Beiträge von RafiLe1985

    Verrückt wie sich das regional unterscheidet. Bei denen, wo ich war, waren die Arbeits-Labbis immer stark vorherrschend. Häufig war überhaupt keiner aus Standardzucht dabei.

    Die Hunde haben das in der Regel nicht auf die Stirn geschrieben. Nur weil ein Labrador rank und schlank ist, heißt das nicht, dass er aus einer FT-Zucht stammt. Originäre FT-Zuchten gibt es in Deutschland überhaupt sehr selten.

    Kann auch sein, dass wir von unterschiedlichen Dingen reden... Ist nicht so einfach mit den Begrifflichkeiten...

    Ich kann es einfach nicht so stehen lassen, der Werdegang bei den Labis und Golden bei uns auf dem Platz ist meist ein völlig anderer.

    Und ich kann einfach nicht so stehen lassen, was du schreibst...

    Warst du jemals auf einem Working Test in der Retriever-Szene dabei? Nur weil die Hunde bei euch auf dem Platz nicht arbeiten, heißt das nicht, dass sie es nicht können, wenn sie ihrer ursprünglichen Verwendung (oder einer entsprechenden Ersatzbeschäftigung) zugeführt werden.

    Wenn man sieht, wie die Hunde "in natura" arbeiten, dürfte ziemlich klar sein, dass für den durchschnittlichen Labbi UO einfach stinke langweilig ist. Wenn dann noch in dem ein oder anderen Fall Defizite (absichtlich so allgemein gehalten) beim HF dazukommen, dann wird es halt nix mit IPO und dem Labrador.

    Also, ich habe mir mit dem Hoch- und Runterschleppen meiner 16 kg schweren Hündin innerhalb eines Jahres einen Bandscheibenvorfall zugezogen.

    Ich würde mir keinen Hund zulegen, bei dem die Schlepperei vorprogrammiert ist. Auch bei meinem 9 kg-Spitz würde ich das nicht regelmäßig machen wollen.

    Ich habe mir an 13,5kg Hunter Anfang September einen Hexenschuss gehoben an dem ich bis heute laboriere. Wenn man es absehbar ist, dass man den Hund regelmäßig über einen längeren Zeitraum (z.B. in den letzten Lebensjahren des Hundes) tragen muss, würde ich definitiv unter die 5kg-Marke gehen...

    Welche Arbeit macht dein Labrador, neben der "Arbeit", dich in die Schule zu begleiten?Ist zwar jetzt ziemlich offtoppic, aber was unterscheidet einen Schulhund von einem Hund, der täglich ins Büro mitgeht?

    So, ich komme nun endlich zum Antworten. Werde versuchen mich trotzdem kurz fassen, weil ich wie gesagt bezweifle, dass die Fragen ernst gemeint waren...

    Schon allein die Frage, was denn den Büro-Alltag vom Schulalltag unterscheiden würde... Nun ja... Das kann sich jeder mit ein bisschen Nachdenken selbst beantworten, der mal eine Schule von innen gesehen hat. Was in einer westlichen Industrienation wie Deutschland auf fast alle von uns zutreffen dürfte...

    Aber gut, mal exemplarisch ein paar Beispiele: Selbst im worst case Großraumbüro hat man in der Regel als Arbeitnehmer einen festen Arbeitsplatz, den man mit einfachen Mitteln hundegerecht einrichten kann. Auch wenn man zwischendurch mal Kaffee kocht, zur Toilette geht, Eine rauchen geht, im Meeting oder in der Mittagspause ist, etc. pp. verbringt man dort dann den Großteil seines Arbeitstages. Nicht so in der Schule. Die Klassenzimmer wechseln im 45-Minuten Takt. Ich bin unterwegs mit Rucksack, Laptop, meist noch einem Stapel Kopien und einem Hund an der Leine. Wie ich da noch in jede von Newtons Unterrichtsstunden Hunde-Equipment mitschleppen soll... Nun ja...

