Weil man oft mit ganz wenigen Individuen eine Population aufbaut, die miteinander stark verwandt ist. Es gibt mehrere Rassen, die aus weniger als 10 Tieren aufgebaut wurden. Vollgeschwisterverpaarungen sind da das Mittel der Wahl gewesen.
Dann bildet man Linien, vergrößert die Population durch Individuenzahl, bleibt in den Linien. Heute werden genau diese Linien miteinander gekreuzt und wieder erweitert. Die sind ja inzwischen je nach Rase weit ausenander . Hunde aus der ganzen Welt werden hin und her geschickt etc.
Die moderne Rassehundezucht hat das alles nochmal auf eine neue Ebene gestellt, inklusive Gefriersperma (von bereits toten Hunden oder seltenen Linien, eine Bekannte von mir gerade so einen Wurf liegen für eine seltene Rasse), genetischen Inzuchtwert, Haplotypenberechnung, Trägeridentifizierung usw.
Der Inzuchtkoeffizient berechnet ja nicht den Wert aller Hunde. Sondern nur wie viele Hunde sich von beiden Elternseiten doppeln in einer festgelegten Zahl, die man sich anschaut (meistens 5-10 Generationen). So kann ein Hund einen Inzuchtwert von 15 haben und mit einer Verpaarung schlagartig auf Null gehen, wenn sich von den beiden Eltern nichts aufdoppelt.
Deswegen sagt der Inzuchtkoeffizient eigentlich alleine echt wenig aus, zumindest den Ahnenverlustkoeffizient muss man hinzu ziehen. Und auch das ist keine Garantie für die Gesundheit, sieht man in meiner Rasse gerade leider deutlich... Weil Theorie und Praxis ein wenig auseinander gehen, Stichwort Apfelbaumsorten und Früchte von oben... Auch die Zuchtpraxis ist da sehr divers und manchmal aus biologischer Sicht ziemlich unlogisch.