Beiträge von Quarus

    Es ist ja nicht nur der reine Proteingehalt, der eine Rolle spielt, es stellt sich ja auch die Frage nach der Verdaulichkeit und der biologischen Wertigkeit. Um den Bedarf an allen essentiellen Aminosäuren abzudecken, brauche ich möglicherweise 100 g von dem einen Futter, aber 200 g von einem anderen Futter, obwohl beide auf dem Papier den gleichen Proteingehalt haben. Natürlich muß das weitgehend überflüssige Protein des zweiten Futters irgendwie verstoffwechselt werden und belastet dabei Leber und Niere. Ist nun auch noch der generelle Energiegehalt des Futters gering, bin ich möglicherweise gezwungen, 300 g des energiearmen Futters zu geben, wo eigentlich 100 g den Proteinbedarf decken könnten.

    Die grundlegenden Bedarfswerte einschließlich der Spannweiten, die sicher 90 % der Hundepopulation abdecken, sind aber gut erforscht und auch populärwissenschaftlich publiziert. Wenn man ein Futter nach diesen Kriterien aussucht und dann ein Feintuning nach Beobachtung seines Hundes vornimmt, hat man die gröbsten Fehler schon mal vermieden.

    Ich führe meine Boxer bewußt als Gebrauchs(Sport)-Hunde, weil das nicht nur ihrem Zuchtziel entspricht, sondern auch ein Stück weit Gewähr dafür bietet, daß die im Standard hervorgehobenen Charaktereigenschaften erhalten bleiben. Dazu gehört für mich eine mittlere Reizschwelle, die Fähigkeit, Frusttoleranz und Impulskontrolle leicht zu erlernen, Freiheit von unangemessener Scheu und Ängstlichkeit, Arbeitsintelligenz, freundliches Selbstbewußtsein, Bereitschaft, auf eindeutige Bedrohungen angemessen aktiv abwehrend reagieren zu können, angemessenes Sozialverhalten gegen Menschen und andere Hunde.

    Ich wähle bewußt Züchter aus, die den Schwerpunkt auf körperliche und geistige Gesundheit legen, wozu für mich eben auch ein etwas anspruchsvolleres Temperament der Hunde gehört, das man für die Ausbildung braucht. Alle hoch im Sport geführten Hunde, die ich kenne, zeichnen sich durch grundsätzliche Freundlichkeit, gespeist aus hohem Selbstbewußtsein aus, und sind absolut berechenbar und sicher in allen möglichen Umweltsituationen.

    DAS ist es, was ich am Boxer liebe!

    Ein ängstlicher, gehemmter Boxer, den jede nicht 100fach trainierte neue Situation überfordert, der aus Angst schnappt, sich glaubt selbstverteidigen zu müssen bei jeder Kleinigkeit, der nach einem lauten Knall 2 Stunden verkrochen bleibt, ist ein trauriges Zerrbild, da mag er noch so hübsch sein. Er tut mir nur leid, und haben möchte ich so einen Hund gewiß nicht. Leider sehe ich diese Hunde immer wieder.

    Es bringt natürlich nichts, daß der Hund beim TA den Maulkorb aufgeschnallt bekommt, wenn er schon im Panikmodus ist. Das Maulkorbtraining macht man zuhause und baut ihn positiv mit Leckerchen auf. Und den TA trainiert man nicht in einer Notsituation, wenn der Hund gespritzt oder sonstwie zwangsbehandelt werden muß, sondern in gesunden Tagen. Erst Maulkorbgewöhnung, bis Dein Hund freiwillig die Nase reinsteckt, wenn er ihn zu Gesicht bekommt, ihn sich umschnallen läßt und gelassen damit spazierengeht, DANN mit Maulkorb häufig beim TA vorbeischauen, ohne Aufregung, ohne Behandlung. Dein Trainer sollte Dir dabei helfen können.

    P.S. als Maulkorb bitte nicht diese furchtbaren Nylonschlaufen verwenden, die die Schnauze einschnüren und das Maulöffnen zum Hecheln verhindern.

    Auf Anhieb nur: Maulkorbgewöhnung, Maulkorb beim TA drauf und kleinschrittig durch viel Freizeit beim TA seine Angst langsam dämpfen und beseitigen. Ich weiß ja nicht, wie lange Du den Hund schon hast, oft (nicht immer) wird es bei neuen Hunden besser, wenn sie eine starke Beziehung zum Besitzer aufgebaut haben und seiner Autorität zu vertrauen gelernt haben.

    Es wäre ethischer, wenn man das so sagen darf, ein Haustier, welches vom Menschen komplett abhängig ist und das der Mensch ausgenutzt hat, lieber zu töten, als es langsamem Siechtum und Leiden bis hin zum Tod auszusetzen. Die indische Variante, ausgemergelte, kranke, alte "heilige" Kühe zum Sterben auf die Straße zu entsorgen, ist so heuchlerisch wie der heimliche Verkauf an muslimische Schlachter in Pakistan. Oder wie die Vermarktung von Brathähnchen unter dem zynischen Label "Wiesenhof" in D.

    Also ja, ein (Haus)-Tier durch gezielte Vernachlässigung eines "natürlichen Todes" sterben zu lassen, finde ich absolut moralisch verwerflich.