Zuletzt gelesen: "It Ends With Us", Colleen Hover
Das Buch wurde mir geliehen und ich ging ohne große Erwartungen ran, war aber doch gespannt, da der Name der Autorin ja irgendwie in aller Munde ist und ihre Bücher vor allem von der Büchercommunity auf Social Media häufig gefeiert werden. Zugleich scheint es aber auch einiges an Kritik an Hoovers Werken und mitunter sogar an der Schriftstellerin an sich zu geben.
"It Ends With Us" machte mich nach Beginn der Lektüre zunächst recht skeptisch, die Handlung wirkte recht flach und driftete seicht und häufig recht vorhersehbar dahin. Dies überzeugte mich erstmal nicht, schien es sich doch um typische "Chick Lit" zu handeln.
Ich war also ziemlich überrascht, als das Buch eine recht unerwartete Wendung nahm und es plötzlich nicht mehr nur um das scheinbar perfekte Leben der jungen Unternehmerin Lily Bloom, ihre Gedanken an ihren ersten Freund, den damals wohnungslosen, herzensguten Atlas, und den scheinbaren aktuellen Traummann, der sie heftig umwirbt und der natürlich nicht nur höllisch gutaussehend und verdammt selbstbewusst, sondern auch beruflich als Neurochirurg höchst erfolgreich ist, ging, sondern um eine viel ernstere Thematik.
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Ryle Kinkaid, der junge Neurochirurg, der eigentlich nur an One-Night-Stands interessiert ist, sich aber Hals über Kopf in Lily verknallt, stellt sich als ziemlich toxisches Macho-Ar***loch heraus. Nicht nur ist er eifersüchtig und zweifelt an Lilys Treue, nein, schon am Anfang flicht Hoover bereits relativ geschickt problematische Charakterzüge Ryles in die Story ein: Er wirkt regelrecht besessen von Lily, benimmt sich dadurch mitunter recht besitzergreifend und dominant, und trifft schließlich auch größere Entscheidungen wie den Kauf einer gemeinsamen Wohnung, ohne seine Freundin überhaupt nach ihrer Meinung zu fragen. Zugleich ist Ryle aber charmant, humorvoll, großzügig und scheint Lily zu vergöttern. Die wirklich düstere Wendung kommt mit Ryles physischer Gewalttätigkeit, als er Lily zum ersten Mal körperlich attackiert...
Ich war positiv überrascht von der wichtigen Botschaft, die "It Ends With Us" enthält. Natürlich behandeln ganz viele Bücher eine solche Thematik mit mehr Tiefe und Detail, aber Hoover scheint nun einmal eine sehr große Anhängerschaft zu haben und während "It Ends With Us" bei Weitem nicht die Wucht mancher Werke mit ähnlicher Thematik (z.B."My Dark Vanessa") hat, finde ich gerade die Zugänglichkeit des Themas für ein breiteres Publikum, aufbereitet so, dass Lily zu einer Identifikationsfigur für viele gerade jüngere Frauen taugt, durchaus wichtig. Zudem hat Hoover die Dynamik einer toxischen Liebesbeziehung hier durchaus ziemlich gekonnt beschrieben.
Schwachpunkte hat das Buch dennoch, z.B. finde ich persönlich es ja meistens ein wenig lästig, weil unglaubwürdig, wenn alle Protagonist:innen superattraktiv, wohlhabend und dann natürlich auch noch beruflich höchst erfolgreich sind - und das mit scheinbar gerade mal Anfang bis Mitte 20. Ein weniger luxuriöses Setting hätte es irgendwie auch getan und der Geschichte vermutlich auch zu noch mehr Authentizität verholfen. So wirkt Hoovers Geschreibsel manchmal leider doch ein wenig naiv und die Figuren bleiben eher blass und schablonenhaft.
Auch der Schreibstil war mir persönlich etwas zu schlicht und schmucklos - wer auf detaillierte Beschreibungen und tiefschürfende Prosa hofft, ist bei Hoover falsch.
Nichtsdestotrotz gefiel "It Ends With Us" mir besser als erwartet und gerade für junge Menschen finde ich die darin enthaltene Kernaussage einfach unglaublich wichtig und insgesamt hat Hoover es recht anständig hingekriegt, über das Tabuthema "abusive relationships" einen sehr einfach zugänglichen, flüssigen Roman zu schreiben.