Beiträge von Quarus

    Jetzt mal weg von Mops und Frenchie.
    Wie ist das eigentlich beim Boxer? Ja die müssen Belastungstest machen, für die ZZL Leistung bringen.
    Aber hab da letztens einen VDH Boxer beim Tierarzt getroffen. Das war ein ganz schöner Geräuschpegel den das Tier so von sich gegeben hat. Grunzen, röcheln, schnaufen. Wie Mops und co nur eben 6 Mal so groß.

    Es gibt auch Boxer mit noch anderen Krankheiten. Die Frage ist, kommt so ein Hund in die Zucht und damit die Chance, sich weiterzuvererben. Das ist der Sinn der Ausdauerprüfung. Machen übrigens nicht gerade viele Rassen.

    und gerade das glaub ich eben nicht, denn der VDH und FCI mit den großen Ausstellungen beeinflußt durchaus das Bild, das Menschen von einer Rasse haben. Und der VDH wird ja immer wieder, auch hier im Forum, als der Verein genannt, an den man sich wenden sollte, wenn es denn seriös sein soll.

    Und darauf antworten dann 10 Leute, daß doch der VDH sooo böse ist....

    Ja klar, der VDH könnte natürlich gegen die Mops- und Frenchie-Züchter polemisieren und agitieren. Dann gehen die letzten einfach auch raus und entziehen sich so der Kontrolle.

    Oder man versucht die Züchter mitzunehmen. Dann gibt es eben auch keine spektakulären Erfolge, sondern nur schleichende Verbesserungen. Im anderen Fall überhaupt keine, aber man kann sich im Recht fühlen.

    Ist eben das Spannungsfeld zwischen Realismus und Fundamentalismus.

    Daraus zu schlussfolgern, dass VDH Möpse aber deshalb besser Luft kriegen ... wie soll das gehen? Haben VDH Züchter etwa herausgefunden wie man Nasen kurz bekommt und deformiert, aber trotzdem noch belüften kann?!

    Das wohl nicht. Aber es rückt die Möglichkeiten der Einflußnahme in ein realistischeres Licht. Auch hier in der Gemeinde laufen rein rechnerisch schon 10 % aller im VDH gezüchteten Frenchies rum. Sind aber, sofern die Besitzer es von sich aus im Gespräch erwähnten, alle vom liebevollen Hobbyzüchter (letztes Jahr Hündin angeschafft, die sich im folgenden Jahr amortisieren muß). Das große Monopol, das herhalten muß, damit der VDH jede Fehlentwicklung allein zu verantworten hat, gab es nie. Demzufolge haben alle Auflagen, die VDH-Rassezuchtvereine beschließen sollten, auf die Moderassen nur marginalen Einfluß.

    Der VDH hat vor einigen Jahren den Präzedenzfall mit den English Bulldog geschaffen. Seitdem sind nur eine Handvoll Welpen mit VDH-Papieren geboren wurden. Die rechnerische Hälfte davon habe ich allein bei unserem Landtierarzt gesehen.

    In "Deine Tierwelt" sind gegenwärtig 243 Anzeigen für "Bulldoggen" geschaltet. Davon 9!!!! mit dem Zusatz "VDH-Papiere". 9 von 243 - das sind 3,7 % der angebotenen Hunde! Die Rasse gibt es im VDH quasi nicht mehr. Ergo ist Einflußnahme auf die Zucht nahe Null, da hilft kein VDH-Bashing.

    Französische Bulldogge: 816 Angebote, davon 3 mit VDH-Papieren (0,4 %)
    Mops: 316 zu 30 (9,5 %)

    Selbst wenn man die Zahlen verdoppelte oder verdreifachte, um Welpen zu berücksichtigen, die ohne Annoncen in öffentlichen Portalen verkauft werden, sind die Relationen atemberaubend. Der VDH-Einfluß spielt bei diesen Rassen keine Rolle.

    Es ist einfach, zu sagen "Der VDH könnte ja was ändern, wenn er nur wollte!" Nein, mit meßbarem Einfluß auf die zu sehenden Möpse und Bulldoggen kann er eben nicht, deren Züchter entziehen sich entweder gleich ganz jeder Kontrolle, oder suchen sich weit überwiegend einen Verein mit bequemeren Anforderungen. Und damit liegen sie, wie mit ihrer Rasse, voll im Trend, denn wie überall zu lesen ist, stellt der VDH die Quelle allen Übels dar. Somit ist "nicht im VDH, weil so furchtbar dort!" ein Qualitätsmerkmal, das zusammen mit einer gefühligen Vermarktung und einem verführereischen Preis es den Käufern leichtmacht, sich ihren Wunsch nach einer stylischen Bulldogge oder Mops zu erfüllen.

