlichen Raum zu wünschen. Es muss ja nicht alles beim Status Quo bleiben. Wenn man Vorschläge macht, was man verbessern könnte, wird man angefeindet oder behauptet, man würde nur fordern. Macht man keine, ist man passiv und hat kein Interesse an Veränderung.

    Ich habe ursprünglich nur darauf geantwortet, was man tun könnte, um Armutsbetroffenen und -gefährdeten das Leben zu vereinfachen. Und das war nur einer der von mir genannten Punkte. Ich hätte auch schreiben können: mehr kostenlose Nachhilfeangebote, mehr Verpflichtungen von Supermärkten, an Bedürftige auszugeben, mehr Kassen-Psychotherapieplätze, günstigeren öffentlichen Verkehr fördern, Finanzierung zu Umschulungen in Bereichen, in denen zukünftig mehr Arbeitskräfte gebraucht werden, Mietpreisbremse, etc.

    Es ist bei so einem komplexen Thema doch klar, dass es nicht DIE Lösung für alle und alles gibt :ka:

    @Vakuole Doch, in Wien gibt es ein sehr gutes und breitgefächertes soziales Angebot.

    Ich habe aber die letzten 3 Jahre nicht hier gewohnt, ich bin u.a. wegen meiner kranken Mama und wegen der besseren sozialen Möglichkeiten in Wien zurückgekommen. Außerdem kann man in Wien auch ohne Auto sehr gut leben, in ländlicheren österreichischen Gebieten sieht das schon wieder anders aus und ist deutlich zeitaufwändiger. Wenn es überhaupt eine Möglichkeit gibt, seine Wege öffentlich zu erledigen.

    Beispiel: Ich wollte mich damals freitesten lassen, nach meiner Coronainfektion. Es gab aber kein fußläufig erreichbares für offizielle Freitestung (aus der Quarantäne) zugelassenes Testzentrum. Nichtmal mit dem Rad wäre das nächste Testzentrum gut erreichbar gewesen. Es wurde da gar nicht mitbedacht, dass es Menschen gibt, die nicht mit dem Auto zur Freitestung können.

    Das war mein ursprünglicher Post:

    Ich glaube, für die Betroffenen besser machen würde es vor allem eine gesellschaftliche Entstigmatisierung. Mehr konsumfreie öffentliche Räume. Stärkung anstatt Abbau des Sozialstaates. Selber kann ich lediglich offen über finanzielle Schwierigkeiten reden, da ich es so erlebe, wenn man dazu offen(er) spricht, tun das auch andere.

    Ich habe nirgends geschrieben, dass es so was nicht gibt, nur dass ich mehr davon gut fände.

    Es gibt zudem vielerorts viele, viele Angebote von Stadt, Gemeinde oder Vereinen, die kaum jemand wahrnimmt, weil - ja, warum eigentlich nicht? Wenn es doch so Not tut, Gelegenheiten und Raum für soziale Interaktionen zu schaffen, müsste man sich doch bei sowas gegenseitig über den Haufen rennen. Stattdessen werden soziale Zentren geschlossen, weil keiner hinkommt. Weil kostenlose Gruppen, Klassen und Treffs nicht wahrgenommen werden.

    Leider werden solche Angebote selten genutzt und gleichzeitig wird nach Angeboten geschrien. Das ist etwas, das ich nicht verstehe.

    Ich denke, weil oft nicht ausreichend über diese Möglichkeiten informiert wird, sodass die Infos bei der Zielgruppe ankommen. Meine Großeltern z.B. leben relativ "zurückgezogen", haben wenig Ahnung von Internet und Co, und würden ohne uns viele Angebote, die es für SeniorInnen gibt, gar nicht mitbekommen. Aber es haben ja nicht alle Menschen Kinder und Enkelkinder.

    Super finde ich es z.B., dass es Aktionen, wo HäusärztInnen auf solche Angebote hinweisen, wenn sie z.B. Stammpatienten haben, die vielleicht über Einsamkeit klagen oder psychische Probleme haben! Auf diese Art bekommen gerade Menschen, die bereits isoliert sind, Passendes vorgeschlagen und werden womöglich dazu ermutigt, sich z.B. einer Gruppe anzuschließen :)

    Dieses "Ach, ich würde ja, wenn andere mir bitteschön alles recht machen würden... Wenn es einen kostenfreien Outdoor-Raum mit Wetterschutz, kostenfreien Toiletten und selbstverständlich komplett barrierefrei geben würde, dann aber!"

