Ich habe von Retrieverausbildung und Dummyarbeit absolut keine Ahnung, kann also nur in Analogie von anderem Hundesport schreiben.
Und da treffe ich immer wieder Menschen, die genau nach irgendwelchen im Netz oder Büchern kursierenden Anleitungen versuchen, ihren Hunden was Komplexes beizubringen und sehr schnell an eine Grenze kommen, wo der Hund ganz anders reagiert, als in Punkt 23 der Anleitung "Wie bringe ich meinem Hund xy bei" als Norm angegeben wird. Dann wird mehr oder weniger hilflos rumprobiert und wiederum im Net kursierende Tricks nacheinander durchgenommen; und es klappt einfach nicht. Der Frust bei Hund und HH steigt, die Arbeitsfreude verdampft, es wird sich noch eine Zeit gequält und dann alles metaphorisch in die Ecke geschmissen. Übrig bleibt eine aus Versagensgefühlen resultierende Abneigung gegen den betreffenden Sport.
Ich kann's ja sagen, auch mir ging es vor vielen Jahren mit dem Fährten so.
Je komplexer die Ausbildung ist und je höher das Ziel, was man mit seinem Hund erreichen möchte, desto mehr ist der durchschnittliche Anfänger darauf angewiesen, daß ein realer MENSCH ihm Feedback und Hilfestellung gibt. Das kann keine anonyme Anleitung leisten.
Ich merke es bei der Arbeit mit unseren Anfängern, was einem erfahrenen Hundesportler ein müdes Lächeln entlockt, kann einen Anfänger fast zur Verzweiflung treiben. Da ist nix mit "selbst erarbeiten". Dazu braucht es schon Erfahrung, und gerade die fehlt ja häufig.
Was anderes ist es, wenn man sich seiner Grenzen von Beginn an bewußt ist und hauptsächlich eine sinnvolle Beschäftigung für sich und seinen Hund sucht. Wo das Ziel völlig irrelevant ist und man bereit ist, auf dem Weg auch alle möglichen Abzweigungen, die in sämtliche Himmelsrichtungen führen können, auszuprobieren. Vielleicht wird das dann keine "Fährte", sondern eine Art Stöbersuche, oder etwas mantrailing-Ähnliches oder ein "Trüffelsuchhund" etc. etc. Da kann man nach Herzenslust ausprobieren und wird auch keine Frustgefühle entwickeln.
Ich würde IMMER empfehlen, daß ein Anfänger sich einer Trainingsgruppe anschließt, die kompetent ist in dem, was sie tut. Für die Motivation gibt es nichts besseres, als mit Gleichgesinnten zusammenzuarbeiten. Muß keiner einzeln perfekt sein!
Aber geht das nicht, dann hätte ich auch keine Bedenken, nur aus Freude am Tun mit meinem Hund auszuprobieren, was uns beiden Spaß macht und was sich daraus vielleicht Überraschendes ergibt.