Ich liebe es, dass ich mit meinem Hund so eine starke Einheit bilde. Ich kann lachend zurückblicken und drüber scherzen, wie nervig und ungezogen sie während ihrer pubertären Zeit war, wie sie mir am ersten Abend in meiner ersten eigenen Wohnung je ein Ei auf beide Kopfkissen gelegt hat, wie sie sich nie einfangen lassen wollte, wie sie mein Höschen gefressen oder meine Kauspange zerknabbert hat.
Aber je älter sie wird, desto mehr sind wir eine Einheit. Ich verstehe sie blind, sie braucht gar nicht zu reden. Wir beide funktionieren im Team so toll wie ein altes Ehepaar. Am schönsten finde ich es, wenn ich sie gar nicht mehr bemerke oder meine Handlungen bewusst steuere, wir leben wirklich zusammen.
Sie hat so viele Marotten und ist ein richtiges Mimöschen. Und diese Spleens vermisse ich, sobald der Hund für ein paar Stunden außer Haus ist.
Ich wollte meinen jetzigen Hund damals nicht haben, er war eigentlich eher von meinem damaligen Freund gewünscht. Aber mein Hund hat mich zum Hundemenschen gemacht. Ich bin direkt ins kalte Wasser gesprungen, hab vorher kein Buch gelesen, hab mich nicht richtig informiert, hab nicht mal den gewünschten Hund geholt (ich wollte eigentlich einen Bologneser damals und keinen Terriermix), hab nie auf die Ratschläge von den ganzen ach so tollen erfahrenen Hundehaltern gehört - wir haben einfach zusammen unser Ding gemacht. Und mein kleiner süßer Teufel war ein verdammt guter Lehrer.
Ihre Spleens und Marotten machen sie einfach liebenswert und einzigartig, zb muss sie immer ein Kissen vom Sofa schmeißen und sich drauflegen, sodass ich ewig Kissen aufhebe, abflusele, ausschüttle und wieder auf dem Sofa drappiere. Oder dass sie "Rechtshänder" ist und deswegen die angelehnte Tür zum Wohnzimmer nicht aufkriegt. Oder dass sie immer ihren lächerlichen Unterbiss zeigt, wenn sie aufs Sofa möchte. Oder dass sie immer auf der Fensterbank sitzen will, wenn ich am PC arbeite. Dass sie einen umwerfenden Schulterblick besitzt, den sie einem mit diesen großen glupschigen Triefaugen und mit völlig verdrehten Füßchen zuwirft.
Ich liebe ihre herrliche unkomplizierte Art im Alltag, dass ich sie überall ableinen kann, dass sie sich so stark an mir orientiert und Schutz sucht und noch 100 weitere Dinge.
Ich hab früher nicht gedacht, dass Hunde wirklich so unterschiedlich sind und so völlig unterschiedliche Charaktere haben können. Und ich freu mich, dass mein Hund so super zu mir passt (obwohl ich ja sozusagen alles falsch gemacht habe) und wir so ein klasse Team sind. Mein Hund war bisher bei den meisten großen Entscheidungen und Einschneidungen in meinem Leben dabei und es war egal, was anstand, er hätte alles mitgemacht und sich auf alles einstellen können.
Manchmal hab ich das Gefühl zwischen uns passt kein Blatt. Und manchmal denk ich mir "so einen netten unkomplizierten Hund kriegst du nie wieder" und dann überlege ich, ob hier überhaupt noch ein zweiter Hund hinpasst. Für jetzt und heute ist mein Hund der perfekte Begleiter für mich und ich bin sehr dankbar, dass ich, obwohl wir fast mein ganzes Leben lang Hunde hatten, erst durch meine Kleine zum Hundemenschen geworden bin.