Beiträge von Quarus

    Ich habe vor 25 Jahren einen vergleichbar alten Hund übernommen, der zwar aus D stammte, aber auch äußerst isoliert gehalten wurde. Zeit seines bisherigen Lebens hatte er den Hinterhof, in dem er kurz angekettet war, nicht verlassen, bis auf das Jahr, das er im Kohlenkeller zubrachte.

    Es war nicht möglich, ihn an "normales"Haushundleben zu gewöhnen. Schließlich lebte er im Garten stressfreier als im Haus, noch 5 Jahre lang. Ich hatte die Möglichkeit, da flexibel zu sein.

    Aber wenn die Alternative "einschäfern" oder Tierheim gewesen wäre, hätte ich ihn auch als Wohnungshund in die Stadt übernommen. Viele Chancen kriegt so ein Hund eben nicht....

    Deshalb fällt es mir schwer, Euch abzuraten. Durch Management kann man viele erwartbare Probleme gut handhaben, der Wille ist ein wichtiger Faktor. Wenn Ihr Euch schon in den Hund verliebt habt, würde ich sein Verhalten auf der Pflegestelle gut anschauen. Sollte er sich da einigermassen flexibel und anpassungsbereit zeigen, würde ich das Wagnis wohl eingehen.

    Meins wäre es nicht, ich sehe aber auch nicht, wo dem Hund geschadet wird. Eher wird doch ein Bekenntnis abgelegt "Ja, unser Hund ist häßlich - wir wissen das, wir können es sogar per Wahl bestätigen lassen, er wird unabhängig von seinem Aussehen geliebt."

    Anders wäre es, wenn Hunde speziell für diese Wahl angeschafft würden; was ich bisher gelesen habe, sind die aber entweder aus dem Tierschutz oder von Klein an bis ins hohe Alter bei ihren Besitzern. Das würde sich mancher "hübsche" Hund wohl auch wünschen, so bedingungslos geliebt zu werden...

    Vielleicht hat das was mit der Überkreuz-Theorie zu tun? :ka:

    Hier und in anderen Foren sind Frauen in der Mehrzahl, und wenn die überdurchschnittlich Rüden bevorzugen, verzerrt das das Hundehalterbild. Männer mit Hündinnen äußern sich hier einfach nicht.

    Dann bin ich mal gespannt, ob Du es schaffst, ALLE Hunde zu fotographieren, oder ob Du eine tendenzielle Auswahl triffst - je nachdem, was Du damit vermitteln willst.

    Gestern hat der Junghund einer Freundin zum Vereins-Sommerfest die ganze Mannschaft abgearbeitet. Was ein harter Sporthund werden will, ist von Schoß zu Schoß gekrabbelt und hat sich durchmollern und -umarmen lassen, bis die Kräfte erlahmten. Dann war der Nächste dran. Der konnte gar nicht genug kriegen von Umarmungen. Da war nix von Bedürfnis nach Distanz zu merken....

    So bleiben die auch, wenn sie die IPO 3 haben, kann ich aus eigener Erfahrung sagen! =) Meine inclusive.

    Der intelligenteste, führigste Hund,den ich hatte, war eine Hündin. Wie ihre Vorgängerin war sie gestromt. Aus Krankheitsgründen holte ich mir einen gelben Rüden dazu. Im Vergleich zu meiner Sarah ein Dummbatz. Trotzdem hat er mich zu den Rüden bekehrt. Ich kann nur bestätigen, dass ich meine Rüden als viel mehr "geradeaus"empfinde, als die Hündinnen. Die hatten gefühlte 10 IQ-Punkte mehr und ich musste mir mehr Mühe geben, sie zu führen. Rüden sind ein bisschen wie Forrest Gump, Hündinnen eher wie Scarlet O'Hara.

    Übrigens ist es unter meinen Sportfreunden ziemlich auffällig, dass wirklich Männer häufig Hündinnen führen, Frauen Rüden. Ausnahme sind Züchter.

    Die Frage, die ich mir stelle: wer entscheidet denn, ob ein bestimmter Hund mit der rassetypischen Beschäftigung oder einer rassefremden Beschäftigung glücklicher wäre? Klar kann man argumentieren, daß ein Hund individuell betrachtet werden soll. Nur, wie individuell ist es denn wirklich, wenn von vornherein vom Besitzer entschieden wird, was mit ihm gemacht wird? Der Hund hatte nie die Wahl, er muß sich anpassen.

    Im obigen Fall: vielleicht wäre Leo um Klassen glücklicher, wenn er statt der Therapiehundausbildung eine Apportierausbildung machen dürfte. Da ihm aber das Apportieren nicht angeboten wird, ist es eine rein menschliche Entscheidung, und genausowenig individuell, wie ihn unbedingt zum Apportieren zu bringen, weil er Retriever ist, dazu aber vielleicht keinerlei Neigung verspürt.

    Das ist aber jetzt rein hypothetisch, und soll kein Vorwurf sein.

    Ich würde also den Weg der größten Wahrscheinlichkeit gehen, wenn ich eine perfekt passende Beschäftigung rein für meinen Hund suchen würde. Also bei einem Windhund die Rennbahn testen, und nicht mit Fährten anfangen. Bei einem Retriever das Apportieren testen, und nicht mit Schutzhundesport beginnen usw.

    Natürlich passieren mir auch Fehler, wem nicht, aber ich lerne daraus! Jeder schätzt doch seinen Hund mal falsch ein. Aber wenn ein Hund einmal zugebissen hat kann man doch nicht einfach nichts tun und abwarten bis es den nächsten erwischt und ihn anschließend entsorgen! Dafür habe ich kein Verständnis!

    Was sollen dann Unbeteiligte sagen, die durch Deinen Fehler zu Schaden kommen? "Dumm gelaufen für mich, aber Hauptsache, Du kannst was draus lernen?"

    Solange der Besitzer der Gefährdete ist und sich dem bewußt stellt, habe ich kein Problem. Aber sobald Schwächere oder Fremde, die diese Entscheidung NICHT treffen konnten, in reale Gefahr geraten, ist KEIN Fehler tolerierbar. Diese Verantwortung möchte ich für einen wirklich gefährlichen Hund nicht tragen müssen....