Beiträge von Quarus

    Mein Haushalt ist seehr ruhig.

    Diese Unausgeglichenheit würde sich auch nur entwickeln, wenn ich das Bedürfnis meiner Hunde nach Auslastung ignorieren würde. War ich z.B. einige Tage abwesend, steckten das meine Hunde gut weg. Aber längere Unterforderung führt zu abnehmender Frustrationstoleranz und Impulskontrolle. Da hilft auch kein Gassigehen oder Spielen.

    Meiner Sarah, dachte ich, "erspare" ich den Hundesport. Da hatte ich die Rechnung aber ohne sie gemacht. Die hat bis zu ihrem Tod darauf bestanden, mit auf den Hundeplatz zu fahren und etwas mit mir üben zu dürfen. Auch beim Spazierengehen kam sie oft an, ging in Grundstellung und forderte mich auf, mit ihr zu arbeiten und sie zu loben. Matteo ist auch so. Der lebt besonders für den Schutzdienst. Da kann es nicht hart genug zur Sache gehen - um so mehr genießt er dann den Sieg. Er ist dann selig und läßt sich mit dem kleinen Finger dirigieren.

    Zu uns kommen auch recht häufig Leute mit jungerwachsenen Hunden, derer sie einfach nicht mehr Herr werden. Etliche sind schon aus diversen Hundeschulen rausgeflogen oder haben so tolle Ratschläge bekommen wie "unbedingt kastrieren, dann wird er ruhiger" oder "abschaffen, der/die wird bald die Familie angreifen". Bleiben sie am Ball und arbeiten konsequent und gefühlvoll mit ihren Boxern, haben sich diese Probleme bald erledigt, sie verstehen ihren Hund besser und dieser wird führiger und ausgeglichener im Alltag.

    Wie äußert sich das denn?Von den Boxern, die ich kenne (darunter ein Jungspund) werden eigentlich alle nur als Familienhunde gehalten. Über den Jungspund wird allerdings berichtet, dass er die Wohnung umdekoriert :D . Das geht im Alter von einem halben Jahr doch aber auch noch durch.

    Alles zerstören, was zwischen die Zähne paßt. Zaun durchnagen, untergraben, überspringen und abhauen. Neigung zum Raufen mit anderen Rüden. Exzessives Territorialverhalten. Andere Familienmitglieder als Spielzeug behandeln, anspringen, berammeln und drauf rum kauen. Katzen, Rehe, Hühner (versuchen zu) jagen. Auf Spaziergängen offline riesige Kreise ziehen und wenig am Halter orientieren. Online immer unter Dampf und an der Leine zerren wie ein Stier. Unausgeglichen, immer auf Krawall gebürstet. Keine Ruhe in der Wohnung. Mit einem Wort: NERVIG!!!

    Bei meinen Hunden lasse ich es natürlich nicht so weit kommen, mir reicht es schon, eine stressige Nach-OP-Zeit mit zwangsweise ruhigzustellendem Hund zu überstehen. Aber die Tendenzen sind da. Und ich sehe, was los ist, wenn ein Halter, der einen mitlaufenden Familienhund suchte, einen eigentlich gut veranlagten Sporthund erwischte.

    Deswegen powere ich meine Hunde nicht täglich bis zur Erschöpfung aus, ich achte sehr auf komplette Ruhetage (da passiert gar nichts) und daß der Adrenalinspiegel nicht permanent hoch ist. Man merkt einfach, bei welchem Aktivitätslevel das Gleichgewicht zwischen Entspannung und Anspannung erreicht wird. Bei Quarus, Matteo, Sarah und z.T. auch Vesta brauchte es dazu mehr Arbeit und Training mit eisenfesten Regeln, bei Claudio sehr viel weniger.

    Sarah war der Hund, wegen dem ich nach jahrelanger Pause während und nach der Wende wieder mit Hundesport angefangen habe. Mir hatte vorher die Ausbildungsweise nicht gefallen und ich habe mich zurückgezogen. Sarah hat mir dann gezeigt, daß ich ihr mehr bieten muß als das Dasein als Familienhund, und so bin ich wieder zum Hundesport gekommen, aber zu einem, der sich am Hund orientiert und weniger am Besitzer.

