So, jetzt setzte ich mich endlich mal hin und berichte.
Für diejenigen, die unseren Post nicht gelesen haben, verlinke ich mal kurz, damit ihr wisst, worum es eigentlich geht. ![]()
Der Vollständigkeit halber hänge ich noch Videos an. Es sind Videos, die ich gemacht habe als es am schlimmsten war. Es gab kein Gewitter zu den Zeitpunkten, sondern die Angst kam einzig dadurch, dass es Abend war und wir drinnen waren. Wobei es draussen so viel besser auch nicht war.
Gibt schlimmere, aber ich denke, man sieht auch da, welchen Streß sie hat. Die Pupillen waren riesig und dieser Zustand hielt eigentlich die ganze Nacht an, bis zum Morgengrauen. Das bedeutete für uns beide keinen Schlaf. Teils zog sich das dann auch schon in die Tage hinein, denn sie fing ja auch an, alles an Geräuschen mit einzubeziehen. Autotüren, Bulldogs auf der Straße, Geräusche im Haus, Flugzeuge, usw.
Dazu kam dann, dass sie humpelte (Schmerz noch obendrauf) und lange Spaziergänge, bei denen sie sich hätte freilaufen können, ausfielen.
Es war also, so gesehen, ein ziemlich großes Gesamtpaket.
Also wie ging es dann weiter?
Wir hatten einen Termin in der TK, ursprünglich gar nicht wegen ihrer Angst, sondern weil a) der Anaplasmosetiter zeitgleich stieg und b) wir mussten zum Orthopäden.
Da standen wir dann am Empfang und Emmi war fertig mit der Welt, sie hatte so nasse Pfoten, dass sie im Stehen vor Zittern ständig wegrutschte. Wir wurden dann abseits in eine ruhige Ecke geschickt. Da schlotterte sie weiter und dann kam der, uns behandelnde, TA. Ich schätze wir gaben so ein trauriges Bild ab, dass er uns gar nicht nicht ernst nehmen konnte.
Wir waren an diesem Tag in der Klinik, weil Emmi ein Ultraschall bekommen sollte und ein CT gemacht wurde, wegen ihrer Humpelei. Das wurde auch gemacht und dafür wurde sie leicht schlafen gelegt. Und, ich weiß, das klingt jetzt fies, aber ich war dankbar dafür, dass sie schlafen gelegt wurde.
Eine Pause, für uns beide. In der Zwischenzeit hat sich der TA schlau gemacht und uns anschliessend mit uns besprochen. So kamen wir dann also zum Trazodon.
Trazodon ist ein Antidepressivum aus der Humanmedizin, welches bei Geräuschangst bei Hunden eingesetzt werden kann.
Gut verträglich. Ich meine, was hatten wir denn schon zu verlieren?
Einen Versuch war es auf alle Fälle wert, alles andere hatten wir ja im Prinzip eh schon durchprobiert.
Direkt am selben Abend wanderte die erste Pille in den Hund, die Dosierung war morgens und abends je 1 Tablette. Und Emmi fiel in Tiefschlaf. 2 Tage und 2 Nächte haben wir beide geschlafen. Ich denke mir im Nachhinein oft, hätten wir länger gewartet, ich weiß nicht, wie lange sie das noch durchgehalten hätte. Irgendwann wäre sie vermutlich einfach tot umgefallen.
Und ich muss auch gestehen, dass sich ab und an der Gedanke eingeschlichen hat, was ist, wenn wir das nicht in den Griff kriegen? Das ist doch kein lohnenswertes Leben mehr. Wieviel Freude hätte sie denn noch? Immer in Angst? Immer in Panik? ![]()
Ein grauenvoller Gedanke für mich, sie in dieser Endlosschleife zu wissen und sie so sehen zu müssen. Meinen Freukeks, einen Hund, der eigentlich immer gute Laune hat, so weich und lieb ist, einfach bezaubernd, sich an allem freut und einfach nur toll ist, stolz und kämpferisch ist. Ein seelisches Wrack.
Das bricht einem das Herz. ![]()
Räusper .... weiter im Text.
Sie bekam also 2 Tage die 1:1 Dosis. Nach den 2 Tagen, wurde die morgendliche Tablette halbiert.
Den ersten Tag mit Trazodon war sie ziemlich Banane. Sie wirkte ein wenig verstrahlt.
Am 2. Tag regulierte sich das bereits. Sie schlief, wirkte entspannt, fit und happy. Durch den Schlaf konnte sie endlich anfangen das angestaute Cortisol abzubauen. ![]()
Wir durchbrachen die Angstschleife. Einfach so. Es ist nicht so, dass sie die Geräusche nicht "hörte", sie bekam alles mit, war also nicht in irgendeinem Nebel, aber sie verfiel nicht mehr in Panik. Man sah, wie sie versuchte, die Geräusche einzuordnen. Sie lauschte, ordnete ein, orientierte sich teils auch an mir dabei und gut war.
Hätte ich irgendwann das Gefühl gehabt, sie kommt mit dem Medikament nicht klar, hätte ich die Medikation gestoppt. Dem war aber nicht so.
Ab hier "berichte" ich regelmäßig von Emmi dazu in meinem Thread -> Ab der Medikation
Während der ganzen Zeit hatte ich regelmässig Telefonate mit dem TA, der uns wirklich toll betreut hat, teils eine ganze Stunde abends noch mit mir telefonierte und das in keinster Weise in Rechnung gestellt hat. Ich möchte das wirklich betonen, denn es ist nicht selbstverständlich, dass er nach Feierabend seine Zeit für uns aufbringt, ganz selbstlos.
Zeitgleich stieg der Anaplasmosetiter immer weiter und sie humpelte auch weiterhin. Also beschlossen wir, damit das Thema Anaplasmose im Zusammenhang zu ihrer Humpelei vom Tisch ist, eine 3-wöchige Doxy Gabe. Soviel dazu, es lag nicht an der Anaplasmose und wir sind aktuell mit ihr bei der Osteopathin. ![]()
So, ich schicke den Post mal ab, ich weiß nicht wieviele Zeichen noch übrig sind. Es geht dann weiter mit Teil 2 ![]()