Gerade am Beispiel der Milchkuh gibt es Tiere, die an ihren überdimensionalen Eutern leiden, sich manche durch drauftreten versehentlich selbst verletzen.
Auch und gerade wenn es bei Hunden um (Be)Nutzbarkeit geht, führt für mich kein Weg am Tierschutz vorbei.
Der schützt ohnehin nur vor den gröbsten körperlichen und psychischen Belastungen.
Die durchschnittliche deutsche Hochleistungsmilchkuh ist eine "arme Sau", das steht für mich außer Frage. Es ging mir nicht darum, die Zucht auf solche, ebenfalls in die Kategorie "Qualzucht" gehörenden Leistungsexzesse zu befürworten. Sondern den Prozeß der Selektion als solchen in Vergleich zu dem bei Hunden zu stellen.
Während bei der Hundezucht viele "weiche" Faktoren der Emotion eine Rolle spielen, läuft die Selektion bei Nutztieren nach knallharten, objektiven, meßbaren Kriterien. Der "menschliche" Faktor wird quasi ausgeschaltet. Das nicht den Ansprüchen genügende Zuchtprodukt wird beseitigt und erhält keinesfalls eine Chance, sich weiterzuvermehren. Züchterische Sackgassen werden von Heute auf Morgen aufgegeben. Das Einzeltier ist im Wesentlichen eine bloße Nummer und damit jederzeit austauschbar.
Mit dieser Selektion lassen sich in wenigen Generationen unglaubliche züchterische Fortschritte verwirklichen, unabhängig davon, ob sie ethisch vertretbar sind oder nicht. Wir hatten sie in der Hundezucht vor 100 Jahren, als mit fortgesetzter Inzestzucht und unglaublichen Merzungsraten die heutigen "alten" Rassen aus heterogenem Ausgangsbestand konsolidiert wurden.
Wenn in der Rassehundezucht nach 100 Jahren des falsch gesetzten Primates, des Primates von "Schönheit" und "Exclusivität", jetzt gefordert wird, schnellstmöglich einen Paradigmenwechsel zu vollziehen und im 180°-Schwenk auf "Gesundheit" und "Leistungsfähigkeit" zu züchten, dann sind die geforderten Augenblicklich-Erfolge NUR in Anwendung der Selektionsmethoden der Nutztierzucht zu erreichen, zwangsläufig in Verbindung mit den weniger schönen Begleitaspekten des völligen Bedeutungsverlustes des Individuums.
Dessen sollte man sich bewußt sein, wenn man GESTERN drauf gekommen ist, daß Möpse üble Qualzuchten sind, und sich heute darüber mokiert, daß das Problem IMMER NOCH NICHT abgestellt ist. Entweder man nimmt das Gesamtpaket, oder man akzeptiert, daß der züchterische Erfolg bedeutend länger auf sich warten läßt, weil die menschliche Emotionalität gegenüber dem Individuum nicht ausgeschaltet werden soll, mit all ihren Problemen. Wenn man das Gesamtpaket will, verbietet sich jede "Gefühligkeit" im Rahmen des Einzeltierschutzes. Damit darf man keine Ressourcen an Platz, Zeit und Geld blockieren. Diese stehen den "Zuchtfortschritten" zu, da sie begrenzt sind.
Das sind die Konsequenzen, wenn man das "Wünsch Dir was!" wirklich ein Stück weiter denkt.
"Wasch mich, aber mach mich nicht naß!" funktioniert auch in der Hundezucht nicht....