Ich gehe mal davon aus, dass jemand der mit seinem Hund Sport macht, auch darauf achtet, dass es dem Hund Spaß macht.
Das ist (leider) ein Wunschdenken. Da wo großer Ehrgeiz des HH anfängt, hört oft (nicht immer) schon das Verständnis für den Hund auf. 
Aber mal davon abgesehen...
Versteht mich nicht falsch, ich möchte niemandem seinen Hund aus Arbeitslinie madig machen, mich wundert nur die allgemeine Entwicklung in meinem Umfeld "ich bin so aktiv im Sport, mein Hund muss unbedingt aus einer Arbeitslinie (oder im Agi im Moment scheinbar sehr beliebt: gleich den Broder) kommen damit er meinen Ansprüchen genügt" und im Endeffekt geht der Hund ab und zu mit am Fahrrad und geht zwei mal die Woche ins Agi.
Dem kann ich beipflichten.
Allerdings muss ich dazu sagen, dass ich es einfach gut finde, einen rassetypischen Hund zu haben. Und für mich ist ein rassetypischer Aussie ein unternehmungslustiger Hund, der mutig ist und wacht und der gerne mit mir zusammenarbeitet. In welchem Bereich auch immer. Und beim Aussie erlebe ich leider heutzutage häufig, dass dem eben nicht (mehr?) so ist. Ich sehe Hunde, die völlig außer Stande sind, sich auch mal 10 Minuten zu konzentrieren, die Klappe zu halten, auf dem Pobbes zu sitzen und mitzumachen. Ich sehe Hunde, die nach der halben Stunde den Platz verlassen müssen, weil sie drüber sind oder gar keine Lust haben. An so einem Hund habe ich keinen Spaß. Auch in der Ausbildung nicht. Und letztendlich sind das auch die Hunde, die dem Aussie sein schlechtes Image verpasst haben.
Nochmal zum Verständnis: ich bin auch kein Fan davon, sich den möglichst krassesten Hund aus der heftigsten Verpaarung zu holen, der tatsächlich besser an Rindern aufgehoben wäre, als einmal die Woche zum Agi zu gehen (habe ich übrigens auch nicht getan. Ein richtig krasser Arbeitsaussiefan würde über meine Bliss vermutlich die Nase rümpfen. und dann auch noch vom VDH...pfui...
). ABER ich möchte sehen, dass mein Hund aus einer Linie kommt, die eben genau das mitbringt, was ich am Aussie schätze: Trainierbarkeit, Biss, Arbeitsfreude. Und das ohne dass ich da noch wer weiß wie viel Motivationstraining reinstecken muss. Dazu suche ich mir doch diese Rasse aus. Und wenn ich im Ped sehe, dass die Oma erfolgreich Flyball gemacht hat, der Opa Hütechampion war, die Mutter im Rally Obedience glänzt und der Vater im A3 läuft, kann ich eben davon ausgehen, dass mein zukünftiger Welpe eine gute Portion Wille zur Mitarbeit mitbekommt. Und deshalb möchte ich da irgendwo auch "Leistung" sehen. Dass der Hund möglichst alltagstauglich und kontrollierbar sein sollte, steht außer Frage. Und genau das ist der Grund, weshalb ich (leider) nur bei wenigen Züchter heute einen guten Hund bekommen kann.
Und natürlich sollen dem Aussie nicht alle Eigenschaften weg gezüchtet werden die ihn ausmachen. Wie gesagt, ich bin auch "gegen" die verkappten Labbis im Aussielook und gegen gedankenlose Verpaarung der Farbe wegen sowieso.
Jedoch glaube ich schon, dass zum Beispiel der Hang zur "Aggressivität"/Härte in Kombination mit Reaktiongeschwindigkeit, welche ein an Rindern arbeitender Hund eben braucht, ein Aussie in der heutigen Welt nicht mehr in der Form braucht wie ein wirklich arbeitender Hund.
Da sind wir uns eigentlich sogar einig, aber ich finde, dass die Zucht auch gar nicht in diese Richtung geht. Man will nen sportlichen Begleiter und keine Triebsau, die im Alltag nicht händelbar ist. Das macht für mich zB den Aussie auch nicht aus. Meinen ersten Aussie habe ich mit 9 Jahren gesehen. Ein US Import. Eine kleine Hündin, die absolut unauffällig neben dem Pferd ihres Besitzers im Gras lag. Drumherum liefen zig Leute, doch die Hündin hatte nur ihren Besitzer und das Pferd im Blick. Das sei ja ein liebes, ruhiges Ding, hörte ich meine Mutter sagen. Da lächelte der Reiter und antwortete "Die kann auch anders, wenn die bei uns auf dem Hof hilft". Und genau DAS ist für mich der perfekte Aussie. Irgendwie zwischen den Extremen, je nachdem was gerade gefragt ist. Und heutztage trifft man leider häufiger Hunde, die voll in einem Extrem hängen. Sei es optisch, sei es vom Wesen her.