    Der Unterricht selbst ist auch sehr dynamisch heutzutage. Ich mache in Mathe 100% selbst-organisiertes Lernen und ich Englisch schätzungsweise so 80%. Da sitzt keiner in Reih und Glied. Ist auch nicht erwünscht. Die Schüler laufen im Klassenzimmer umher, wechseln die Arbeitsgruppen, gehen vor an die Tafel um etwas zu erklären, mal geht einer raus, mal kommt einer rein. Dass das nicht in absoluter Stille vonstatten geht, dürfte klar sein. Ich bin auch die gesamte Unterrichtsstunde irgendwo unterwegs, meist im Klassenzimmer. Aber je nachdem wo die Gruppen sind auch mal im Schulhaus.

    So, dann ist Pause. Wir haben im Vollzeitbereich gute 800 Schülerinnen und Schüler, die innerhalb von fünf Minuten die Klassenzimmer wechseln. Ich denke, man kann sich vorstellen, wie es da auf den Gängen aussieht. Dazu haben wir im Schulhaus viele Treppen. Zum Begängnis kommt der Lärmpegel, den dies verursacht.

    Im Lehrerzimmer angekommen, möchte man eigentlich schon fast wieder umdrehen, weil man da ins nächste Chaos kommt. Wieder Lautstärke, Begängnis.

    Davon was Newton alles abkönnen muss, ganz zu schweigen. Da landet mal ein Turnbeutel an ihm. Zwischendurch wird er mal angetatscht. Auf dem Pausenhof wird Ball gespielt. Auf der Bank sitzen Schüler die lecker vespern. Mal ruft irgendwer nach ihm.

    So, und da war Newton dann aber noch gar nicht im Einsatz. Das ist nur das bloße Begleiten. Dass das mental von jedem Hund eine Höchstleistung abverlangt, dürfte klar sein. Jeder Hund, der so einen Alltag nicht gewohnt ist, ist nach einer Unterrichtsstunde mit dazugehöriger Pause total durch. Einmal hatte ich Newtons Freundin dabei. Ich hatte sie in Betreuung weil Frauchen auf Reisen war und damit sie wenigstens mal aus dem Auto kommt, habe ich sie für eine Unterrichtsstunde in einer ruhigen Klasse (!) rausgeholt... Nun ja, nach 30 Minuten musste ich sie ins Auto bringen, weil sie so fertig war, dass sie bei fast jeder Gelegenheit die Lefze hob. Ein externer Mitarbeiter von uns (der ein eigenes Büro hat!) brachte anfangs seinen Border Collie mit in die Schule. Dieses Vorhaben musste er aufgeben, nachdem der Rüde immer unsicherer wurde und sich komplett zurückzog.

    Von den Ausbildungsinstituten wird empfohlen, einen Therapiebegleithund (unter diesem irreführenden Begriff werden Schulhunde leider immer noch geführt) maximal dreimal in der Woche für maximal 10-15 Minuten einzusetzen. Sicher nicht, weil der Job so locker und easy ist...

    Die konkreten Einsätze gestalten sich dann unterschiedlich. Mal sind es einfach Spielereien. Vorrechnen, Dummys suchen, Karte ziehen oder sonst wie eine Auswahl zu treffen, Würfeln, etc. Ein anderes Mal geht es vielleicht drum, das Bauchweh zu heilen oder einfach "zuzuhören" oder da zu sein.

    Zur Frage, welche andere Arbeit Newton noch verrichtet... Ich hoffe, das war ein Witz... Als ob er da noch Kapazitäten hätte... Wer sich das nicht vorstellen kann, darf mir gerne mal seinen Hund für eine Unterrichtsstunde und eine Pause mitgeben... Wir machen einmal die Woche just for fun und zum Ausgleich Hundesport (unterschiedliche Dinge, mal Nasenarbeit, mal Dilettanten-Dummy, in letzter Zeit Crossdogging) und das war's dann.

