Beiträge von pardalisa

    Auf eine falsche/irrenführende Online-Beschreibung hereingefallen, befürchte ich.
    Geht ja vielen so, wenn man so herum liest. Und dass der Hund von keinem seriösen Züchter stammt, der eventuell hätte Klartext reden können, hat der/die TE ja schon erzählt.

    Schon klar :smile: , aber wenn man ganz simpel "border collie verhalten" googlet, sind die ersten automatischen Vorschläge "Verhaltensauffälligkeiten", "Verhaltensstörung", "Verhaltensprobleme" und es mangelt echt nicht an Infos auf den weiterführenden Seiten – da braucht's eigentlich keine Hinweise vom Vermehrer, um die Rassewahl u.U. noch mal zu überdenken... :pfeif: Vor allem, wenn der Grund, warum man beim BC gelandet ist, so unspezifisch "viele tolle Sachen machen" ist.

    Aber nun gut, und da stimme ich dir natürlich zu: der Hund ist nun mal da und hat's verdient, dass er bestmöglich großgezogen und auf's Leben vorbereitet wird. :smile:

    [...] habe mir einen Border Collie geholt weil man später relativ viele und tolle Sachen mit ihn machen kann [...]

    Sorry, wenn das jetzt flapsig klingt, aber: Bei solchen Aussagen juckt es mich immer ganz, ganz doll, nach den anscheinend zahllosen Hunderassen zu fragen, mit denen man keine tollen Sachen machen kann. Muss ja so sein, denn sonst hätte man sich nicht so einen Spezialisten ins Haus geholt... |)

    Spaß beiseite – was das "Fehler suchen und es ab sofort besser machen" angeht: Vielleicht magst du verraten, aus welcher Ecke du ungefähr kommst? Dann kann man dir eventuell einen guten Trainer in deiner Nähe empfehlen.

    Um das noch mal zusammenzufassen... Du hast dir einen Welpen einer Rasse, die eh schon zu Hyperaktivität und Neurosen neigt, aus schlechten Verhältnissen, bei denen du nicht ausschließen kannst, dass da bei der nächsten Läufigkeit der Hündin gleich wieder "Nachschub produziert" wird, gekauft. Dieser Welpe hat jetzt ein ziemlich straffes Tagesprogramm, mit dem die meisten erwachsenen (!) Hunde gut zufrieden und ausgelastet wären und was den Knirps verständlicherweise zu überfordern scheint. Soweit richtig?

    An deiner Stelle würde ich da schnellstmöglich...
    a) mir einen kompetenten (d.h. Hütehund-erfahrenen) Trainer für Einzelstunden suchen, der zu dir nach Hause kommt bzw. dich beim Spaziergang mit dem Hund begleitet und dir in der jeweiligen Situation erklärt, was dein Hund da macht und konkret von dir als "Anleitung" braucht,
    b) die tägliche Gassi-/Bürst-/Übungszeit runterfahren – dieses Schnappen ist häufig ein Zeichen von deutlicher Überforderung (der Spruch "nach müde kommt blöd" passt nicht nur bei kleinen Kindern, sondern auch bei kleinen Hunden ganz gut ;) ),
    und c) mich schleunigst von dem Gedanken verabschieden, dass du mit deinem Hund "alles machen könnnen" wirst. Border Collies sind Fachidioten – andere User hier können das besser beschreiben als ich, aber so ein Hund, gerade mit so einer Aufzucht, braucht klare Regeln, klare Strukturen, gerade am Anfang viel Hilfe vom Menschen, um den Alltag stressfrei bewältigen zu können – locker-flockig Begleithund und "überall dabei sein" ist da nicht.

    Du hast dir da ein ganz schön Zeit- und Geldintensives "Projekt" ins Haus geholt; ich hoffe, das ist dir klar.

    Ich bin offen gestanden höchst neidisch, wie viele User es schaffen, das sie ihren Hund trotz Wild direkt vor der Nase abrufen können.

    Zumindest für meinen Hund und mich kann auch auch sagen, dass das nur sehr wenig mit "Leistung" oder besonders fleißigem Training zusammenhängt. Der bringt das einfach mit. Klar, ich hab' viel Umorientierung mit ihm geübt, aber das hätte jeder mittelmäßig interessierte und motivierte ;) Hundehalter so hinbekommen.

    Ich hab' da einfach Glück, dass mein Hund so ist (und bin ihm da sehr dankbar für). Aber ich bin da nicht "stolz" drauf oder so, dass er da so leicht zu händeln ist, ist ja nicht mein Verdienst, sondern eher ein Zusammenspiel aus "Glück gehabt bei der Genetik, was die geringe Intensität des Jagdtriebs angeht" + "der will eh schon doll gefallen und hat den Rückruf mit Party und yay-mein-Mensch-ist-begeistert verknüpft".

