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... ich habe eine Sache nie verstanden: Wenn ich mir einen Hund hole, und nicht damit selbst züchten möchte, warum muss es dann ein Rassehund mit 1000 Papieren und Zertifikaten sein, mit Urgrosvater, Vater, Mutter, die ebenfalls die Creme de la Creme waren?
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Ich weiß, ich schreibe provokant.... aber, ich habe noch nie verstanden, warum die Menschen so auf Rasse stehen..... obwohl es genug andere Hunde allein hier in Dt. gibt, die den Rassehunden mit nichts nachstehen..... und ganz ehrlich... wenn dann nur, weil man sich einen silbergrau/braun gefleckten Hund mit hellgrauen Augen eingebildet hat..... muss das?
Auch von mir: Ja, das muss. 
Beide meine Hunde haben Papiere. Mir ging's nicht um Schönheitschampions im Pedigree (ist auch keiner geworden
), sondern darum, dass ich nunmal nur mit Papieren nachvollziehen kann, wer die Eltern, Großeltern und Ur-Großeltern sicher waren, wie alt sie geworden sind, welche Erkrankungen in der Linie auftauchen können, welche Prüfungen sie abgelegt haben, usw. Ich liebe nun mal eine Rasse, die einen ziemlich ursprünglichen "Job" hat und in den letzten Jahren leider zum Modehund geworden ist. Gerade da ist es mir doppelt wichtig, dass ich nicht den papierlosen "Hobbyzüchter" unterstütze, sondern einen Züchter, der sich mit Sinn und Verstand um den Erhalt der Rasse bemüht.
Ich kann gut verstehen, wenn jemand sagt, "Das ist für mich aber nicht wichtig!", für mich aber schon. Ich finde es schade, dass "Hund mit Papieren" immer mit "Die hält ihren Hund wohl für was Besseres" gleichgesetzt wird. Natürlich ist ein Hund aus dem Tierheim nicht weniger wert – das würde ich nie denken und ich wage auch mal zu behaupten, dass niemand hier im Forum dieser Ansicht ist –, aber ich sehe den höheren Kaufpreis beim Züchter einfach als "Aufwandentschädigung". Auch wenn man immer wieder liest (... in letzter Zeit auch echt häufig hier im Forum :/ ), dass Züchter an ihren Welpen "verdienen" – Hundezucht kann unheimliche Summen Geld verschlingen! Wenn mir jemand einen vernünftig sozialisierten Welpen von Elterntieren, die alle Gesundheitschecks bestanden haben und möglichst noch ein paar Arbeitsprüfungen abgelegt haben, für 300€ präsentieren würde, wäre ich sehr, sehr misstrauisch, wo da gespart wurde. Kostendeckend kann das so nämlich nicht funktionieren – und Gewinn abwerfen auch erst bei viel höheren Preisen, wenn überhaupt.
Und zu der Frage: Warum muss es dann überhaupt ein Rassehund sein? Erstens, weil auch das für mich ein Beitrag zum Tierschutz ist – "meine" Züchterin nimmt z.B. Hunde, die aus irgendeinem Grund nicht in ihrer Familie bleiben können, zurück und vermittelt sie neu. Bis dahin leben sie im Familienverband; von denen musste keiner je im Tierheim sitzen. Zweitens, weil ich einen bestimmten Typ Hund mag, der sich unter Hunden aus dem Tierschutz schwer bis gar nicht finden lässt. Drittens, weil ich zugebe, dass das eine ganz egoistische Präferenz von mir ist. Ich mag diese bestimmte Rasse und kann ihr das bieten, was sie braucht, also habe ich auch so einen Hund. Ich würde nicht ausschließen, dass hier mal ein Hund aus dem Tierheim einzieht, aber im Moment eben nicht.
Und wie schon gesagt: Ich finde es toll, wenn jemand mit seinem Hund aus dem Tierschutz glücklich ist, und ich finde es völlig okay, wenn jemand das ganze Züchter-oder-nicht-Thema völlig anders sieht – aber diese Reduzierung der Problematik auf "Papiere braucht man nur, wenn man selbst züchten will" ist m.M.n. viel zu kurz gedacht.