Beiträge von dagmarjung

    Tatsächlich hätte ich den Pudel auch eher in die Kategorie "braucht etwas länger" gesteckt, weil sie sich eben doch sehr an ihren Menschen binden.

    Es gibt Pudel, die sind so, andere nicht. Das ist wohl auch unterschiedlich nach Zuchtlnien/Familien. Caras Züchterin beschrieb ihre Zwergpudel als Einpersonenhunde, ihre Kleinpudel dagegen als "finden zu jedem in der Familie ihre eigene Beziehung". Das traf auf Cara mit Sicherheit zu, auch wenn bei mir im Singlehaushalt gelandet ist.

    Caras kindliche allgemeine Kontaktfreude blieb ihr lange erhalten und war auch lange Erziehungsthema. Das stand im Gegensatz zu meiner früheren zurückhaltend neutralen Schäferhündin und erst recht zum scheuen Sheltie.

    In gereifter und modifizierter Form war es auch diese allgemeine Menschenfreundlichkeit, die sie geeignet als Besuchshund im Seniorenheim gemacht hat.

    Für mich war klar, daß meine Schäferhündin die ich erst als 6- oder 7 Jährige kennengelernt hatte, eine einzigartige und nicht ohne weiteres ersetzbare Beziehung zu mir hatte. Also nicht nur ich zu ihr, sondern auch sie zu mir. Und das schon, bevor ich sie von ihren Vorbesitzern übernehmen konnte.

    Bei Cara war ich mir, obwohl ich sie von Welpe an hatte, keineswegs so sicher. Erst so subtile Anzeichen wie oben beschrieben haben mich davon überzeugt, daß Cara mich im Fall einer Trennung vielleicht doch ein wenig vermissen würde. :roll:

    Sogar meine menschenzugewandte "Hallo hier bin ich" Pudelhündin hat sehr subtil gezeigt, daß sie eben nicht von heute auf morgen angekommen war, als ich sie wegen meiner OP und ReHa für immerhin zwei Monate zu Freunden in Pflege geben mußte. Sie kannte die Freunde gut und mochte sie sehr, verhielt sich auch vertraut und ohne irgendwie sichtbar zu leiden.

    Aber als meine Freundin mir Cara nach zwei Monaten wieder brachte, machte sie eine Bemerkung, die mich stutzen ließ: wie praktisch das doch sei, daß Cara sich immer gleich ganz entleerte beim Spaziergang und nicht markierte.

    Ich war überrascht, denn bei mir war Cara immer sehr am Schnüffeln und Markieren interessiert, fast wie ein Rüde.

    Ich schloß daraus, daß sie sich mit mir zusammen in einer starken Gemeinschaft fühlte und so ihr Selbstbewußtsein durch Markieren demonstrieren konnte.

    Bei meinen Freunden war das anders, sie blieb vorsichtig und backte dort lieber kleine Brötchen.

    Auch bei einer Hundesitterin, die sie gut kannte und die sich viel mit ihr beschäftigte, unter anderem longierte und ein paar Agiübungen mit ihr machte, wurde mir von dritter Seite bestätigt, daß Cara sich deutlich munterer und selbstbewußter zeigte wenn ich dabei war als wenn die HS alleine mit ihr war.

    Und gerade Cara habe ich lange Zeit so eingeschätzt, daß sie eigentlich überall egal glücklich wäre, wo man nett zu ihr ist und sich mit ihr beschäftigt.

    Ich will ihr damit nicht unterstellen, daß sie 10 Jahre am Bahnhof auf mich gewartet hätte. Aber sogar ein Hund wie sie hat mir gezeigt, daß ein Halterwechsel eben nicht nach kürzester Zeit vergessen ist, auch wenn der Hund gut "funktioniert".

    Ich würde an der Stelle auch mal auf Assistenzhunde verweisen. Da ist es völlig normal, dass die Welpen in Patenfamilien gehen, wo sie das erste Lebensjahr verbringen. Danach kommen sie oft zur Ausbildung bei einem Trainer unter. Und ziehen dann irgendwann bei ihrem Assistenznehmer ein. Davon, dass so ein Hund ein großes Problem mit diesen Wechseln gehabt hätte, habe ich noch nie gehört. Die passen sich sehr schnell an und sind keineswegs traumatisiert dadurch.

