Weiter gehts mit Teil 2
Nach bereits ein paar Tagen konnte man die ersten Veränderungen sehen.
Das fing schon beim Fell an. Ihr Fell war grauenvoll und nun wieder wunderbar fluffig und weich. Sie roch wieder, wie sie selbst, einfach nach Leder und nicht mehr muffig. Sie wurde wieder zu sich selbst. Nahm am Leben teil, lag hinter mir in der Küche, ging wieder ihrer "Arbeit" nach und bezog strategisch äußerst wichtige Posten im Garten. Wachte wieder. Das mag jetzt vielleicht für einige seltsam sein, aber für Emmi ist das ein extrem wichtiger Teil ihrer Persönlichkeit. Sie darf und soll wachen dürfen, das gehört einfach zu ihr dazu.
Sie kam um sich Streicheleinheiten abzuholen, schmuste. Sie freute sich, wenn wir morgens aufstanden und das allerbeste: Sie schlief. Nachts! Ich konnte sogar wieder das Licht ausmachen, wenn ich ins Bett ging (ich konnte auch wieder in meinem Bett schlafen, nicht mehr auf dem Sofa), sogar den Fernseher konnte man ausschalten.
Sie lachte und war wieder aufnahmefähig.
Finger bitte wegdenken. 

Ich konnte sogar mit dem Dampfstrahler herumhantieren und sie lag irgendwann ganz in der Nähe und sah mir zu. Keine Angst.
Es ging eigentlich stetig bergauf. Sie war ganz die alte. Es war so schön das zu sehen, wie sie sich stetig ihr Leben vor dem Knall zurückerobert. Trazodon hatte bei Emmi keinerlei Nebenwirkungen, kein Bauchweh, keine seltsamen Persönlichkeitänderungen, nichts.
Das Trazodon sollten wir jetzt für 4 Wochen geben, in der gleichen Dosis und dann langsam ausschleichen lassen. Ziel war ja, irgendwann wieder ohne zurecht zu kommen.
Es kam irgendwann zum Angstgegner Gewitter. Sie fands nicht toll, das muss man schon sagen, das wird sie auch nie. Muss sie auch nicht, solange sie nicht in Panik gerät. Sie wollte eigentlich lieber raus, lag dann vor der Terrassentüre und das sah so aus

Kein Vergleich!
Dann ging es nach diesen Wochen ans Ausschleichen. Die einzelne Tablette ist in 4/4 aufgeteilt, sie bekam zu dem Zeitpunkt 2/4 morgens und 4/4 abends.
Jetzt sollte ich reduzieren auf 2/4 morgens und 2/4 abends.
Und das ging ordentlich in die Hose. 
Sie hatte Rückfälle. Unterwegs brach sie plötzlich in Angst aus. Nicht auf unbekannten Runden, sondern auf gut bekannten und auch auf ihren Lieblingsrunden. Ich brach die Gassirunden jedesmal ab. Das machte für mich überhaupt keinen Sinn, sie mit Ängsten zum gehen zu zwingen. Einmal lief sie direkt weg, hat die Flucht ergriffen, weil hinter uns ein Mädchen ging, welches Musik hörte. Wäre sie nicht an der Schlepp gewesen, wäre die bis nach Hause gelaufen vermutlich.
Also wieder Rücksprache mit dem Arzt. Auch er meinte, so macht das keinen Sinn weiter zu reduzieren. Alles auf Anfang.
Erstmal bekam sie auf einen längeren Zeitraum die volle Dosis, 1:1, also mehr als die Zeit davor.
Und zack, gings ihr wieder gut.
Mittlerweile lassen wir wieder ausschleichen, aber diesmal kleinschrittiger, in 1/8 Schritten. Das Achtel nehme ich von der Morgendosis, Tage sind leichter zu bewältigen. Jeweils für mindestens 8 Tage. Ich kann das selbst mehr oder weniger entscheiden. Habe ich das Gefühl, sie braucht noch ein paar Tage, dann reduziere ich nicht. So klappt das bisher sehr gut.
Aktuell sind wir bei (wenn man jetzt von Achteln ausgeht, die Tablette jeweils in 8 Teile rechnet) 5/8 morgens und 8/8 abends.
Es gab seitdem keinerlei Angstanfälle mehr. Weder unterwegs, noch nachts, noch sonst. Ich hoffe, es bleibt jetzt dabei und wir sind auf einem guten Weg.
So, jetzt habt ihr das überstanden

Vielen Dank für euer Durchhaltevermögen,
liebe Grüße von Tine mit Emmi, die jetzt ganz eigene Methoden und Wege findet, sich ihr Leben, auf ihre Weise, zurück zu erobern.
Das sieht dann manchmal auch so aus:

