Beiträge von pardalisa

    Kannst Du wirklich nicht nachvollziehen dass man - wenn man keinerlei Unterstützung und Schulung bekommt - sich eine dicke Mauer zulegt und in jedem einen potentiellen Verbrecher sieht?

    Jain. Ich kann verstehen, dass einem das schwer fällt, würde es mir auch. Deswegen bin ich für solche Aufgaben auch schlicht ungeeignet. Aber wer in einem Beruf arbeitet (oder sich in einem Ehrenamt engagiert), wo er oft mit Leid konfrontiert wird, der muss – wie du schon sagst, auch um seiner eigenen Gesundheit wegen – gut trennen und eine gewisse emotionale Distanz aufbauen können, sonst macht man den Job nicht lange und brennt aus.

    Eine gute Freundin von mir arbeitet in der Kinder- und Jugendpflege, genauer gesagt mit jungen Mädchen/Teenagerinnen, die, oftmals ungewollt, schwanger geworden sind. Oft sind die Väter der Kinder deutlich älter als die Mütter und was meine Freundin da schon an Erlebnissen und Gesprächen hatte, ist wirlich übel. Trotzdem kann sie da nicht herumlaufen und junge Mütter, Väter, Sozialamtsmitarbeiter, medizinische Fachkräfte oder wen-auch-immer grundlos und auf Verdacht hin anmotzen oder ihnen Dinge unterstellen, nur weil sie bei Familien-Konstellation X oder Situation Y schlechte Erfahrungen gemacht hat. Das führt zu nix und verschlimmert viele Dinge eher noch.

    Ich stimm' dir absolut zu, dass die emotionale/psychologische Betreuung der Mitarbeiter und das Auffangen solchen Stresses auch Aufgabe des Arbeitgebers ist und – egal ob im Tierschutz oder im die Mitmenschen betreffenden sozialen Bereich – deutlich mehr Aufmerksamkeit und Ressourcen verdient hätte. Aber ich sehe das kritisch, dass "diese Person sieht Leid, deswegen muss man das entschuldigen, wenn sie an anderer Stelle und grundlos übergriffig/ausfallend wird" so vorausgesetzt wird. Denn ja, das Verständnis dafür fehlt mir.

    Dass hier so ein Aufriss von euch wegen einem(!) Hund gemacht wird, bei dem wir da eben besonders sensibel sind und wie pauschalisiert wird, dass der TH Mitarbeiter das ganz sicher nicht einschätzen kann...

    Mir geht's gar nicht um diesen einen Hund ;) – ich kenn' den ja nicht und weiß auch nicht, in welchem Tierheim du arbeitest. Mir geht's um das Argumentationsmuster. Wenn eine Interessentin einen unüberlegten, überforderten Eindruck macht, auf Fragen nach Plan B für Betreuung etc. bei einem 'schwierigen' Hund nicht antworten kann, keine Erfahrung vorweisen kann, aus den Antworten ersichtlich ist, dass da ein bisschen arg durch die rosarote Brille geschaut wird, usw. – natürlich ist das ein guter Grund so jemandem einen unverträglichen/kranken/generell komplizierten Hund nicht anzuvertrauen!

    Dann sollte man aber auch als TH-Mitarbeiter klarstellen, dass der Gesamteindruck denjenigen als Interessenten ausgeschlossen hat und nicht speziell die Familienplanungs-Frage. In deinen ersten Beiträgen klang es – zumindest für mich – so, als wäre die Frage nach den zukünftigen (oder eben nicht ;) ) Kindern entscheidend für so eine Ablehnung gewesen – das fände ich dann seltsam, denn das würde ja im Umkehrschluss heißen, dass so ein Interessent dann – trotz seiner Überforderung, Unsicherheit, etc. – einen anderen, kinderverträglichen Hund hätte bekommen können. Und das wiederum fände ich dann sehr seltsam...

