Je mehr ich in das Thema "Ernährung des Hundes" eingetaucht bin, um so bewußter wurde mir, wie vielfältig die Zusammenhänge und Beziehungen sind. Es geht nicht nur um Proteine, Kohlenhydrate und Fette, die beliebigen Quellen entstammen können, so lange nur die Quantität stimmt. Es geht ganz viel um Aminosäurenprofile, Fettsäurenverhältnisse, minimale Spuren von Vitaminen, Hormonen, Enzymen, Bioverfügbarkeit, Verdaulichkeit, Interaktion der Nahrungsbestandteile untereinander und mit dem aufnehmenden Organismus.
Das billige Zusammenpanschen von isolierten Resten in schlechten, billigen Fertigfuttern hat viele Hundehalter aufgeschreckt und einerseits zu einem breiten Angebot an "Edelfuttern", andererseits zur "Barfbewegung" geführt. Wer heute Frolic und Beneful füttert, muß schon eine gute Begründung parat haben, um nicht als Ignorant dazustehen!
Die Ernährung des Hundes unter konsequentem Ausschluß tierischer Produkte sehe ich unter dem ganzheitlichen Aspekt von Nahrung als langfristig und generell unmöglich an. In Einzelfällen, bei schwerwiegenden medizinischen Problemen, mag es das kleinere Übel sein, aber weit vom Optimum eines gesunden Hundes entfernt.
Ich bezweifle ganz stark, daß der vegan fütternde Hundebesitzer die chemischen und ernährungsphysiologischen Kenntnisse hat, zusätzlich zum Basiswissen der Hundefütterung eine hundertprozentige Substitution der tierischen Nahrungsbestandteile vornehmen zu können, ohne Folgeprobleme durch verschobene Nährrstoffgehalte zu schaffen. Und die auf den veganen Trend reagierende Futtermittelindustrie interessiert das nur am Rande.
Weil mir auffällt, wie abgehoben das klingt, ein Beispiel:
Soja gilt als eiweissreicher Ersatz für Fleisch. Nur leider ist das Aminosäureprofil nicht annähernd das von Fleisch, um die lebensnotwendigen Aminosäuren in ausreichendem Maße zuzuführen, braucht es mehr Soja. Gleichzeitig ist die Verdaulichkeit von Soja geringer als Fleisch, es entstehen im Dickdarm des Hundes giftige Stoffwechselzwischenprodukte, die die Leber entgiften muß. Das belastet natürlich die Organe. Wollte man nun Soja durch andere Eiweißquellen rein pflanzlicher Herkunft ersetzen, handelt man sich auch wieder andere Probleme ein. Einfach, weil der Hund eben kein Herbivore ist, sondern ein Carnivore, der sich seinem menschlich geprägten Lebensraum so weit er konnte, angepaßt hat. Diese Anpassung hat aber eine Grenze, und ich sehe es als unethisch an, sie ignorieren zu wollen, um eigene Ideologien durchzusetzen.
Innerhalb der weiten Toleranz kann von vegetarischem industriellem Trockenfutter bis um Prey-Modell der Fleischfütterer und umgekehrt den Bedürfnissen des anpassungsfähigen Hundes noch irgendwie und mehr oder minder gut entsprochen werden.
Aber die vegane Ernährung für Hunde und Katzen überschreitet für mich eine Grenze, die genau die Gleiche ist, wie Rinder und Schafe mit Tiermehl zu füttern. Egal, es es um Weltanschaung oder Rendite geht - das Tier wird instrumentalisiert und der Anthropozentrik untergeordnet.