    Zumal die Ausbildung auch sehr umfangreich und langwierig (2,5 Jahre) war. Da "nebenbei" einen anderen Hundesport (Dummy, etc.) ernsthaft aufzubauen und zu betreiben, wäre undenkbar gewesen.

    Mit Hunter habe ich nun eine Rettungshundeausbildung begonnen. Er ist gestern vier Monate alt geworden. Und nun stelle man sich vor, ich würde ihn "nebenbei" noch für den Dummysport ausbilden. Allein terminlich ginge das nicht. Das wäre aber vom Anforderungsniveau ungefähr das Gleiche. Für einen vier Monate alten Hund undenkbar.

    Was Newton sein Job alles abverlangt, dürfte auf der Hand liegen. Ein hohes Maß an Frustrationstoleranz, Impulskontrolle, eine hohe Reizschwelle, jederzeit höchste Aufmerksamkeit, absoluter Gehorsam. Wie gesagt, so ganz bewusst wurde mir erst, was ich ihm da eigentlich abverlange, nachdem ich mal seine Freundin mitgenommen hatte...

    Die ersten zwei Wochen der Sommerferien verbringt Newton mit schlafen, schlafen, schlafen. Wir gehen unsere Standard-Gassirunden. Mehr nicht. In der dritten und vierten Woche merkt man, wie er sich immer besser erholt. Und in der fünften und sechsten Woche fangen wir dann meist an mehrmals in der Woche mit Dummys zu arbeiten, weil ihm dann die Arbeit fehlt. Wobei er diese Sommerferien auch mit dem Welpen gut beschäftigt war. ;)

    Und wie gesagt: Newton kommt aus einer reinen Standardzucht. Er will und muss arbeiten. Und ich wage zu behaupten, dass das für jeden Labrador aus einer reinen Standardzucht gilt, wenn ihm Entsprechendes geboten wird.

    Deswegen finde ich es einfach schade, wenn Labbis grundsätzlich vorgeschlagen werden, wenn es um reine Begleithund-Eigenschaften geht. Labbis können und wollen arbeiten! Man kann als Interessent (@TE) auch mal auf eine Prüfungsveranstaltung des LCD oder des DRC gehen und sich das anschauen. Da würde ich schätzen sind über 80% der Hunde aus Standardzucht. Da sieht man, welches Potential in den Hunden steckt, das eben leider immer öfter irgendwo als "Familienhund" vergammelt.

    Aber wie gesagt: Hier soll es ja (diese Info fehlte im Eingangspost) schon in Richtung Dummy (zumindest just for fun) gehen und daher kann man hier im Endeffekt sicher einen Labrador empfehlen.

    Edit: Kurzfassen nicht gelungen. Nun ja...

    Wenn du behauptest, dass der Standardlab hier zu wenig Programm geboten bekommt, ist die Frage von Hektorine durchaus nicht OT sondern dient lediglich dazu, die Bedürfnisse der Zuchtrichtung zu umreißen, was der TE bei ihrer Suche hilft.

    Also weder OT noch Provokation.


    Würde ich als klassichen kleinen Treibhund jetzt nicht unbedingt als Hund einstufen, der jeden Besuch toll findet und per se akzeptiert, egal ob zu Hause oder im Büro.

    Gut, dann werde ich das morgen ausführlich beantworten. Aber wehe, es beschwert sich dann jemand, es würde zum „Newton-Thread“...

