Impulskontrolle und Freilauftauglichkeit
Nachdem ich nun längere Zeit nicht mehr dazugekommen bin, hier weiter zu schreiben, möchte ich heute was zum Thema Impulskontrolle und Freilauftauglichkeit schreiben.
Das Thema war für mich besonders wichtig, da Newton ja Schulhund werden sollte. Man kann sich sicher vorstellen, dass ein Labrador mit 30kg+, der quer über den Schulhof einer Katze, einem Ball, etc. hinterher hetzt, eher suboptimal ist, auch wenn die "Kinder" in unserem Fall schon "größer" (15 Jahre und älter) sind.
Anfangs haben wir ziemlich viel über Blickkontakt gemacht. Futter, Leckerli, Spielzeug, etc. alles erst nach zumindest kurzem Blickkontakt, der relativ einfach herzustellen war. Danach wurden Länge des Blickkontaktes und dann die Schwierigkeit ausgebaut, d.h. gegen Ende dieser Phase war auch teilweise ein Umdrehen seitens Newton nötig um den Blickkontakt herzustellen, der dann wiederum ein paar Sekunden gehalten wurde.
Als das dann gut saß, fingen wir an, auch unter Ablenkung zu arbeiten. Erst natürlich bei geringer Ablenkung. Dann steigernd. Hier haben wir sehr viel mit der Schleppleine gearbeitet. Es lief quasi immer so ab: Newton erblickt etwas Interessantes (Mensch, Hund, Katze, Ball, Blatt, etc.), ich blockiere die Schleppleine, warte bis er sich umdreht und mich anschaut, "Genau.", Leckerli einschieben, fertig.
Konkrete "Übungseinheiten" gab es allerdings gar nicht. Das wurde auf jedem Spaziergang so gemacht und hat sich in insgesamt 1,5 Jahren an der Schleppleine (mit kurzen Unterbrechungen) derart eingeschliffen, dass Newton es heute noch (!!!!) so macht, auch wenn er keine Schleppleine dran hat.
Was natürlich gerade für den Freilauf ungemein praktisch ist! Reh-Sichtung, Blick zu mir, Lob, Abruf, Leckerchen, Leine dran, Leckerchen. Wobei ich die Leine gar nicht immer dran mache. Das mache ich davon abhängig, wie aufregend er das Ganze findet.
Womit wir beim Thema Freilauftauglichkeit wären. Auch hier haben wir viel mit der Schleppleine gearbeitet. Mir war es zunächst wichtig, dass Newton immer sehr dicht bei mir bleibt, damit er lernt, sich an mir zu orientieren. Die SL wurde dann auf 1m gekürzt und dann einfach Quer-Feld-ein durch die Pampa. Mit abrupten Richtungswechseln, Kehrtwenden, etc. Ich hatte da das Glück, dass Newton das aus welchen Gründen auch immer mega spannend fand und so haben wir da ziemlich schnell Erfolge gehabt. Nach und nach wurde dann der Radius erhöht und wir waren dann relativ schnell bei den vollen 5m angekommen. Und dann wurde sie abgemacht, die Schleppleine. Genau für einen Monat, denn dann schoß der erste Saft in den Stengel (um es mal salopp zu formulieren) und die Gerüche draußen waren nun leider viel spannender als Frauchen (auch wenn sie zig Richtungswechsel pro Minute macht). Also Schleppleine wieder dran. Von vorne. Nach sechs Monaten war es dann wieder soweit, dass die Schleppleine weg konnte. Zu den Jahreszeitenwechseln (besonders Winter/Frühjahr und Herbst/Winter) gab es dann jeweils kurze Rückfälle, nach denen er wieder ein paar Wochen an die Schleppleine musste. Das Frühjahr 2017 war dann das erste Rückfall-freie.
Auch der Winter 2017 begann ohne Rückfall. Schleppleine liegt mittlerweile ganz hinten im Schrank.
Newton hat bis heute einen sehr kleinen Radius und ihm entgeht wirklich nichts. Wenn wir zusammen mit einer Schulklasse unterwegs bin, kann ich mich voll drauf verlassen, dass er selbständig darauf achtet, dass er dran bleibt. Wenn ich mit 30 Jugendlichen unterwegs bin, bin ich ehrlich gesagt auch gut beschäftigt, auf die Schüler zu achten. Wenn ich da noch laufend schauen müsste, wo der Hund ist... 
Zur Freilauftauglichkeit gehört auch der Rückruf. Das habe ich ganz klassisch gemacht. Nur rufen, wenn ich sicher bin, dass er kommt und dann ausgiebig loben. Hat sehr gut geklappt. Newton steht beim ersten Pfiff da. :)
Weil er da aber immer sehr gemach, gemach angetrottet kam, habe ich irgendwann einen Notfallrückruf aufkonditioniert. Das lief über Leckerchen treiben. Er sitzt vor mir, ich werfe ein Leckerchen nach rechts, er hetzt hin, sobald er es hat, kommt das Signal (bei uns "Komm, komm, komm,...") und ein Leckerchen fliegt in die andere Richtung. Sobald er es hat, wieder das Signal und nächstes Leckerchen wieder nach rechts. Auf diese Art und Weise kommt er nun direkt und sehr zügig zu mir. War auch leider schon einmal im Ernstfall in Anwendung und hat super geklappt. :)
Insgesamt würde ich es wieder so machen. Newton läuft wirklich 80-90% frei. Einziger Nachteil, den diese tolle Freilauftauglichkeit hat, ist dass die Leinenführigkeit erheblich darunter gelitten hat. Da müsste ich das nächste Mal einen besseren Weg finden, das irgendwie in Einklang zu bringen.
Der nächste Hund soll bitte genauso toll freilauftauglich sein, aber wenn es sein muss auch ordentlich an der Leine laufen. Das ist bei Newton bis heute ein Problem. Besonders wenn ich, wie zur Zeit, körperlich etwas eingeschränkt bin.