Ich habe Australian Shepherds und die bringen rassebedingt auf jeden Fall Eigenschaften mit, die nicht immer unbedingt in das Weltbild von jedem passen. Reserviertheit, Härte, Reaktionsschnelligkeit, Wach,-und Schutztrieb zB. Meine beiden Hunde haben alle diese Eigenschaften in unterschiedlicher Ausprägung. Allerdings passen diese Eigenschaften recht gut in mein Weltbild und in meine Lebensumstände, weshalb ich dem nicht wirklich entgegenwirke. Meine Hunde müssen mich nicht überall hin begleiten können, weil ich sie nicht überall mit hinnehmen möchte. Meine Hunde sollen anschlagen, wenn jemand das Grundstück betritt. Meine Hunde dürfen durchaus Schutztrieb haben, weil ich meist allein an einsamen Orten mit ihnen unterwegs bin. Meine Hunde dürfen auch andere Hunde blöd finden, da wir sowieso kaum Kontakt mit Fremdhunden haben. Allerdings fallen beide Hunde auch verhaltenstechnisch nicht aus der Norm und sind für niemanden eine Gefahr, weil ich auf sie acht gebe und sie sehr genau kenne.
Charakterlich sind beide jedoch grundverschieden. Er ist der gelassene, verzeihende Typ, der Ärger aus dem Weg geht, aber seinen Job als Aufpasser sehr ernst nimmt und sie ist der PS-starke Sportflitzer mit eingebautem Hochleistungsrechner und einer sehr schnell brennenden Lunte. Eigentlich decken sie durch ihre verschiedene Lagerung das doch recht breite Verhaltensrepertoire der Rasse gut ab.
Sie passen so wie sie sind sehr gut in mein Leben und deshalb werde ich mich immer wieder für den Aussie entscheiden. Ich komme mit ihren Rasseeigenschaften sehr gut zurecht und kann sehr locker mit ihnen umgehen, weil sie in meinem Alltag auch nicht anecken. Vieles, was für manche eine Vollkatatstrophe und mit sofortiger Arbeit daran verbunden wäre, kann ich mit einem Augenzwinkern oder Schulterzucken hinnehmen und es einfach dabei belassen. Eben weil ich immer im Hinterkopf habe, was ich am anderen Ende der Leine habe und weshalb manche Verhaltensmuster hin und wieder mehr oder weniger stark zum Vorschein kommen. Gewisse Verhaltensmuster lenke ich in eine gemäßigtere Bahn, verlange aber nicht, dass der Hund sich komplett umkrempelt. Wäre das so, hätte ich mich in der Rasse vergriffen.
Sie laufen allerdings nicht nebenher und sind beides Hunde, die Umsicht und Einsatz fordern. Ich persönlich mag das. Für andere (vor allem für die, die gesellschaftskompatiblere Hunde brauchen, weil sie sie überall hin mitnehmen müssen), wäre das wohl ein Graus und die Haltung mit viel Training, deckeln und Arbeit verbunden.
Generell sollte man bei der Hundewahl darauf achten, dass man sich eine Rasse aussucht, die man nicht allzu stark verbiegen muss, damit das gemeinsame Leben irgendwie klappt. Der Charakter des Hundes kann noch so gut sein, wenn man die rassetypischen Eigenschaften einfach nicht mit den eigenen Lebensumständen überein bekommt.