Bisher war es den Großteil der Zeit eben ein Hund, der sich so und so verhält, kein typischer Herdenschutzhund der sich in diesem Ausmaß wie ein Herdenschutzhund verhält. Das sorgt natürlich bei den Haltern dann auch für viel Konflikt und Unverständnis weil man dann, wie ihr richtig sagt, versucht den Hund zu verbiegen obwohl das möglicherweise einfach gegen die Natur der Tieres geht.
Ich denke auch das ein riesiger Teil der Frustration und der Belastung mit dem Hund bisher wahrscheinlich auf genau diesem Konflikt beruht. Die Halter haben immer und immer wieder versucht das Verhalten des Hundes in einen gemäßigten Bereich zu kriegen was vieleicht wie ihr sagt einfach nicht drin ist mit dieser Art Hund. Natürlich führt das auf Dauer zu einer Menge Frust und einem geht die Energie aus.
Ich glaube, das ist wirklich ein Knackpunkt. So wie es klingt, sind es ja auch Ersthundehalter. Da hat man einfach unrealistische Erwartungen an (die meisten) Hunde, an sich selbst und an die Trainierbarkeit.
Ich habe vor Elvis wirklich zugesehen, mich bestmöglich zu informieren. Aber trotzdem habe ich irgendwie gedacht, man kann Hunde durch Training recht weitgehend formen. Yo, kann man nicht.
Vereinfacht gesagt sind Hunde über Jahrhunderte die Bio-Roboter der Menschen gewesen. Das gewünschte Verhalten wurde durch Selektion immer unverrückbar "einprogrammiert", nicht durch Software, sondern durch Gene. Gegen diese über Jahrhunderte eingezüchteten rassespezifischen Eigenschaften kommt man mit Training nicht gegen an. Oft auch mit krasseren Methoden nicht unbedingt, denn die eingezüchteten Eigenschaften sollte ein Hund ja gerade in widrigen Situationen beibehalten, wenn es darauf ankommt. Ein Jagdhund soll sich von der Jagd nicht abhalten lassen, ein HSH soll die Herde auch dann schützen, wenn es gefährlich für ihn selbst wird.
Man kann aber mit diesen EIgenschaften arbeiten, dazu gab es hier ja schon viele Beispiele (z. B. wachen lassen). Aber als Ersthundehalter weiß man das nicht (und alle Trainer wissen das auch leider nicht).
Und selbst wenn man es theoretisch weiß, ist es etwas komplett anderes, das wirklich zu erleben. Meistens geht man ja eher davon aus, man wäre zu blöd, macht alles falsch etc. und zerfleischt sich selbst, denn alle anderen Hunde sind ja so brav, lieb, laufen frei usw. usw.
Genau wie du schreibst, das führt zu Frust, raubt Energie, kostet sehr viel Aufwand, Zeit und oft auch Geld, bringt aber bitterlich wenig Ergebnisse. Das ist hart für Hund und Halter. Wirklich zu realisiseren, dass der Hund ist, wie er ist, ist da schon eine große Erleichterung. Die wünsche ich deiner Schwester und ihrem Mann.
Wie du auch schreibst, sie werden den Hund ja ohnehin noch längere Zeit haben. Allein schon mit Management, wie es hier beschrieben wurde, ist da wahrscheinlich schon viel gewonnen. Und wer weiß, was sich noch ergibt, wenn der Blick auf den Hund nicht mehr von den eigenen unrealistischen Idealvorstellungen verstellt ist.