Hallöchen ihr Lieben!
Ich hatte im "Fragen die man sich nicht zu stellen traut"-Thread nachgefragt, ob es so einen Thread wie diesen hier schon gibt. Antwort war nein, aber es zeichnete sich ab, dass durchaus ein Bedarf besteht.
Die Idee zu diesem Thread kam mir, weil ich eben zwei komplett unterschiedliche Hunde habe und mich oft frage, wie ich diese oder jene Situation managen und dabei jedem Hund gerecht werden soll/kann. Ich erzähle erstmal ein bisschen was zu meinen Wuffs und zu den Situationen, wo es echt anstrengend ist, die beiden unter einen Hund zu bringen.
Mein Ersthund ist Whiskey. 5 1/2 Jahre, Rüde, mittlerweile kastriert (im Februar diesen Jahres), Mischling aus Kl. Münsterländer und Appenzeller Sennenhund. Er stammt vermutlich aus einem Upps-Wurf und wurde bei der Familie, die ihn aufnahm, bis kurz vor seinem ersten Geburtstag auf dem Balkon gehalten. Keine Spaziergänge, kein Kontakt zu anderen Hunden, keine Beschäftigung, nur 5 Kinder, die ihn wohl viel getriezt haben. Dann kam er zu mir und meinem damaligen Partner. Er kannte nichts (ich würde viele seiner Verhaltensweisen einem Deprivationsschaden zuschreiben) und ist buchstäblich über Tische und Bänke gegangen, kam null zur Ruhe, fing irgendwann an, alles was sich bewegte zu jagen usw.
Mittlerweile kommt er zu Hause sehr schnell zur Ruhe, nur Besuch stresst ihn anfangs noch sehr. Er lernt sehr gerne Tricks, ist immer auf Zack und achtet auf absolut alles, was um ihn herum passiert. Er ist oft schreckhaft und fahrig und neigt dazu, bei jeder Handlung zu übertreiben, egal ob im negativen oder positiven Sinne.
Andere Hunde sind ihm entweder egal, oder sie nerven ihn (und er maßregelt sie), oder er will sie tot sehen (keine Übertreibung).
Whiskey ist was die Ernährung angeht recht sensibel und ich muss echt aufpassen, was ich ihm in welcher Menge zu fressen gebe, damit er keinen Durchfall bekommt. Er neigt zudem stark zu Sodbrennen. Weil er sändig aktiv ist und unter Strom steht, muss ich bei ihm ebenfalls aufpassen, dass er nicht zu dünn wird.
Nala kam erst als Pflegehündin zu mir (vor etwas mehr als einem Jahr) und durfte dann wegen ihres Charakters bleiben. Sie ist mittlerweile 1 1/2, Hündin, intakt, griechischer Straßenmix (vmtl. viel Hirtenhund mit drin). Sie ist schlicht und einfach tiefenentspannt und läuft einfach so nebenher mit, freut sich, wenn man ihr Beschäftigung anbietet, aber beschwert sich nicht, wenn man es nicht tut. Sie ist für viele Formen der Beschäftigung zu haben und arbeitet super konzentriert und gründlich mit, wenn sie begriffen hat, was man von ihr will. Sie hat Jagdtrieb, aber der ist wirklich extrem gut kontrollierbar, weil sie super vorsteht. Im Zweifelsfall bleibt generell bei allem erstmal stehen, schaut es sich an und schaut sich vor allem an, was ich mache. Einziges echtes Problem mit ihr ist, dass sie sich mit dem ganz alleine bleiben (also ohne Whiskey und mich) sehr schwer tut. Wir machen zwar Fortschritte, aber es dauert und gibt immer wieder Rückfälle.
Sie liebt absolut jeden Menschen (auch unsere Tierärztin, vor der Whiskey mittlerweile absolute Panik hat) und hat auch in größeren Menschenmengen kein Problem sich entspannt zu bewegen. Die meisten Hunde findet sie toll oder verhält sich ihnen gegenüber neutral.
Nala hat einen Magen aus Stahl und verträgt echt absolut alles und in jeglicher Menge. Leider neigt sie auch dazu, schnell mal was anzusetzen.
Kurzum könnte man also sagen:
Whiskey steht ständig unter Starkstrom, während Nala absolut chillaxt (
) ist.