    Es gibt doch aber bei den Kurznasen keine Bemühungen hin zu längeren Nase.
    Wollte ich nur mal einwerfen weil ja alle meinen das es so lange dauert bis man Erfolg hat. Wenn man nichts ändert dauert der Erfolg natürlich länger. ;)

    Es ist ja angefangen worden (Belastungstest), nur stößt man sofort auf das Problem der negativen Korrelation von Zuchtfortschritt und Emotion, die für den Einzeltierschutz unabdingbar ist. Für die Population in ihrer Gesamtheit hat der Einzeltierschutz keinen Vorteil.

    Gerade am Beispiel der Milchkuh gibt es Tiere, die an ihren überdimensionalen Eutern leiden, sich manche durch drauftreten versehentlich selbst verletzen.
    Auch und gerade wenn es bei Hunden um (Be)Nutzbarkeit geht, führt für mich kein Weg am Tierschutz vorbei.
    Der schützt ohnehin nur vor den gröbsten körperlichen und psychischen Belastungen.

    Die durchschnittliche deutsche Hochleistungsmilchkuh ist eine "arme Sau", das steht für mich außer Frage. Es ging mir nicht darum, die Zucht auf solche, ebenfalls in die Kategorie "Qualzucht" gehörenden Leistungsexzesse zu befürworten. Sondern den Prozeß der Selektion als solchen in Vergleich zu dem bei Hunden zu stellen.

    Während bei der Hundezucht viele "weiche" Faktoren der Emotion eine Rolle spielen, läuft die Selektion bei Nutztieren nach knallharten, objektiven, meßbaren Kriterien. Der "menschliche" Faktor wird quasi ausgeschaltet. Das nicht den Ansprüchen genügende Zuchtprodukt wird beseitigt und erhält keinesfalls eine Chance, sich weiterzuvermehren. Züchterische Sackgassen werden von Heute auf Morgen aufgegeben. Das Einzeltier ist im Wesentlichen eine bloße Nummer und damit jederzeit austauschbar.

    Mit dieser Selektion lassen sich in wenigen Generationen unglaubliche züchterische Fortschritte verwirklichen, unabhängig davon, ob sie ethisch vertretbar sind oder nicht. Wir hatten sie in der Hundezucht vor 100 Jahren, als mit fortgesetzter Inzestzucht und unglaublichen Merzungsraten die heutigen "alten" Rassen aus heterogenem Ausgangsbestand konsolidiert wurden.

    Wenn in der Rassehundezucht nach 100 Jahren des falsch gesetzten Primates, des Primates von "Schönheit" und "Exclusivität", jetzt gefordert wird, schnellstmöglich einen Paradigmenwechsel zu vollziehen und im 180°-Schwenk auf "Gesundheit" und "Leistungsfähigkeit" zu züchten, dann sind die geforderten Augenblicklich-Erfolge NUR in Anwendung der Selektionsmethoden der Nutztierzucht zu erreichen, zwangsläufig in Verbindung mit den weniger schönen Begleitaspekten des völligen Bedeutungsverlustes des Individuums.

    Dessen sollte man sich bewußt sein, wenn man GESTERN drauf gekommen ist, daß Möpse üble Qualzuchten sind, und sich heute darüber mokiert, daß das Problem IMMER NOCH NICHT abgestellt ist. Entweder man nimmt das Gesamtpaket, oder man akzeptiert, daß der züchterische Erfolg bedeutend länger auf sich warten läßt, weil die menschliche Emotionalität gegenüber dem Individuum nicht ausgeschaltet werden soll, mit all ihren Problemen. Wenn man das Gesamtpaket will, verbietet sich jede "Gefühligkeit" im Rahmen des Einzeltierschutzes. Damit darf man keine Ressourcen an Platz, Zeit und Geld blockieren. Diese stehen den "Zuchtfortschritten" zu, da sie begrenzt sind.

    Das sind die Konsequenzen, wenn man das "Wünsch Dir was!" wirklich ein Stück weiter denkt.

    "Wasch mich, aber mach mich nicht naß!" funktioniert auch in der Hundezucht nicht....

    Nun ja, diese Samenbanken, wo man sich von Supersportler bis Geistesriese den passenden Vater für das Wunschkind aussuchen kann, lassen schon Gedanken an das popular sire-Problem bei Hunden aufkommen. :flucht:

    Mir zumindest ging es darum, daß kein Lebewesen, ob Mensch oder Tier, gezüchtet oder nicht, eine "Mißgeburt" ist. Wenn man schon die Würde von Hunden anspricht, sollte eine solche Verächtlichmachung sich von selbst verbieten.