Alles anzeigenAllgemein würde ich sagen, dass das EIN Verhalten ist, um auf einen Konflikt zu reagieren.
Man spricht von den 4 F`s: flight-freeze-fight-flirt/fiddle als die Möglichkeiten, die ein Hund zur Verfügung hat, um auf eine bestimmte Situation zu reagieren.
Wie sich ein Hund in einer für in konfliktträchtigen Situation verhält, ist abhängig von seinem Charakter und seinen Erfahrungen.
Der eine tendiert zur Flucht (wenn es noch geht), der andere zum Einfrieren oder halt Angriff/Vorwärtsgehen und das flirt/fiddle kommt eigentlicher eher selten vor, aber bei bestimmten Hundetypen wie z.B. Labradoren wird das Verhalte häufig gezeigt und ist eine Form, um Stress oder einen inneren Konflikt anzuzeigen.
Bei einem jungen Hund, der sich nur Hunden oder Menschen gegenüber so verhält, könnte es auch einfach eine aktive Demutsbekundung sein. Das wird häufig übertrieben gezeigt und legt sich manchmal im Alter auch wieder.
Wenn dein Hund das aber auch vor Gegenständen zeigt, vor denen er Angst hat, wird es eher ihre Art der Lösung sein, um auf einen Konflikt zu reagieren, ähnlich einer Übersprungshandlung.
Für mich stellt sich die Frage, ob der Hund vielleicht häufig oder zu früh schon überreizt wurde, so dass sie das einfach als Lösung abgespeichert hat.
Wann fing das Verhalten denn an?
Ich kann nicht sagen, wann sie es macht und wann nicht. Die Winterstiefel von der Nachbarin stehen vor der Tür. Ich lasse sie zB vor der Tür absetzen, dann dürfen sie nach mir raus. Manchmal schwänzelt sie dann zu den Stiefeln und fiddled rum. Manchmal geht sie hin und schnuppert nur normal an ihnen. Manchmal ignoriert sie sie komplett. Da die Stiefel dort seit Ewigkeiten stehen und nicht bewegt werden und wir uns die Stiefel schon zusammen angeschaut haben, sie ausgiebig Zeit zum Beschnuppern hatte, sollte es ja eigentlich abgespeichert sein und nichts mit Stress zu tun haben, oder?
Das Verhalten war schon von Beginn an da. Es gab bisher noch keine großartig unangenehmen Kontakte zu anderen Hunden oder Menschen.
Was machst Du denn bei Begegnungen, in denen sie nicht "rumschwänzelt"?
Ich bestätige die Ruhe und lobe, wenn sie "normal" auf andere Hunde zugeht. Generell ist bei Aufregung eh Kontakt verboten und sie wird erst losgemacht, wenn sie sich von sich aus ruhig hinsetzt und ansprechbar ist.
Wenn sie zB einen Hund vor mir sieht und schon loslegt, gehe ich mit ihr ein paar Schritte weg und versuche sie auf mich zu konzentrieren und Ruhe reinzukriegen. Ich versuche sie auf so einem Abstand zu bringen, dass sie sich die Lange anschaut, anstatt direkt hinzustürmen und sich übertrieben zu freuen.
Meine Hunde sind jeweils sichtlich froh, wenn ich sie in Situationen in denen sie sich nur noch mit "fiddeln" zu helfen wisse, unterstütze.
Das hat nichts mit "überfürsorglich" zu tun. Auch nicht, dass meine Hunde selber nichts regeln dürfen. Aber den Stress braucht der Hund nicht (über länger), ich versuche dann die Situation aufzulösen oder andersweitig zu entspannen.
Wie löst du die Situation auf oder entspannst diese? Bin dankbar für konkrete Verhaltenstipps.
Eigentlich sind das auch alles keine Situationen, in denen man Angst haben muss. Die anderen Fs passen sozusagen einfach nicht. Gestern hat sie zB eine Kuh mit Kalb entdeckt, rannte zu mir, kläffte sie an, rannte ein bisschen voran, suchte wieder Schutz. Dann gingen wir zusammen ein bisschen näher, haben uns das zusammen angeschaut und dann war gut (ok, weit entfernt von Fight, aber klare Unsicherheit).
Letztens irgendwann ging es über ein Stück Bodengitter, da hat sie blockiert, die Beine gespreizt, ging dem Po runter und bockte. Da kann man Freeze deuten. Mit gutem Zuspruch und ein bisschen Zeit und Lob ging sie dann normal drüber. Das sind Situationen, die ich kenne und einschätzen kann.
Dieses übertriebene Freuen, hinwollen, ablecken und teilweise auch Bellen kann ich nicht so recht einschätzen.