Ich mache es im Moment so, dass ich zwei von drei Runden getrennt Gassi gehe. Nur spät Abends, wenn es sehr unwahrscheinlich ist, dass man noch jemandem begegnet, nehme ich beide Hunde mit. Wenn es dunkel ist fallen außerdem viele optische Reize, auf die Whiskey reagieren könnte, weg und er ist entspannter. Whiskeys 2m Leine hänge ich im CaniCross Gürtel ein, damit sie mir nicht aus Versehen aus der Hand fällt, während Nala an der 10m Flexi läuft. Sie bummelt meistens etwas hinter uns her und so ist es entspannter, als wenn ich ständig stehen bleiben muss.
Ich erlebe es oft, dass ich mit Nala unterwegs bin und denke "mit Whiskey wäre das nicht möglich", "jetzt wäre Whiskey ausgetickt" usw. Das belastet mich tatsächlich sehr, weil ich das Gefühl habe, Whiskey schlecht zu reden. Er kann viele Sachen einfach nicht, die für/mit Nala selbstverständlich sind. Viel seltener habe ich den Gedanken "mit Whiskey wäre das jetzt einfacher" (weil er sensibler auf meine Körpersprache reagiert und mehr Kommandos beherrscht).
Whiskey muss oft zu Hause bleiben, weil (Leinen)Gassi in fremder Umgebung mit ihm nicht machbar ist, oder weil ich ihn ohne eigenes Lager nicht mit auf einen Mittelaltermarkt nehmen kann. Dabei habe ich oft das Gefühl, ihn auszugrenzen und ihm eigentlich schöne Erfahrungen verwehren zu müssen, auch wenn ich rational weiß, dass es ihm zu Hause vermutlich besser geht (10.000x weniger Streß für ihn).
Wenn wir zusammen einen anderen Hund treffen, neigt Nala sogar dazu, zu pöbeln, was sie alleine kaum macht (nur bei ganz wenigen, bestimmten Hunden), einfach weil Whiskey es ja "vormacht".
Kommt Besuch, bringe ich Whiskey meistens ins Schlafzimmer. Nala kann die Menschen dann ruhig begrüßen und schleimt sich anschließend ganz doll ein. Nur bei Leuten die länger bleiben, darf Whiskey "draußen" bleiben und es ist meistens ein einziges Chaos, weil er Nala mit seiner Aufregung ansteckt. Ich versuche hier schon lange eine funktionierendes System zu finden, aber bisher funktioniert alles nur mit maximal einem Hund. Bei beiden bricht dann wieder Chaos pur aus.
Bei der Fütterung läuft es momentan so, dass die beiden ABAM bekommen, vorwiegend TroFu und Gekochtes. Hier richte ich mich ganz nach Whiskey, auch wenn Nala mehr vertragen würde. Für jeden Hund einzeln zu kochen sehe ich dann doch nicht ein
Allerdings bekommt Nala wesentlich öfter was aus der Reihe.
Ich versuche vor allem in Sachen Beschäftigung beiden gerecht zu werden, was aber echt schwierig ist, weil ich mit Whiskey nur Dinge machen kann, die in der Wohnung stattfinden (wg. seines Erregungslevels) oder Dinge, bei denen Nala mitkommen/-machen kann (weil sie nicht so lange alleine bleiben kann). Während ich mit Nala draußen viel Apportieren und Suchspiele mache, ist sowas mit Whiskey vollkommen unmöglich, weil er dabei hohldrehen würde.
Mantrailing geht so einigermaßen, wobei sich auch hier die großen Unterschiede zwischen den beiden zeigen. Beide haben verstanden, was sie machen sollen, aber bei Whiskey ist es eher so: "Ich hab einen Auftrag! Ich hab einen Auftrag! Aus dem Weg!! Ich hab einen- OOOOHHHH! Guck mal, eine Ablenkung!!", während Nala sich eher so verhält: "Ich weiß was ich machen soll, nerv nicht! Soooo... Hier nicht, da nicht, hier vielleicht? Neeee... Auch nicht! Mama hilfst Du mir? Ne? Okay, dann such ich alleine weiter." 
So, nun bin ich echt mal gespannt, wie das bei euch so abläuft. Habt ihr ähnliche Probleme oder ganz andere? Wenn ihr unsere Probleme/Unterschiede kennt, wie geht ihr damit um?
Ich freue mich sehr auf einen regen Austausch 