    Also soll soziale Teilhabe doch irgendwie an Maßstäbe wie Gesundheit und Vermögen angepasst werden?

    Schutz vor Wind und Wetter, Zugang zu Toiletten etc. sollten meiner Ansicht nach jedem offenstehen. Das kostet ja nun auch kein absolutes Vermögen.

    Meine Mutter z.B. ist schwer krebskrank mit 46 Jahren und weißt du, wie wichtig seit ihren beiden schweren Unterleibs-OPs, wo ein Stück Darm entfernt wurde, öffentlicher Raum mit kostenfreien öffentlichen Toiletten für sie ist? Sie plant ALL ihre Wege danach, ob es irgendwo öffentliche Klos gibt, weil sie teilweise stuhlinkontinent ist durch den Krebs. Ich finde es sehr traurig, wenn an solche Fälle nicht gedacht wird :no:

    Das ist nicht für jeden accessible z.B. Menschen mit Behinderung, ältere Menschen, und gerade in Zeiten von vermehrten Extremwetterereignissen braucht es vermutlich auch wind- und wettergeschützte "Treffpunkte"?

    Ist das wirklich so?

    Die Senioren& Menschen mit Behinderung , die ich an meinen jeweiligen Wohnorten kennenlernen durfte, waren immer alle irgendwie in irgendeiner Gemeinde aktiv und eingebunden (egal ob jetzt städtische Angebote oder Angebote von Glaubensgemeinschaften), Buchclub, Frauenkreis, Handarbeitsgruppe, Boßeln, Boccia, ehrenamtliche Grünflächenpflege, Chor (vokal&instrument), Bibelkreis, Bingo, "Adoptiv-Großeltern", Vorlesegruppe für die Kleinen und so viel mehr.... Und dann trifft man sich im Kurshaus, der kleinen Stadthalle, Bibliothek, Gemeindehaus... Und wenn einer nicht mobil ist, wird eine Fahrgemeinschaft organisiert.

    Dass chronische Erkrankung, Behinderung oder manchmal auch schlicht Alter häufiger zu sozialer Isolation, Armutsbetroffenheit und schlechter psychischer Gesundheit führen? Ja, das ist so.

    "17,5% der österreichischen Bevölkerung sind armutsgefährdet. Sie können im Winter ihre Wohnung nicht heizen, sie haben am Ende des Monats nicht genug Essen im Kühlschrank oder sie können ihre Miete nicht bezahlen. Das sind nur einige Lebenssituationen von insgesamt über 1,5 Millionen armutsgefährdeten Menschen in Österreich. Besonders gefährdet sind Kinder, Frauen im Alter, Alleinerzieherinnen, Langzeitarbeitslose und Menschen mit chronischer Erkrankung." https://www.volkshilfe.at/was-wir-tun/po…nd-kinderarmut/

    "Besonders stark von Einsamkeit betroffen sind dem Positionspapier zufolge hochaltrige Senioren, junge Erwachsene, Menschen mit Behinderungen und Erwerbsgeminderte. So berichteten beispielsweise beim Deutschen Alterssurvey knapp 40 Prozent der über 85-Jährigen von Einsamkeitsgefühlen. Insbesondere junge Erwachsene zwischen 18 und 39 Jahren leiden als Folge des Wegfalls familiärer und sozialer Bindungen und aufgrund der zunehmenden Digitalisierung unter Einsamkeit und Isolation. Bei jungen Menschen unter 20 Jahren nimmt Einsamkeit besonders dynamisch zu. Menschen mit Behinderung haben doppelt so häufig mit Einsamkeit zu kämpfen wie nicht behinderte Menschen." https://www.aerzteblatt.de/archiv/218157/…as-Tabu-brechen

    Ob Balkonien, Sitzbank, Spieleabend zuhause :ka:

    Ich habe von öffentlichen konsumfreien Räumen geschrieben, aber Balkon und Spieleabend sind wieder was anderes, das ist ja nicht öffentlicher Raum?


    Was ist verkehrt daran, sich mehr konsumfreie Zonen zu wünschen, in denen man einander einfach zwanglos begegnen kann, wenn man das möchte? Und wie vorhin geschrieben, geht es auch um Barrierefreiheit, damit behinderte oder chronisch kranke oder ältere Menschen z.B. ebenfalls sozial teilhaben können. Sie sind ja auch besonders oft armutsbetroffen und von Vereinsamung ja erst recht.