Ich kann bibidogs beipflichten. Hier sitzt ein knapp 1,5 Jahre alter Nova Scotia Duck Tolling Retriever und ich sehe um ehrlich zu sein nicht, was der an „krasser“ Auslastung bräuchte. Toller werden ja oft als die Border Collies unter den Retrievern bezeichnet, ich finde sie rassegerecht zu halten ist nun echt kein Hexenwerk.
Bis auf zwei Löserunden gibt es einen großen Spaziergang am Tag. Aktuell ist der Hund völlig damit ausgelastet sich in Impulskontrolle zu üben, eben keine Vögel zu jagen, zu schnüffeln und sich regelmäßig zu mir umzudrehen und für die Umorientierung ein Leckerlies zu kassieren. Auf dem großen Spaziergang darf er oft ein paar Dummies apportieren (3-6 etwa) und noch bei mehr den Frust aushalten sie eben nicht bringen zu dürfen. Einmal die Woche gehen wir ins Training und ich behaupte das reicht meinem Hund so. Der pennt zu Hause, ist ausgeglichen und rassetypisch jederzeit in der Lage den Turbo anzuwerfen.
Im Vergleich zu manchen anderen Tollern, die ich kennengelernt habe ist er vielleicht noch einen Tick triebiger, aber auch reizoffener. Umso wichtiger finde ich, dass er weniger Arbeit und mehr Zeit zum Verarbeiten bekommt. Warum es heißt „die Rasse braucht super viel spezielle Auslastung und man muss super viel Zeit investieren“ verstehe ich ehrlich gesagt nicht. Man muss sich halt auch beim Gassi mit dem Hund beschäftigen und dann hinsichtlich Jagdtrieb den Daumen drauf haben, dann läuft das meiner Einschätzung nach.
Dein Hund ist noch sehr jung. Ich würde dir vorschlagen, arbeitstechnisch mal in etwas rein zu schnuppern. In meiner Staffel darf man zum Beispiel anfangs vollkommen ohne Verpflichtung 6 Wochen lang mit trainieren. Natürlich muss es nicht unbedingt Rettungshundearbeit sein. Wenn bei euch eine DRC-Gruppe vorhanden ist, wäre Dummy sicher auch ganz nett.
Ich verspreche dir, du wirst deinen Hund dann mit anderen Augen sehen. Weil du erlebt hast, was er könnte wenn er dürfte und wie viel Spaß er daran hätte.
Gerade bei einem lern- und bewegungsfreudigen erwachsenen Hund mit ein wenig Vorbildung macht man (bei kompetenten Ausbildern) sehr schnell Fortschritte und sieht auch nach sechs Wochen schon eine richtige Entwicklung. Ich würde meinen Arsch drauf verwetten, dass dein Hund nach den sechs Wochen eine Prüfungsanzeige drauf hätte.
Daß Hunde einfach nur so mitlaufen ist eine immer wieder unterschätzte Hochleistung des Hundes ;-)
Das kann man einfach nur betonen. Egal ob damit tägliche Cafébesuche oder "Aushalten" von spielenden Kindern im Haus gemeint ist. Deshalb finde ich es schade, wenn Neulinge, die nach einem Alltagsbegleiter suchen, gefragt werden, warum sie überhaupt einen Hund wollen.
Also ich setze das Voraus, dass meine Hunde solche Dinge ohne Murren aushalten und sich im Alltag ordentlich zu verhalten wissen. Ganz ehrlich, ich habe das nie explizit geübt. Weder bei Newton noch bei Hunter. Beide Hunde sind im Alltag vollkommen unproblematisch. Und ich kann jetzt auch nicht feststellen, dass sie normale Alltagsbegleitung besonders belastet.
(An dieser Stelle könnte man sicher argumentieren, dass das ein schöner Nebeneffekt der Ausbildung ist. Wenn wir mit der Staffel nach dem Training mal irgendwo einkehren... Dann sind das an die 20 Personen und jeder mit mindestens einem Hund... Da ist kein einziger Hund (die unter 1-jährigen mal ausgenommen) dabei, der sich nicht ordentlich verhält. Kein einziger.)
Nochmal zu Labbis aus klassischen Linien ( Avocado
Die allermeisten Labbis die jagdlich geführt werden, entstammen klassischen Linien. Ich finde es schade, dass offenbar niemand SL-Labbis kennt, die bewegungsfreudig, arbeitsfreudig und triebig sind. Aber klar, die sieht man im Alltag halt eher selten. Wenn man wöllte, könnte man aber durchaus mal auf einen Workingtest in der Nähe. Da sieht man diese Labbis zu Hauf.
Was mich in meinem Hundehalter-Alltag halt immens aufregt, ist, dass sich viele Menschen Hunde her tun, denen sie hinten und vorne nicht gerecht werden können. Beispiele aus meiner Nachbarschaft... Da holt sich der Familienvater einen X-Herder, weil er dreimal die Woche joggen geht. Der Hund ist mittlerweile 1,5 Jahre alt, hat Leinen- und Maulkorbpflicht und die Frau kann gar nicht mehr mit ihm Gassi gehen, weil sie ihn nicht halten kann, wenn andere Hunde entgegen kommen. Ein anderer Nachbar holt sich einen Cane Corso. Anfangs wollte man Schutzdienst mit dem Hund machen. Joah, die Zeit reichte dann doch nicht. Nun geht man nur noch Gassi. Der Hund wurde hoch problematisch. Der Halter geht mittlerweile nur noch nachts Gassi weil der Kerl mittlerweile fast 70kg wiegt und es richtig schlecht ausgehen könnte, wenn bei einer Hundebegegnung nicht irgendwo ein stabiler Baum in Reichweite steht... So könnte ich beliebig weitermachen...
Und wenn dann hier jemand im Forum schreibt, er möchte einen Hund der Rasse xy, dann erlaube ich mir schon nachzufragen, was man mit dem Hund so vor hat. Für nur Gassi gehen und ein bisschen Sport, da reicht meiner Meinung nach ein normaler Begleithund (FCI 9) oder halt ein netter erwachsener Mix aus dem Tierheim, dessen Bedürfnisse man bereits gut einschätzen kann.
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