    Und da mir das Argumentationsmuster u.a. aus dem städtischen Tierheim hier bei uns so bekannt vorkam, es sicher kein Einzelfall ist, dass TH-Mitarbeiter so auf jüngere Interessenten reagieren, und nicht auf diesen speziellen Hund gemünzt ist, wollte ich das ein bisschen ausführen.

    (Wenn das hier im Thread einfach nur ein Kommunikationsproblem war, du das die ganze Zeit so gemeint hast, dass der Gesamteindruck zählt, und ich das falsch verstanden habe – sorry, tut mir Leid! :smile: )

    Nächster Punkt, mit der Kinderfrage beim kinderunverträglichen Hund.
    Was hast du als Interessent, das Recht auf diesen einen ungeeigneten Hund zu bestehen? Würde mich genauso brennend interessieren.
    Der TH Mitarbeiter hat tatsächlich das Recht letzendlich zu entscheiden, ob dieser Hund passt Könnte er das nicht, könnte er auch keinen vermitteln.

    Natürlich ist's gut, wenn ein TH-Mitarbeiter offen und ehrlich sagt: "Sorry, nein, dieser Hund passt aus Grund X, Y oder Z überhaupt nicht in Ihr Leben und zu Ihren Vorstellungen." :gut:

    Das, was hier ein bisschen sauer aufstößt, ist – glaube ich – eher die Situation, dass der Interessent sagt: "ich hab' keine Kinder und werde auch ganz sicher keine Kinder haben" – und der TH-Mitarbeiter den kinderunverträglichen Hund trotzdem als ungeeignet einstuft, weil es seiner Meinung nach irgendwie nebulös sein könnte, dass der Interessent ja doch mal Kinder haben wird.

    Diese Unterstellung, dass der Interessent entweder lügt oder der TH-Mitarbeiter die eventuelle Lebensplanung in einem kurzen Gespräch besser abschätzen kann, finde ich z.B. einfach nicht angemessen. Ich finde nicht, dass der Interessent da erst erklären muss, dass er/sie z.B. medizinisch-biologisch gar keine Kinder bekommen kann, nach einer Fehlgeburt unfruchtbar geworden ist, nur gleichgeschlechtliche Partner hat und dewegen auch nicht ungewollt Elternteil werden kann, oder ganz banal einfach keinen Bock auf Kinder hat und einen anderen Lebensplan hat – solche Sachen gehen einen TH-Mitarbeiter mMn nix an und wenn jemand, der ansonsten einen verständigen und ehrlichen Eindruck macht, sagt, dass er keine Kinder haben wird, dann sollte ihm das geglaubt werden.

    ... und anstatt des Kinder-Themas kann man da auch jedes beliebige andere Vermittlungskriterium einsetzen. Wenn ich z.B. sage, dass ich nicht arbeite und mein Partner/meine Partnerin vollzeit berufstätig ist, muss mir das TH das ja auch "einfach so" glauben, denn stichfest überprüfbar ist das ja nicht. Oder ich könnte im Moment nicht arbeiten, aber in ein paar Jahren wieder. Wenn ich sage, dass ich in einer EG-Wohnung mit Garten lebe, dann mag das im Moment zutreffen, aber in Zukunft könnte ja ein Umzug anstehen. Usw. usf.

    Insofern finde ich dieses "ja, aber der Interessent könnte sich ja umentscheiden/lügen/in der Zukunft anders leben und deshalb ist der Hund da grundsätzlich falsch, auch wenn die Umstände im Moment passen und der Interessent von den 'Macken' des Hundes weiß"-Argument so seltsam. Ja, natürlich könnte er in Zukunft anders leben, aber das betrifft jedes einzelene Vermittlungskriterium. Wenn man da bei jedem Hund sagen würde "oho, wer weiß was die Zukunft bringt", dann dürfte man konsequenterweise keinen einzigen Hund rausgeben, der nicht rundum unkompliziert und in jeder Lebenssituation komplett anpassungsfähig ist.