    Was ich nur Interesse halber wissen wollte, ist wie viele Hunde de facto Flüchtendem Wild hinterher gehen. Quasi ob das Gro der Leute es schaffen ihre Hunde tatsächlich bei einem so starken Reiz zu kontrollieren.

    Mein Hund würde im Normalfall stehen bleiben, anzeigen, dass da was ist, und sich zu mir umorientieren (und dafür überschwänglich belohnt werden). An einem schlechten Tag bzw. mit viel Pech und doofer Situation würde er durchstarten, auf Pfiff aber abdrehen und zurückkommen.

    Ich üb' das mit ihm aber auch schon seit dem Welpenalter (also die Verhaltenskette – "da ist was!" -> "komm zu mir!") und er gehört zu einer Rasse mit moderatem Jagdtrieb und hohem Kooperationsbedürfnis, ich würde das also nicht verallgemeinern.

    Was ich noch mal betonen wollte, auch wenn's hier schon gesagt wurde: Eine lose hinterherschleppende Schleppleine, die nicht in der Hand gehalten wird, kann bei einem jagdlich ambitionierten Hund richtig, richtig übel ausgehen. Bei meinen Eltern in der Gegend wird gerade ein Hund vermisst, der mit SL am Geschirr mitten im Wald abgehauen ist und so langsam rechnet keiner mehr damit, den lebendig wiederzufinden. Der wird irgendwo hängen geblieben und dann da verendet sein. :( :

    Deshalb für solche Situationen wie das Dummy-Auslegen aus dem Eingangsbeitrag: Lieber den Hund kurz am Baum festbinden und dann dann mit SL-Ende in der Hand gemeinsam auf Suche gehen.

    Meint ihr gemeinsames kennenlernen im Garten reicht und wenn’s nicht klappt räumlich trennen wenn man nach innen geht oder länger vorher kennenlernen?

    Kommt ein bisschen auf deinen und den anderen Hund an. :smile: Ich mach' das bei Besuch- und Sitterhunden, die teilweise auch über Nacht hier bleiben, immer so, dass man vorher eine gemeinsame Runde spazieren geht und dann zusammen ins Haus/in die Wohnung. Das war bislang immer total stressfrei.

    Was ich praktisch finde und empfehlen würde, ist irgendeine Möglichkeit, die Hunde mal kurz räumlich zu trennen – sei's zum Füttern (bei länger bleibendem Besuch) oder weil sich einer der Hunde "hochkekst" und eine kurze Auszeit braucht. Ich hab' dafür so'n Kinder-Absperrgitter im Türrahmen, ein zusammengeklappter Wäscheständer oder so tut's aber wahrscheinlich auch. Das hat den Vorteil, dass der separierte Hund noch sehen kann, was passiert und wo alle sind, aber z.B. nicht immer wieder rumflitzen/anspielen/etc. kann. Den gleichen Effekt kann man natürlich über Leine oder Gehorsam erzielen, aber da hat man ja bei Besuchshunden nicht immer so den Einfluss drauf, wie wirksam das ist. ;)

    Für mich hat das Thema hier wieder so einen Beigeschmack von "absolut alles ist eine Sache von Erziehung und wenn man Probleme hat muss man sich seine eigene Inkompetenz endlich mal eingestehen". Irgendwie anklagend und negativ, als ob man alle Ausredenschemata dieser Hundehalterwelt unbedingt aufdecken, dingfest machen und ausmerzen müsste um die Ordnung wieder herzustellen.

    So war das, zumindest von meiner Seite, überhaupt nicht gemeint und so ist der Sinn des Threads von mir auch nicht verstanden worden. :smile:

    Ich glaube, niemand bezweifelt, dass in der Pubertät im Junghunde-Gehirn neue Prozesse ablaufen und u.U. auch alles einmal kräftig durchgeschüttelt und anschließend neu verkabelt wird. ;) Und niemand bestreitet, dass die Pubertät Einfluss auf biologische Veränderungen und das Verhalten des Tieres hat – das fängt ja schon bei so offensichtlichen Sachen wie der Geschlechtsreife an.

    Was ich manchmal etwas verwunderlich bis schade finde, ist, dass einige (wenige) Hundehalter da so einen riesigen Zirkus draus machen, eine mega Erwartungshaltung aufbauen, was alles klappen muss, was wie laufen muss, ... und sich und ihren Hund dabei wahnsinnig unter Druck setzen, bis beide nur noch gefrustet sind. (Und dann gibt's noch die zweite Gruppe, die die Pubertät ihres Schätzchens wirklich als Ausrede für alles nutzt: "Der kann das gerade nicht, der ist in der Pubertät!" ist da der Standardsatz, während Hund sich gerade wie offene Hose benimmt und andere Leute belästigt. :roll: Solche Hundehalter treffe ich aber zum Glück nur vereinzelt und dann auch eher beim Spaziergang, nicht hier im Forum!)

