Beiträge von dagmarjung

    Schäferhunde sind für die enge Zusammenarbeit mit dem Menschen gezüchtet. Sie brauchen den Sozialkontakt. Sie wollen die Nähe des Menschen und geistig gefordert werden.

    Ich war als junge Frau in einer ganz ähnlichen Lage wie deine Tochter und was du von Maja erzählst, erinnert mich sehr an meine Nuja. Die war zuerst auch nicht meine Nuja, sondern sie sollte einen Schrottplatz bewachen. Ein Dienst, für den sie schon deshalb nicht besonders gut geeignet war, weil sie nie gebellt hat und weil, selbst wenn sie es getan hätte, die Besitzer zu weit entfernt wohnten, um es zu hören. Ich hatte immer Angst, daß sie vergiftet werden könnte, denn einen Schutz dagegen gab es nicht.

    Nuja lebte also tagsüber überwiegend in einem sehr kleinen Zwinger mit Hütte, und nachts eben frei auf dem Schrottplatz. Die Leute waren freundlich zu ihr und mochten sie auch, aber unternahmen nichts weiter mit ihr.

    Ich hatte zu der Zeit täglich in der Nähe zu tun und traf eines Tages auf Nuja, die sehr freundlich und neugierig war und sich begeistert auf ein Spiel mit mir einließ. Ich sprach mit ihren Besitzern und durfte sie von da an öfters ausführen. Wir spielten, ich brachte ihr Kommandos und Tricks bei und wir erkundeten gemeinsam die weitläufige Umgebung. Nach kürzester Zeit hatte sie eine sehr enge Bindung zu mir aufgebaut. Es tat mir jedesmal in der Seele weh, sie zurückzulassen.

    Ich hatte vorher als Jugendiche schon einige Hunde ausgeführt, und für alle war ich sowas wie die nette Tante, die ab und zu vorbeikommt und mit der man einen schönen Ausflug macht. Ich war eine Bereicherung, aber niemals die Hauptbezugsperson. Bei Nuja war das anders. Da ich die einzige war, die sich wirklich mit ihr beschäftigte, wurde sie mein Hund, ohne daß sie mir gehörte.

    Nach einiger Zeit holten sich die Besitzer einen männlichen Schäferhundwelpen dazu und steckten ihn ohne Umstände in den Zwinger zu Nuja. Keine gute Idee, wie man sich denken kann. Ich ziehe heute noch den Hut vor Nuja, daß das nicht blutig endete. Im Unterschied zu Nuja bellte der Kleine, und so wurde Nuja überflüssig und ich konnte sie übernehmen.

    Zu deiner Wohnsituation: Wenn du städtisch wohnst, auf Öffis angewiesen bist und weder im Erdgeschoss noch mit Fahrstuhl, dann ist der Rat, lieber einen kleineren Hund zu wählen, auf jeden Fall berechtigt. Du machst dir - und deinem Hund - das Leben damit wesentlich einfacher. Das fängt mit der Erlaubnis des Vermieters an und betrifft ansonsten besonders den Fall, wenn der Hund mal krank oder verletzt ist und du ihn mehrere Male am Tage rauf und runter tragen mußt. Und dieser Tag kommt in jedem Hundeleben irgendwann.

    Wenn jemand mit Fachkenntnis dich bei der Hundewahl berät, dann wird derjenige nicht nur dich als Person, sondern auch deine Lebens- und Wohnsituation in den Blick nehmen. Das ist dann keine Abqualifizierung deiner Person, daß man dir die Führung eines größeren Hundes nicht zutraut, sondern der Hund muß ja nicht nur zur dir, sondern auch zu deinem Lebensumfeld passen.

    Mein erster eigener Hund - nachdem ich als Jugendliche regelmäßig anderer Leute Hunde ausgeführt habe - war tatsächlich eine deutsche Schäderhündin. Auch sie zunächst ein Ausführhund, den ich später umständehalber übernommen habe. Ich habe sie mir also eigentlich nicht gezielt ausgesucht, sondern wir haben per Zufall zueinander gefunden.

    Nuja war allerdings als Individuum so 100% anfängertauglich, daß ich sie ohne Sorge auch meiner völlig hundeunerfahrenen Familie überlassen konnte, als ich ein Praktikum gemacht habe und nur am Wochende nachhause kam. Sie war verträglich mit Menschen und Artgenossen und hat nie gebellt. Das ist wirklich nicht in allen Punkten typisch für Schäferhunde.

    Was ich besonders an ihr geliebt habe, ist die hohe Motivation zum gemeinsamen Tun mit dem Menschen. Seit Nuja bin ich diesem kooperativen Hundetyp verfallen. Aber diese Eigenschaft findet sich nicht nur bei Schäferhunden und nicht nur bei großen Rassen.

