Kannst Du wirklich nicht nachvollziehen dass man - wenn man keinerlei Unterstützung und Schulung bekommt - sich eine dicke Mauer zulegt und in jedem einen potentiellen Verbrecher sieht?
Jain. Ich kann verstehen, dass einem das schwer fällt, würde es mir auch. Deswegen bin ich für solche Aufgaben auch schlicht ungeeignet. Aber wer in einem Beruf arbeitet (oder sich in einem Ehrenamt engagiert), wo er oft mit Leid konfrontiert wird, der muss – wie du schon sagst, auch um seiner eigenen Gesundheit wegen – gut trennen und eine gewisse emotionale Distanz aufbauen können, sonst macht man den Job nicht lange und brennt aus.
Eine gute Freundin von mir arbeitet in der Kinder- und Jugendpflege, genauer gesagt mit jungen Mädchen/Teenagerinnen, die, oftmals ungewollt, schwanger geworden sind. Oft sind die Väter der Kinder deutlich älter als die Mütter und was meine Freundin da schon an Erlebnissen und Gesprächen hatte, ist wirlich übel. Trotzdem kann sie da nicht herumlaufen und junge Mütter, Väter, Sozialamtsmitarbeiter, medizinische Fachkräfte oder wen-auch-immer grundlos und auf Verdacht hin anmotzen oder ihnen Dinge unterstellen, nur weil sie bei Familien-Konstellation X oder Situation Y schlechte Erfahrungen gemacht hat. Das führt zu nix und verschlimmert viele Dinge eher noch.
Ich stimm' dir absolut zu, dass die emotionale/psychologische Betreuung der Mitarbeiter und das Auffangen solchen Stresses auch Aufgabe des Arbeitgebers ist und – egal ob im Tierschutz oder im die Mitmenschen betreffenden sozialen Bereich – deutlich mehr Aufmerksamkeit und Ressourcen verdient hätte. Aber ich sehe das kritisch, dass "diese Person sieht Leid, deswegen muss man das entschuldigen, wenn sie an anderer Stelle und grundlos übergriffig/ausfallend wird" so vorausgesetzt wird. Denn ja, das Verständnis dafür fehlt mir.