Beiträge von Avocado

    ich bin in der Grossstadt in Rumänien aufgewachsen, das ist was anderes denke ich Mal. Ich wollte nur sagen dass das nix "neues" ist mit dem Mobbing. Eine Aussage, da war ich vielleicht 11? hab ich bis heute nicht vergessen. Kollege aus neureicher Familie (wie es viele gab damals), hat Tommy Hilfinger Sneakers "ein Schuh von mir ist mehr wert als dein ganzes Outfit". Dabei waren wir garnicht arm, nur halt auch nicht so wohlhabend. Die Kinder die aus wirklich armen Familien kamen hatte es schlimmer erwischt.


    Jetzt wohne ich am Dorf in Slowenien, also ganz woanders :rolling_on_the_floor_laughing: Hier im KiGa ist mir noch kein Markenwahn aufgefallen, eher haben alle Kinder auch Sachen aus dem Discounter, von Kik, usw. Bei einer Freundin die sich in eher...hmm...anderen Kreisen bewegt war da aber auch schon im KiGa (Wien, "gute" Wohngegend) so dass zB niemand die Lidl Regenhose hatte sondern Firma soundso.

    Ich denke das kommt sehr auch auf die Wohngegend an. Den vielen Landwirtschaftskindern hier kauft man eher keine pastellfarbene Matschklamotten die nach 1x am Traktor vorbeilaufen schon ruiniert sind während man mit Lidl Klamottem im gut betuchten Bezirk in der Stadt eher ein Aussenseiter ist.

    aber das ist nicht nur diese Generation.

    Ich bin 91 geboren, die erste Generation nach Fall des Kommunismus in Rumänien. Mobbing wegen Kleidung, Egoshooter, ständiges Vergleichen mit anderen gab es schon bei mir in der Grundschule. In Rumänien dadurch dass im Kommunismus keine Möglichkeit da war anders zu sein und die Eltern dieser ersten Generation das endlich ausleben durften.


    Dass die jetzige Generation "anders" ist hat letztens die Erzieherin von einem der Kinder erklärt. Sie ist seit über 30 Jahren im Beruf und meinte dass dieser ständige Fokus aufs Kind wie er heute passiert ihrer Meinung nach den Kindern nicht hilft. Die Kinder können sich oft null selbstständig beschäftigen, alleine spielen kennen sie oft garnicht bevor sie in den KiGa kommen. Motorisch haben die Kinder sich von Generation zu Generation rückentwickelt weil sie oft garnicht mehr sich austesten dürfen körperlich. Und wir wohnen am Dorf. Aber das stimmt wenn ich so nachdenke. Unsere 2 Spielplätze hier im 10km Umkreis sind fast immer leer. Im Wald treffen wir auch nie Kinder. Klar, die Kids deren Eltern Landwirtschaften haben die klettern oft am Hof rum, aber wenn ich an den Kumpel meines Sohnes denke der in Sichtweite wohnt aber nie ausserhalb des Hauses anzutreffen ist. Seine 3 Geschwister auch nicht. Die haben sogar einen Garten mit Spielplatz, da ist nie auch nur ein Kind.

    Der Mini ist schon mit 2 Jahren mit dem Laufrad downhill durch den Wald gerast. Ohne Helm wäre das undenkbar gewesen. Klar fand er ihn blöd, aber noch blöder war es wenns Laufrad weg kam.

    Jetzt mit dem Fahrrad dasselbe, er fährt gerne sehr schnell, viel offroad und bergab. Da gibt es einfach keinen Diskussionsbedarf, ohne Helm ist das viel zu gefährlich.

    ich nehme da immer mich als Beispiel. Ich war ein Kind das von sich aus immer alles richtig machen wollte, immer gefallen wollt und bis zur Pubertät NIEMALS auch nur eine Regel hinterfragt, geschweige denn gebrochen, hat. Ich wurde demzufolge auch nie bestraft, wofür auch wenn ein "Bianca das war nicht ok" reichte dass ich komplett fertig war weil ich was falsch gemacht hatte.

    Meine Kinder sind beide (zum Glück) nicht so. Die wachsen einerseits sehr frei auf, dürfen vieles was andere Kinder nicht dürfen, aber die paar Regeln die es gibt darüber diskutiere ich null und habe da auch null Toleranz wenn die gebrochen werden.

    Finden sie manchmal doof, so ist das Leben halt.

    "zu tode gehemmt" sehe ich irl wirklich kaum bzw fällt mir ein einziger HH ein bei dem es so ist. Aber ich bewege mich schon wohnortbedingt in einer anderen Bubble. Hier gibt's an der Gassimeile entweder verzogen (meist "nette" Hunde, Begleithunde, kleine Hütimixe, Wasserhunde die halt an der Flexi sind und gefühlt immer kläffen) oder gut im Gehorsam stehend/entsprechend gesichert (meist die Bulligen Terrier oder Gebrauchshunde).

    Und ganz ehrlich, meinem kleinen Hund verzeihe ich auch viel mehr Fehlverhalten als dem Staff. Wenn die beim RR nicht sofort kommt sondern noch die Zeitung fertig liest ist mir das ziemlich wumpe. Die geht nie zu anderen Hunden, jagt nicht, verlässt von selber garnicht ihren Radius. Beim Staff darf ich sowas nicht schleifen lassen weil das Schweindl das ausnutzt und dann langsam alle Regeln in Frage stellt.

    Anfangs fand ich ziemlich doof dass ich bei einem Hund netter sein kann als beim anderen aber so ist es nunmal.

    in der Regel taucht ja nicht ein Verhalten alleine auf sondern da hängen X Sachen noch dran.

    Wenn mein Hund mich beim Spazieren nur als lästiges Leinenanhängsel sieht brauche ich nicht strafen versuchen wenn der schon dem Reh nachgeht sondern muss schon vorher regulierend eingreifen.

    Und da ist mein - persönliches - Problem mit "Strafe nur im Notfall". Denn wenn Hund schon im Tunnel ist gibt's (je nachdem wie ernst Hund es meint) keine Strafe mehr die ankommt.

    ich hab mir alle Probleme die ich mit meinen Hunden hatte über "ja nicht strafen" eingebrockt. Ich kannte aus meiner Heimat das andere Extrem und wollte es anders machen bei meinen Hunden.

    Die Hunde die ich kenne die "nur über Leckerli und niemals strafen" erzogen werden, gerne auch mit dramatischer Miene weil der "hat es so schwer weil der ist aus dem Tierschutz" sind die die immer an der Flexi laufen, sich extremst in Situatuonen reinstressen und wo sehr viel um den Hund gemanaged wird damit der Alltag passt. dann kläfft der Hund sich halt ständig in Rage oder hütet beim Gassi Mal eben Jogger und Radfahrer, der ist ja nicht aggressiv dabei.

    Wenns die Leute so machen wollen ist das letzten Endes nicht mein Kaffee, ich möchte aber bitte meinen Hund so erziehen wie ich das für nötig halte. Und das ist nicht nur über Strafe, aber eben unter Berücksichtigung aller vier Quadranten.

    Strafen ohne Alternativverhalten aufgebaut zu haben ist Mist. Aber durch einer Kombi aus Allem kann man dem Hund sehr gut beibringen was von ihm erwartet wird.

    Mein Hund fände übrigens kein Superduperleckerlie oder Spielzeug so belohnend wie es Jagen oder sich mit wem Kloppen wäre. Deshalb hat er gelernt dass das nicht erlaubt ist und er, wenn er sich an unsere Abmachungen hält, sehr viele Freiheiten hat.