    Shelties oder Pudel oder auch Papillons sind nur einige der Rassen, mit denen man viel Freude und Erfolg im Hundesport haben kann. Und natürlich kann man unendlich viel von einem Papillon lernen: Wie man sich mit seinem tierischen Partner verständigt, wie man ihn fördert, wie ein geistig regsamer und temperamentvoller Hund so tickt.

    Ich habe den Umstieg von Schäferhund zum Kleinpudel (nach langer erzwungener Hundepause) nie bereut. Pudeline Cara war in jeder Hinsicht genausosoviel Hund und ebenso intelligent und toll wie Nuja. Nur eben handlicher.

    Was die Sache mit der Wohnungsgröße betrifft: Ich bin da etwas zwiegespalten. Ich kenne Leute, zB Tierarztstudentinnen, die auf engem Raum auch mit größeren Hunden zusammenleben. Geht irgendwie. Ist aber nicht immer optimal, man macht es sich schon leichter, wenn man eine etwas handlichere Mittelgröße oder einen kleineren Hund wählt.

    Letztlich bin ich aber der Meinung: der Hund braucht einen, besser mehrere Ruheplätze, wo keiner über ihn fällt und ansonsten finden Spaß und Bewegung draußen statt und nicht drinnen. Den Faktor Zeit finde ich daher wesentlich wichtiger als die Wohnungsgröße.

    Als Anfänger kommt man, wenn man nicht spezielle Anforderungen hat, zB Jäger oder Schäfer ist oder einen Wachhund für ein großes Grundstück sucht, mit den weniger spezialisierten Allroundern besser zurecht als mit denen, die für spezielle Verwendung gezüchtet wurden. Spezialisten sind nicht die intelligenteren oder besseren Hunde, sondern grob gesagt in bestimmten Bereichen triebstärker. Das macht sie für bestimmte Arbeitsleistungen besser geeignet, aber wir als Normalhundehalter kämpfen dann ständig gegen diese Begabungen wie Jagdtrieb oder territoriales Wachverhalten an. Das macht keinen Spaß und ist auch längst nicht immer erfolgreich.

    Nicht nur in der FCI Begleithundegruppe, sondern auch in anderen Gruppen, zB bei Hütehunden oder Terriern finden sich Hunde, die man als Allrounder bzw anfängertauglich bezeichen kann. Als Beispiele seien nur Collie, Sheltie, Wheaten Terrier, Border Terrier, Eurasier oder Dalmatiner genannt. Labrador und Golden Retriever sind ebenso dabei. Auch bei den Retrievern gibt es nicht nur Leistungslinien.

    Alle diese Hunde, auch die kleinen möchten aber mehr und vor allem sinnvoller beschäftigt werden als mit Stöckchenwerfen. Das gilt natürlich ebenso für Pudel, Papillon & Co.

    Daran dachte ich auch schon. Es passiert nicht so selten, auch bei anderen Rassen, daß Hunde vom Spiel ins Jagdverhalten kippen.

    Das Dumme bei Jagdverhalten ist: es gibt beim ernstgemeinten Jagen keine Tötungshemmung. Mit Jagdwild wird nicht verhandelt, sondern es ist ist zum Töten da. Jagdverhalten fühlt sich toll an und ist selbstbelohnend.

    Selbst WENN dein Welpe von dem Pudel etwas lernt - was unwahrscheinlich ist, denn in wenigen Monaten, wird dein Hund auch da körperlich die Oberhand haben

    Im Spoiler, weil es nicht zum eigentlichen Thema gehört:

    Spoiler anzeigen

    Das ist nicht unbedingt gesagt. Vor einigen Jahren, zur Zeit der unsäglichen Rudelstellungssekte, kursierte ein Video von einem Ernstkampf zwischen einem Dobermannrüden und einem jungen Großpudelrüden. Der Dobermann sollte dem Pudel seine angeblich von Natur aus untergeordnete Stellung klarmachen. Der Pudel sah das aber anders und wehrte sich nach Kräften, als der Dobermann ihn anfiel. Der Kampf dauerte mehrere Minuten lang. Obwohl der Dobermann immer wieder nachsetzte, gab der Pudel einfach nicht auf. Nach und nach gewann er die Oberhand und der Dobermann gab zuletzt auf und lief weg..

    In der Konstellation älterer Rüde und Junghündin sehe ich aber kein ernsthaftes Konfliktpotential zwischen dem Hund der Freundin und Zoe. Die TE schreibt ja auch, ihm gegenüber zeigt sich die Kleine deutlich respektvoller.

    Ich werde es auf jeden Fall Mal mit meiner Oma versuchen, ob sie es hinbekommt. Gebrauchshundeerfahrung haben weder meine Oma noch meine Freundin.

