Mein Matteo war der A......lochwelpe in seinem Wurf, wo alle Welpen keine Kinder von Traurigkeit waren. Die anderen Welpen haben immer einen Radius von 2 m und mehr um ihn herum freigehalten. Mit 8 Wochen habe ich ihn übernommen, und das war gut für alle Welpen, ihn eingeschlossen.
Beißhemmung hatte der null, erst mal wurde in alles, ob Mensch oder Tier, reingefackt. Ich war blutig und von Blutergüssen übersät, meine Hausärztin vermutete familiäre Mißhandlungen...
Trotzdem ist er mein zuverlässigster Hund heute, mit der Fähigkeit zu konstanter Impulskontrolle und hoher Frustrationstoleranz. Er durfte einfach seine angeborene hohe Energie und sein Selbstbewußtsein kontrolliert entwickeln und ausleben und hat damit Ressourcen freisetzen können, die ihm erlaubten, soziale Verhaltensweisen zu erlernen. Während er im Schutzdienst durch jede Belastung geht, um die Beute zu erobern, ja die Belastung, den Stockschlag sucht, da ihm der härteste Kampf den größten Sieg verheißt, läßt er sich sein innigst geliebtes Bällchen von Hundefreunden aus dem Maul klauen. Mit neutralen oder kleineren Rüden ist er verträglich, mit allem Weiblichem und Welpen/Junghunden sowieso.
Bei Menschen ist er der große Schmuser, außer im Grundstück, das wird energisch bewacht. Darf er auch, da er kein sinnloser Kläffer ist und sich jederzeit beruhigen und abrufen läßt. TA darf alles mit ihm machen, ich kann mit meinem Dorftrampel problemlos in die Stadt und Öffis benutzen - er ist sich seiner Stärke bewußt und vertrauensvoll.
Das Verträglichsein hat er aber nicht in der Wurfgemeinschaft gelernt und nicht in der Welpenschule, das waren sorgfältig geplante Kontakte zu verläßlichen Hunden meiner Sportfreunde und die Erziehung durch meinen Altrüden Quarus, der klare Grenzen gesetzt hat. Und eben eine Ausbildung, die seinen angezüchteten Neigungen entgegenkam.
Jetzt ist er (m)ein Traumhund, in Sport wie Alltag zuverlässig.
Ein Halbbruder (andere Mutter) war ganz ähnlich veranlagt, ihm wurden aber keine Grenzen gesetzt oder Aufgaben gestellt, an denen er wachsen konnte. Er läßt jetzt seine Leute strammstehen und zum Appell antreten... Hoffentlich eskaliert das nicht!
Es ist also keinesfalls gesagt, daß ein aggressiver Welpe zwangsläufig zum Menschen/Hundefresser werden muß. Wobei ich nicht abstreten will, daß es Welpen gibt, deren Aggressivität innerhalb des Wurfes pathologische Züge annimmt. Wie weit solche Hunde sich an unsere gesellschaftlichen Rahmenbedingungen anpassen können, ist wohl sehr einzelfallabhängig und kann nicht pauschalisiert werden. Aber genauso, wie ein unauffälliger Welpen zum Albtraum aufgebaut werden kann, werden aggressive Welpen auch zu unauffälligen Erwachsenen, wenn die Rahmenbedingungen entsprechend sind.