    Meine Erfahrungen mit dem Tierheim hier vor Ort waren bisher leider auch eher... anstrengend. Zum einen, weil sie sehr seltsame Vermittlungskriterien haben (nicht an junge Menschen, nicht an ältere Menschen, nicht an Berufstätige, nicht an Leute ohne Haus und Garten, nicht an Familien mit kleinen Kindern – tja, da bleibt in einer Studentenstadt mit vielen jungen Familien und sauteuren Immobilienpreisen nicht mehr viel an Interessenten übrig) und davon auch nicht abweichen – völlig egal, welche Bedürfnisse der individuelle Hund im Einzelfall hätte; zum anderen, weil die Mitarbeiter eine echt verschrobene Sicht auf Interessenten zu haben scheinen.

    Der Grundgedanke bei denen scheint nicht zu sein, dass jemand einem Tier ein gutes zu Hause geben möchte, sondern dass jeder Interessent grundsätzlich lügt, Böses im Schilde führt und es Aufgabe der Tierheim-Mitarbeiter ist, diese angeblichen Lügen durch möglichst unfreundliche, invasive Fragen aufzudecken.

    Erklärt man, dass man Homeoffice macht und der Hund deshalb – trotz Berufstätigkeit – selten bis nie allein wäre, wird einem gesagt, dass man mit so einem Job ja "so gut wie arbeitslos" wäre; sagt man, dass man keine Kinder hat und garantiert auch keine haben wird, ist die Antwort "jaja, das sagen'se alle und dann haben sie doch plötzlich zwei Bälger und der Hund kommt zu uns zurück" (Originalzitate). Da verständlicherweise nicht jeder Lust hat, seine sexuellen Präferenzen, seine Familienplanung, seine Krankengeschichte und seinen beruflichen Werdegang bis ins letzte Detail vor irgendwelchen unbekannten TH-Mitarbeitern auszubreiten, weichen viele Leute halt bei der Hundeanschaffung woandershin aus. Mein Zweithund kam dann vom Züchter... :hust:

    Ich will gar nicht bestreiten, dass es auch Tierheime gibt, die ihre Arbeit richtig, richtig gut machen und da hab' ich einen enormen Respekt vor – aber ich hab' ein Problem damit, wenn sich jemand gegenüber völlig harmlosen, interessierten Menschen grundlos wie offene Hose benimmt und das dann mit "das muss man verstehen, der TH-Mitarbeiter hat schlechte Erfahrungen gemacht" abgetan wird. Ne, das muss ich nicht verstehen. Ein Mindestmaß an freundlicher Gesprächsbereitschaft finde ich nicht zu viel verlangt. Diese pampige "ich rette hier Tiere, deshalb muss ich keine Manieren haben"-Einstellung schadet letztendlich leider genau denen, die am wenigsten dafür können – nämlich den Tieren, die sonst bei einem verschreckten Interessenten vielleicht ein tolles Zuhause gefunden hätten.

    welche Probleme können denn bei NBT X NBT entstehen?

    Probleme mit der Wirbelsäule. Da der NBT quasi eine "Verkrüppelung" der Wirbelsäule ist, kann es bei "NBT x NBT"-Würfen bei den Welpen zu Defekten der hinteren Wirbelsäule (Spina Bifida, etc.) kommen.

    Im "besten" Fall sterben die betroffenen Welpen schon vor der Geburt ab, im schlimmsten Fall sind sie kaum lebensfähig und werden deshalb kurz danach eingeschläfert.

    Ach, ich weiß gar nicht, ob man das so allgemein sagen kann, dass viele Leute die Probleme oder "Schwachstellen" bei 'ihrer' Rasse nicht kritisch sehen können.