    Was die Menschen (in Industrienationen) betrifft: hier geht es nicht mehr um optimale Ernährung, sondern um die schädliche, ausbeuterische Befriedigung der reinen Gier. Man schlachtet Millionen von Tiere, weil man nur die besten Stücke verwenden will, den Rest schmeißt man weg oder verdient noch Geld damit und macht fremde Märkte kaputt. Man züchtet Linien, die nur Fleisch liefern, die andern nur Milch, bei Hühnern Fleisch oder Eier. Optimierung von Lebewesen fürs eigene Billigheimer-Essen.
    Im von Quebeq genannten link hieß es: 10-20 % der Nahrung der Hominiden bestand aus tierischen Produkten. Aha... Selbst wenn das das Erfolgsrezept war. Von 10-20 % sind wir in den Industrienationen sehr weit nach oben hin entfernt.

    Ich glaube, da wird Dir keiner hier widersprechen. Es geht doch um den Absolutismus, den z.B. ich kritisiere. Hier hat keiner die Anschauung vertreten, dass massloser Konsum ausschliesslich tierischer Produkte wünschenswert wäre. Keiner hier hat sich als Carnivore bezeichnet, der pflanzliche Nahrung komplett ablehnt und zudem noch Vegetarier und Veganer als per se unsympathisch ablehnt. Es ist doch die auf alle Argumente der omnivor lebenden User folgende, garantierte Zuspitzung bis hin zur Absurdität, das Schlachten von jungen Tieren mit Kindstötungen zu vergleichen, die diese Diskussion am Laufen hält.

    Hier mal ein interessanter Ausschnitt über den Panda-Bär, der von seinen Anlagen her ein Fleischesser ist:

    Der große Panda ist eigentlich ein Raubtier. Mit gefährlich Reißzähnen im Kiefer und einem kurzen Darm – ideal zum Fleischfressen. Doch aus Fleisch macht sich der Pandabär nicht viel.

    Gefunden hier: http://www.deutschlandfunk.de/ein-fleischfre…rticle_id=28841


    Es ist also nicht gesagt, dass Raubtiergebiss und Darmlänge allein über die Ernährung entscheiden.

    Nur, dass sich ausgerechnet der Grosse Panda damit in eine evolutionäre Sackgasse manövriert hat und wegen seiner extremen Unflexibilität in Futterfragen und Desinteresse an Fortpflanzung über kurz oder lang aussterben wird.

    Von meinen 5 Boxern war nur einer, mein innigst geliebter Claudio, das, was ich als geborenen Begleithund bezeichnen würde. Schon als junger Hund zuverlässig und in sich ruhend, ohne grosse Ansprüche an Beschäftigung und Auslastung, grundgut zu jedem Menschen aus selbstbewusster Freundlichkeit. Mit ihm habe ich nach der VPG1 Schluss gemacht, weil er seine Sache zwar gut gemacht hat (TSB a), deutlich zu merken war, dass er es zum Glücklichsein nicht brauchte. Deshalb habe ich ihn auch nicht die ZTP machen lassen. Er war ein schöner Hund mit hochkarätiger Abstammung und guter Gesundheit, die Gefahr bestand, dass Deckanfragen kommen. Und bei aller Liebe zu ihm fand ich doch, dass ein Boxer mehr Arbeitsfreude und Temperament haben sollte.

    Meine anderen Boxer waren, anfangs aus Zufall, später durch gezielte Auswahl, Hunde, die als ausschliessliche Begleithunde am Rad gedreht hätten. Die brauchten und brauchen straffe Führung bei ausgiebiger gemeinschaftlicher Tätigkeit, körperlich und geistig gern anstrengend. Wenn mein Matteo eine schwere Fährte gemeistert hat oder nach langer Impulskontrolle und Gehorsam den Schutzarm erobert hat, ist er selig. Dann kann ich ihn auch als Begleithund überallhin mitnehmen, er sieht sich alles Fremde mit freundlichem Interesse an. Das ist für mich schon recht nahe an der gelungenen Kombination von Begleit- und Sporthund. Temperamentvoll, energisch, selbstbewusst, freundlich, Teamplayer. Ein Traumtyp.

    Du kannst es doch relativ einfach mit einem leichten Fleecemantel (von Hurrta z.B., oder etwas schnell selbst zusammengenähtem) probieren, ob Dein Hund, den Du doch am besten kennst, sich damit in der ungeheizten Wohnung wohler fühlt.

    Eine Sportfreundin hat es schon und ist wohl auf Seite 50 ungefähr. Sie ist nicht der überschwängliche Typ, aber ihr gefällt es und sie bereut das Geld nicht. Eine andere Freundin bekommt es von ihrem Vater zu Weihnachten. Da er gleichzeitig unser Ausbildungswart ist, wird er es garantiert auch durcharbeiten. Je nachdem, wie diese Rezensionen ausfallen, denke ich über eine Anschaffung nach.