    Das was du vorhast, ist, ich muß es leider so deutlich sagen, rücksichtslos gegenüber deiner Oma. Du bekommst es nicht hin, warum sollte es dann deiner Oma gelingen, die sich noch nicht einmal freiwillig diesen Hund geholt hat, sondern nur dir einen Gefallen tut?

    Ich bezweifle, daß sie ein so tiefgehendes Interesse an Hundeerziehung hat und gerne so viel Mühe und Arbeit investieren wird, wie erforderlich sein wird. Warum sollte sie? Die Hunde sind doch dein Hobby, nicht ihrs. Aber sie wird als Tagesbetreuerin den Großteil der Erziehung leisten müssen, sobald du wieder arbeiten gehst. Erziehung ist nämlich nicht ein bißchen SitzPlatzFuß zu Feierabend, sondern Erziehung passiert 24/7 die ganze Zeit im Alltag.

    Aber meine Freundin hat einen Großpudel, der ziemlich Energie hat und Zoe vielleicht Manieren beibringen kann. Die beiden haben sich schon ein paar Mal getroffen und Zoe war nicht einmal annähernd so stürmisch wie bei Lily und Molly.

    Der Pudel kann dem Welpen bestimmt klarmachen, daß Zoe sich ihm gegenüber benimmt. Aber das Verhältnis ist dann nur zwischen diesen beiden Hunden geklärt und zwischen sonst niemand. Es hat keinerlei Einfluß darauf, wie Zoe mit Lily umspringt. Lily wird nach wie vor als Beuteobjekt herhalten müssen.

    Deshalb bezeichne ich es auch als Mobbing, weil sie wirklich nur auf die Kleinen so losgeht.

    Alle Welpenspiele sind Kampf-, Jagd- und Rennspiele. Da wird mit ganzem Körpereinsatz gerauft und gerungen. Das ist normal. Wer stärker ist, gewinnt. Gewinnen ist toll und fühlt sich gut an. Ein kleiner kranker Mops kann da nur verlieren.

    Leider hat Zoe Lily schon zweimal richtig übel angesprungen und Lily hat aufgeschrien. Ich war beide Male beim Tierarzt, aber zum Glück ist nichts passiert.

    Natürlich ist was passiert! Lily ist nicht tot liegengeblieben, aber was glaubst du, wie sich das anfühlt für einen Hund mit kaputter Wirbelsäule, so malträtiert zu werden?

    Und was glaubst du, wieviel Angst Lily jetzt die ganze Zeit hat, daß es wieder und wieder passiert?

    Dein Mops hat es verdient, ohne diese Dauerangst zu leben. Gleiches gilt natürlich für die Katze, die sich ebenfalls im eigenen Haus sicher fühlen soll.

    Wahrscheinlich ernte ich dafür Verachtung, aber die US Schipperkes, die größer sind und auch andere Farben als Schwarz haben dürfen, gefallen mir noch besser.

    Es gibt bei den Schipperkes eine recht große Größenspanne. Das ist nicht unbedingt USA gegen den Rest der Welt. Tendenzen zu rundem Kopf und Verzwergungsmerkmalen sind je nach Zuchtlinie auch zu bemerken, aber viele Schipperke wirken auf Bildern viel größer als sie wirklich sind, weil sie kaum Verzwergungsmerkmale haben.

    In Deutschland wird natürlich mit Importen gezüchtet, auch aus USA, weil die Rasse hier so selten ist, aber in anderen Ländern zB auch Skandinavien sind sie recht beliebt.

    Zur Rassegeschichte: Es gab in Belgien wohl in diesen Rassegründerzeiten des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts eine recht große patriotische Begeisterung für die belgischen Schäferhunde, und da wurde das Schipperke auch mit einbegriffen. Ich will auch gar nicht abstreiten, daß es gemeinsame Vorfahren gibt.

    Aber wenn man sich die Geschichte der Rasse anschaut, dann beginnt sie als Allrounder auf dem Bauernhof, dann als kleiner Wachhund, der viel von städtischen Handwerkern gehalten wurde, und später machte er Karriere als Wachhund der Binnenschiffer. Wachen, Bellen, Ratten jagen war das Aufgabengebiet - also klassisch Spitz.

    Lange wurden die Schwänze kupiert, zum Teil heute noch, wenn man sie aber nicht abschneidet, dann ringeln sie sich meist über den Rücken, ein hängender Schäferhundschwanz kommt zwar auch vor, ist aber die Ausnahme. Auch sonst dominiert meiner Meinung nach im Körperbau, Gesicht und Bewegung deutlich der Spitz.

    Gerade wenn man mal mit einem echten kleinen Hütehund wie dem Sheltie vergleicht.