Zum einen ist das menschliche Gehirn quasi dafür gemacht, Muster zu erkennen. Aus evolutionsbiologischer Sicht ist es ein Wahnsinnsvorteil, Regelmäßigkeiten schnell zu begreifen und ebenso schnell darauf reagieren zu können. Dementsprechend tief ist das im Gehirn verankert. Eine Unterart dieses 'Programms' im Gehirn ist z.B. das Phänomen der 'Pareidolie' – die Fähigkeit, Gesichter in eigentlich komplett unbelebten Sachen zu sehen, beispielsweise in Fotos von Marsgestein oder Toastscheiben. Das Gehirn vervollständigt sozusagen automatisch ein Bild (oder hier eben einen Sachverhalt) mit Dingen, die es kennt und die ihm passend erscheinen.
Das Problem dabei ist, dass diese Funktion manchmal über's Ziel hinausschießt und Zusammenhänge dort sieht, wo eigentlich gar keine sind. Um bei dem genannten Beispiel zu bleiben: man schläft schlecht, tut das sonst eigentlich nie, und in derselben Nacht stößt einem Familienmitglied etwas Tragisches zu. Ein Kausalzusammenhang besteht da nicht, aber das Gehirn ist so sehr darauf ausgelegt, Muster zu erkennen, dass es das tragische Ereignis mit der vorherigen Unregelmäßigkeit (= schlechter Schlaf) in Verbindung bringt.
Und zum anderen neigen wir Menschen dazu, dass wir Dinge, die unserer Sichtweise entsprechen und unseren Blick auf die Welt bestätigen, stärker wahrnehmen als Dinge, die unserem Weltbild widersprechen. Es gab da z.B. einen schönen Versuch, bei dem einer Gruppe Leute ein Fachtext zum Thema 'gun control' in den USA vorgelegt wurde. Die Leser sollten nach der Lektüre schätzen, ob der Text mehr Pro- oder Contra-Argumente enthielt. Die Menschen, die von sich sagten, für gun control zu sein, sahen in dem Text mehr Pro-Argumente; diejenigen, die gegen gun control waren, sahen in dem Text mehr Contra-Argumente. Tatsächlich enthielt der Text exakt gleich viele Pro- und Contra-Argumente...
Das Gleiche lässt sich auch bei Tierkommunikation und vielen anderen, angeblich 'übersinnlichen' Dingen beobachten – Sitationen, in denen Erwartungen und Ergebnis zufällig zusammenpassen, werden stärker wahrgenommen und sind in der Erinnerung präsenter als Situationen, in denen nix Nennenswertes passiert ist. Jemand 'redet' mit dem vernachlässigten, traurigen Hund und am nächsten Tag frisst er wieder? Das brennt sich ein. Der entflogene Wellensittich 'kommuniziert' mit jemandem und sitzt am nächsten Tag wieder auf dem Fensterbrett? Zack, Muster erkannt und abgespeichert. Die Liste könnte man ewig so weiterführen und man könnte ihr eine mindestens ebenso lange Liste mit vergleichbaren Situationen gegenüberstellen, wo nix passiert ist – mit dem kleinen Unterschied, dass das Gehirn bei der zweiten Liste zum Vergessen neigt, weil eben das Muster/die erfüllte Erwartung fehlt.
Wie gesagt, wer sich damit wohl fühlt oder für sich und seine Tiere daraus irgendeinen Nutzen zieht – kein Problem, wenn man niemandem damit wehtut. Aber bevor man auf solche Phänomene irgendwelche weitreichenden Entscheidungen aufbaut (wie z.B. das Beispiel von der Einschläferung eines Pferdes weiter vorne im Thread), sollte man sich halt klar machen, dass man gerade, platt gesagt, Opfer eines hochtourig laufenden Hirnprozesses wird, der mal einen klaren biologischen Vorteil mit sich gebracht hat, aber manchmal eben etwas 'übereifrig' ist und dafür sorgt, dass man vom eigenen Gehirn veräppelt wird.