    Bzgl. des Qualzuchtgutachtens sind ja beim Aussie z.B. besonders der NBT (= natural bobtail, angeborene Stummelrute) und die Merle-Färbung relevant. Bei beiden ist es verboten, betroffene Hunde miteinander zu kreuzen (also NBT x NBT bzw. Merle x Merle) – und ich hab' noch nie einen Züchter über das Verbot schimpfen gehört oder dass die Sinnhaftigkeit des Verbots angezweifelt wurde. Das Bewusstsein, dass da sonst massive Probleme entstehen können und das Verbot deshalb sinnvoll ist, ist auf jeden Fall vorhanden, obwohl im Ursprungsland der Rasse solche Verpaarungen, die hier verboten sind, erlaubt sind und durchgeführt werden. Da hat's also schon eine kritische Beschäftigung mit dem Thema und eine Weiterentwicklung gegeben.

    @corrier Suchst du was in Hannover direkt oder wäre ein Stück südlich außerhalb auch okay? :smile: Da würde mir sonst nämlich eine innerorts gelegene (= kein Leinenzwang im Moment) kleine Parkanlage einfallen, wo man ab und zu einen einzelnen Hund oder ein paar Nordic Walker trifft, aber mehr ist da unter der Woche eigentlich nicht los.

    Was man beim Aussie nicht unterschätzen sollte; man sieht oft nur einen Bruchteil der Rassevertreter.
    Die, die nicht arschig sind halt oder entsprechend erzogen.

    Yep, man sieht sie auch oft in Situationen, wo der Halter gerade kräftig den Daumen drauf hat, das für Außenstehende aber nicht so einfach zu erkennen ist. :D

    Schönes Beispiel: Mit meinem älteren Aussie-Rüden, der Kinder hasst wie nix zweites auf der Welt, bin ich an meinem alten Wohnort regelmäßig durch einen kleinen Park gegangen, um zur Arbeit zu kommen. Häufig waren da Mütter mit ihren Kindern zum Spielplatz unterwegs, ab und zu ergab sich dann ein Gespräch. Und ganz, ganz oft hab' ich dann gehört "ah, ein Aussie, das sind ja so schlaue Hunde, ganz tolle Familienhunde!"

    Wenn ich dann vorsichtig erklärt habe, dass man das mit dem Familienhund mit Einschränkungen betrachten muss, viele Aussies gerade fremde und Besuchskinder eher nicht mögen, etc., kam dann häufig: "aber Ihrer ist doch so brav, wie der hier steht, der macht ja gar nix!"

    Klar, weil er ganz genau weiß, dass er nicht wie Godzilla durch den Park pflügen und Kinder ummähen darf, nur weil die ihm seiner Meinung nach die Luft wegatmen. xD Aber wenn er könnte, wie er wollte... Nach außen hin sah er halt lieb und nett aus, wie er da an lockerer Leine neben mir stand – solche Dinge verfälschen so einen Eindruck von einigen Rassevertretern natürlich, wenn man nicht aufpasst.

    Ich finde, da ist auch noch mal ein groooßer Unterschied zwischen "Hund möchte bei hohen Temperaturen nicht so gerne spazieren gehen, weil's ihm nicht so liegt" und "Hund kann gar nicht draußen herumlaufen, weil er sonst direkt kollabiert". Ersteres finde ich typabhängig normal – da gibt's halt unter Hunden auch Sonnenanbeter und Frostbeulen ;) – ; zweiteres geht dann bei einem jungen, angeblich gesunden Hund schon arg in Richtung Qualzucht, mMn.

    Meine beiden (mittelgroß, Langstockhaar, keine Plattnasen) sind beim aktuellen Wetter – 31°C und schwül-warme Gewitterluft – auch nicht wild auf riesig große Spazierrunden, aber als ich gestern mit beiden Hunden im Schlepptau ein ganzes Stück in der Sonne vom um drei Ecken geparkten Auto zum Haus gehen musste, ging das ohne Probleme.

    Ein Hund, der sich mangels Schnauze nicht mal vernünftig selbst thermoregulieren kann und mit dem Hecheln gar nicht mehr hinterherkommt, tiefe Bauchatmung hat, etc., wäre mir wahrscheinlich an der ersten Straßenecke bewusstlos umgekippt. :/