Zuletzt gelesen: "The Passenger" von Cormac McCarthy
Es fällt mir schwer, den Inhalt dieses Buches wiederzugeben. Einerseits, weil ich nicht vorgreifen möchte, andererseits auch, weil sich dieses komplexe, weitreichende Werk McCarthys wirklich nicht besonders einfach zusammenfassen, ja überhaupt schwer in Worte fassen lässt. Sprachlich versiert, äußerst intelligent, voller Irrungen und Wirrungen, Themen abhandelnd die von der Ermordung JFKs über Fragen der Mathematik und Physik bis hin zum zentralen menschlichen Thema Trauer und Verlust reichen, nimmt McCarthy den Leser hier mit auf eine literarische Tour de Force, die mitunter verwirrend, manchmal berührend, oft verblüffend, gelegentlich aber auch ein wenig langatmig ist - und: leicht zu folgen fand ich "The Passenger" nicht, es ist keine entspannte "für nebenher runterlesen"-Lektüre, sondern ein ziemlich anspruchsvoller Brocken, der mich persönlich das ein oder andere Mal aber auch ein wenig ratlos zurückließ, vielleicht auch aufgrund der mäandernden und doch spärlichen Handlung, der fehlenden Identifikationsfigur für mich als Leser, den philosophischen und mathematisch-physikalischen Überlegungen, die sich aber nicht wirklich in ein großes Gesamtbild verwandeln lassen, sondern stets fragmentarisch bleiben.
Am dichtesten und eindringlichsten für mich waren auf jeden Fall die Passagen, in denen Alicia, die wohl schizophrene und außerdem brillante Schwester des Protagonisten Bobby Westerns, mit ihren Halluzinationen spricht, insbesondere mit dem "Kid" - es gibt sicherlich nur wenige Autoren, die so meisterhaft wie McCarthy die Logik des Wahnsinns beschreiben, die irren und doch zugleich erstaunlich klaren Betrachtungen eines Menschen gefangen im Niemandsland zwischen Genie und Wahnsinn.
Kafkaesk und doch ganz anders als Kafka, hinterlässt dieser Roman bei mir viele offene Fragen, scheint zugleich aber eine Einladung, über die fundamentale Realität des Menschscheins nachzudenken - und sich hoffentlich in den eigenen Gedanken nicht zu verlieren.
"Stella Maris" werde ich auf jeden Fall möglichst bald auch noch lesen. Dennoch bleibt "The Road" für mich im Vergleich zu "The Passenger" der stärkere Roman.