    Im Spoiler, weil persönliche Anekdote...

    Spoiler anzeigen


    Ich fand z.B. meinen jetzt fünfjährigen Rüden in seiner Junghundezeit super entspannt und einfach zu händeln – klar, der wollte ein paar verrückte neue Dinge ausprobieren, war manchmal ein wenig abgelenkter als sonst, hat entdeckt, was so an genetisch verankerten, rassetypischen Anlagen in ihm steckt – aber alles völlig im Rahmen und so, wie ich damit eh gerechnet hätte. Kein Drama also.

    ABER: Ich hätte von ihm auch nicht erwartet, dass er bei einem Spaziergang in der Dämmerung freilaufend alle Rehe ignoriert, sondern hab' gleich die Schleppleine drangemacht, anstatt mich hinterher über einen nicht befolgten Abruf zu ärgern. Wenn uns ein fremder Rüde entgegenkam, bei dem ich anhand der Körpersprache nicht sicher war, ob das mit meinem frisch Testosteron-benebelten Möchtegern-Krawallo gut klappen wird, hab' ich keinen Kontakt zugelassen, statt mich hinterher zu ärgern, dass er jetzt 'Erfolg' und eine kleine Rauferei hatte. Die Liste ließe sich fortführen und bei jeder dieser Situationen hätte ich's laufen lassen und hinterher "oh Gott, mein Hund ist in der Pubertät!" seuftzen können. ;)

    Was ich damit eigentlich sagen will: Ich glaube, ob die Pubertät als mega anstrengend oder in all ihren Facetten völlig normal wahrgenomen wird, ist – neben anderen Faktoren natürlich – auch ein bisschen Einstellungssache des Hundehalters. Wenn man entweder überhaupt gar nicht darauf vorbereitet ist, dass der Hund erwachsen wird (z.B. bei der völlig falschen Rassewahl in meinem ersten Beitrag), oder sich schon vorher verrückt macht, wie furchtbar kompliziert das alles werden wird und dass der Hund bestimmt die Ohren komplett auf Durchzug schalten wird, dann wird's natürlich auch furchtbar anstrengend.

    Insofern finde ich den Thread hier nett und für Ersthundehalter sogar irgendwie beruhigend, weil schon so viele Leute berichtet haben, dass ihre Hunde die Pubertät ohne große Katatstrophen durchlaufen haben. Das macht doch Hoffnung! :smile:

    Wenn ich mir die Junghundehalter in meinem Umfeld und Bekanntenkreis in den letzten Jahren so anschaue, dann war bei denjenigen, die die Pubertät ihres Hundes als wirklich herausragend stressig und echtes Problem wahrgenommen haben, auf den zweiten Blick nicht unbedingt die Pubertät schuld – sondern falsche Vorstellungen und Erwartungen an den Hund.

    Das waren, grob umrissen, hauptsächlich Leute, die mit ihrem niedlichen, folgsamen Welpen super glücklich waren – und dann ein böses Erwachen erlebten, als plötzlich mit der Pubertät rassetypische Eigenschaften nach und nach mehr zum Vorschein kamen (Jagdtrieb, Beanspruchung von Ressourcen mal austesten, Reserviertheit ggü. Fremden, beginnende selektive Verträglichkeit mit anderen Hunden, ... alles völlig normale und zu erwartende Dinge bei den jeweiligen Hunden, über die man sich vorher hätte informieren können, die aber für den Besitzer 'plötzlich' und unvorbereitet kamen).

    Platt und absichtlich etwas überspitzt gesagt: Wenn Paulchen, der todschicke Weimaraner, den man sich als reinen Familienhund gekauft hat, auf der Hundewiese eine Klopperei anzettelt und beim Sonntagsspaziergang 'ne halbe Stunde hetzend im Wald verschwindet, dann muss die böse Pubertät schuld sein. Denn sonst müsste man sich ja eingestehen, dass man eventuell die falsche Rasse gewählt hat. ;)

    Kennt das jemand von euren Oldies?

    Der Opi hatte das, als er Sodbrennen hatte. Ich hab' hier im Forum den Tipp bekommen, ihm dann ein Stück kalte, gekochte Kartoffel (was man als Senior-Pfleger sich dann halt in einer Tupperbox ans Bett stellt... |) :D ) oder ein Stück Knäckebrot zu geben, das hat geholfen. Vielleicht ist das einen Versuch wert? :smile:

    Edit: Beim TA würde ich's natürlich trotzdem ansprechen – gute Besserung!