Ich würde einem Hundeanfänger auch eher zu einem halbwegs "fertigen" Hund raten.
Die Entwicklungsphasen beim Welpen gehen so schnell, dass es als Hundeanfänger sehr schwer ist, zu durchblicken, was beim Lernen gerade dran ist, denn aus meiner Sicht gibt der Hund die Themen vor.
Die meisten Anfänger fangen mit Sitz, obwohl das Thema des Hundes vielleicht erst mal Beißhemmung lernen oder nichts in der Wohnung anfressen ist. Und schon hat man eine Nebenbaustelle, wo man im Zweifel nicht weiß, was zu tun ist.
Dann macht man mit Platz weiter, der Hund zeigt aber Probleme beim Ruhe halten/Frust aushalten. Und schon hat man wieder etwas, wo man vielleicht nicht mit umzugehen weiß.
Stubenreinheit und Alleinebleiben kommt auch noch dazu, ebenso das Weiterlernen des Umgangs mit anderen Hunden, Umgebungsgewöhnung usw. Ich finde, das ist ganz schön viel für einen Hundeanfänger. Der eine schafft es mit einem guten Bauchgefühl und ganz viel innerer Ruhe, der andere eben nicht.
Dann wird ausprobiert, die Tipps verschiedener Leute angenommen, rum experimentiert und im schlimmsten Fall macht man sich damit im ersten Jahr schon einiges kaputt.
Man liest hier soviele Posts von Ersthundehaltern mit Welpen, die wirklich bei dem normalen Welpenverhalten schon verzweifeln (Hund beißt in Hände, Hund will das Haus nicht verlassen/spazieren gehen, Hund frisst Möbel an, Hund knurrt, wenn er einen Kauknochen hat, Hund zieht an der Leine usw.), dass ich das Gefühl habe, dass das keine Ausnahmen sind, sondern genau die Probleme, vor denen Anfänger dann stehen, wenn der Hund bereits eingezogen ist und für die man dann keinen Plan hat, weil man es sich anders vorgestellt hat.
Und schon ist man nicht mehr cool und gelassen und fühlt sich als der Erziehende, sondern ist einfach schnell auch mal überfordert und hilflos.
Gerade in unseren Welpenstunden sieht man hauptsächlich überforderte Welpenbesitzer, die der schnellen Entwicklung ihres Hundes kaum hinterher kommen und schwups, schon steht das Thema Pubertät im Raum.
Das soll hier wirklich keine Schwarzmalerei sein, es kann natürlich auch anders aussehen, wenn man entsprechend gut vorbereitet ist, sich vorher schon etwas eingelesen hat oder jemanden hat, der einen begleiten kann bei der Erziehung. Und wenn man von sich auch ein gutes Bauchgefühl hat, bekommt man das natürlich auch hin.
Ein ausgereifter Hund ist da deutlich einfacher, finde ich und gerade im Tierschutz findet man viele Hunde, wo wirklich nicht mehr viel zu tun ist, als den Hund in den Alltag zu integrieren.
Ich habe ständig Pflegehunde hier, fast alle von denen sind "idiotensicher".
Und man sieht halt das, wo man noch dran arbeiten muss (Leinenführigkeit, Kommandos beibringen, Alleinebleiben trainieren). Das sind dann aber vielleicht ein oder zwei Baustellen, die man dann ja auch kennt und sich entsprechend drauf einstellen bzw. entscheiden kann, ob man das leisten kann und will.
Beim Welpen kommt aber alles zusammen, denn er muss in ALLEN Bereichen geführt und gelenkt werden.
Eine gute Orga wird einen auch entsprechende gut beraten können, es gibt viele Hunde, die in Pflegefamilien wohnen, die man sich ansehen kann, mit der Pflegefamilie reden kann.
Ich finde es definitiv einfacher, mit einem ausgereiften Hund zu starten, bei dem man einfach schon sehen kann, wie er charakterlich ist und in welchen Bereichen noch "Nachsitzen" angesagt ist.