    Sorry, aber ich kenne duzende Golden und Labrador Retriever aus dem Hundeverein. Meist aus Standard Zucht. Sicher an die 100 Stück. Die allermeisten davon, sind völlig glücklich und gelassen als bewegungsfreudige familienhunde. Die machen einmal die Woche bei uns UO mit und sind ansonsten freudige kinderkumpel und familienbegleiter. Die jetzt als arbeitshunde mit gehobenen Ansprüchen zu verkaufen, ist absolut übertrieben und damit tut man ihnen echt unrecht. Ja, ein Retriever aus jagdlichen Linien ist ein richtiger, ernstzunehmendener arbeiter, aber die aus der Standard Zucht, sind doch mit gassi, kleinen Wanderungen, ein bisschen dummy und vor allem dabei sein, sehr zufrieden und ausgelastet.
    Und ja, ich hatte selber einen Golden Retriever aus jagdlicher Zucht. Und selbst die, war im Vergleich zu meinen jetzigen, vollblutarbeitshunden, echt super auszulasten und zufrieden zu stellen. Meine ganzen sportlichen Aktivitäten (THS, Dummy, Fährten) waren ihr im Gegenteil immer Zuviel und ich habe mich deshalb dann für andere Rassen entschieden.

    Will das einfach so nicht stehen lassen. Ich finde ein Labrador oder Golden Retriever würde hier super passen.

    Lg

    Ja, das sind genau die Labbis, die als reine Begleithunde angeschafft wurden. Irgendwann mit Eintritt der Pubertät hat man dann gemerkt, dass das sparsame Programm doch nicht genug ist. Weil der Hund daheim das Sofa auseinander nimmt, wenn er alleine ist. Etc. pp. Und nun geht man halt alibimäßig einmal die Woche auf den Hundeplatz damit wenigstens etwas mit dem Hund gearbeitet wird...

    Die allermeisten Labbis, die jagdlich geführt werden, sind übrigens Standardzuchten...

    Natürlich ist ein Labrador was Anderes als ein Working Kelpie oder Border Collie. Das wird keiner bestreiten.

    Trotzdem bin ich dagegen, dass laufend Labbis empfohlen werden, wenn es eigentlich ein einfacher Begleithund tun würde... Genau so kommen die Labbis nämlich zu ihrem schlechten Ruf.

    Ich kenne Labbis zu genüge. Solche und solche. Die, die rassegerecht und sinnvoll beschäftigt werden und die, die halt als "Familienhunde" nebenher laufen. Und genau letztere sind die, die in alles und jeden rein donnern, nicht abrufbar sind, in den unangemessensten Momenten "spielen" wollen (auch wenn der andere Hund längst genervt von dannen ziehen will), etc.

    Aber hier soll ja was getan werden, mit dem Hund (Dummy, Agility, oder so). Also alles gut.

    Ein Labrador oder Golden Retriever aus einer Standard Zucht bzw. Showzucht ist doch nun wirklich kein Arbeitstier mehr bzw. würde dem das hier gebotene gut ausreichen und völlig zufrieden stellen.

    Lg

    Naja, kommt drauf an. Nur weil Labbis und Goldies nicht gleich die Wände hoch gehen wenn sie nicht arbeiten dürfen, heißt das nicht, dass sie damit zufrieden sind.

    Ich habe hier einen Labrador aus einer Standardzucht sitzen und der ist definitiv nicht zufrieden ohne Arbeit.

    Ah ok, das wusste ich nicht :tropf: An etwas Hundesport (Dummy/Aggi/Dog Dancing/Hoopers) sind wir schon interessiert, aber das eher auf zwei mal die Woche begrenzt, als jeden Tag durch powern. Die Mutter meines Freundes hat uns die Rasse mal vorgeschlagen (eine Freundin von ihr züchtet sie), ich glaube für sie fielen die eher in die Kategorie "Labrador" von der Aktivität her :???:

    Au weia, nein, ganz und gar nicht. Die Toller sind meines Erachtens (mit den Flats) unter den Retievern das, was die Border Collies unter den Hütehunden sind.

    Wenn du Dummy just for fun machen magst, ist ein Labbi oder Goldie sicher die richtige Wahl. Aber mit einem Toller sollte dann schon gezielt trainiert und auf entsprechende Prüfungsveranstaltungen (WTs, etc.) gegangen werden.

    Ich kenne keinen Toller, der nicht in irgendeiner Form gearbeitet wird.