    Da habe ich auch schon anderes gehört. Ob die Hunde mit dem mehrfachen Halterwechsel gut zurechtkommen, hängt vom Individuum und auch von der Rasse ab. Da gibt es durchaus große Unterschiede. Nicht immer geht das so glatt wie gewünscht.

    Vor vielen Jahren, als die Retrieverrassen hierzulande noch längst nicht so verbreitet waren wie heute, habe ich mal ein längeres Gespräch mit einer Ausbilderin geführt und sie unter anderem gefragt, warum man überwiegend die damals noch recht seltenen Retriever als Blindenführhunde sieht und nur sehr selten Deutsche Schäferhunde, mit denen dieser ganze Arbeitsbereich ja wesentlich begründet wurde und die ja auch nach wie vor zahlreich zur Verfügung stehen.

    Die Antwort war interessanterweise, daß Retriever in aller Regel wesentlich besser mit dem mehrfachen Halterwechsel zurechtkommen als Schäferhunde, die stärker darunter leiden würden und das spätetens beim zweiten Halterwechsel auch deutlich im Verhalten und in der Arbeitsleitung quittieren.

    Cara kam zeitlebends nicht damit zurecht, wenn ich schwamm und sich mein Körperbild damit auf meinem Kopf auf dem Wasser reduzierte. Sie wurde extrem aufgeregt bellte und jaulte wenn sie angebunden an Land zuschauen mußte oder schwamm mir panisch hinterher, wenn sie mir folgen konnte. Dann zerkratzte sie mir Brust oder Rücken, weil sie auf mich draufklettern wollte und mußte "gerettet" werden.

    Ich hab anfangs versucht, das zu üben, indem ich mit ihr zusammen betont langsam ins Wasser gegangen bin, damit sie erfaßt, daß ich nicht verschwunden bin, obwohl sich mein Anblick verändert. Hat aber nichts genutzt.

    Irgendwann habe ich aufgegeben und mich damit abgefunden, daß wir beide nie Seit' an Seit' wie ein Schwanenpaar zum Horizont schwimmen würden. Fortan blieb Cara unter Aufsicht am Strandkorb angebunden, wenn ich ins Wasser ging. Das war weit genug vom Wasser weg, daß sie mich nicht sehen mußte.

    Wenn andere Leute schwammen, war ihr das völlig egal. Also ein anderes Problem als das deines Terriers. Aber ich vermute, das ungewohnte Bild von Menschenköpfen, die sich auf dem Wasser bewegen, könnte der Trigger für Verunsicherung, Jagdverhalten oder wie auch immer begründete Aufregung sein.

    Cara hat auch einmal Jagdverhalten in diese Richtung gezeigt, und zwar als Kitesurfer mehrfach extrem dicht an der Brandungslinie an uns vorbeiflitzten.

    Vorher waren die in weiterer Entfernung nie interessant gewesen, aber nach dem Motto "viel Feind, viel Ehr, viel Frikassee" entdeckte Cara plötzlich ihre Leidenschaft für die Großwildjagd. Sie hat vorher oder nachher nie jagdliches Interesse an Menschen gezeigt, auch in ihrer Jugend niemals Jogger oder Radler verfolgt.

    Ich denke auch hier, daß das ganz ungewohnte Bild des stehend auf Brett vom Drachen gezogenen Menschen, vor allem die schnelle nichtmenschliche Bewegung dafür ausschlaggebend war, daß sie dieses seltsame Mischwesen versuchshalber als Jagdwild eingeordnet hat.

    Diese zarte Blüte habe ich dann aber gemeinerweise bereits im Ansatz geknickt.

    Ach ja, wichtiger Unterschied: Cara konnte schwimmen, tat es aber nur, wenn man vorher Ball, Stock oder Dummy reinwarf. Aus Spaß und ohne Apportierauftrag ging sie nur so weit rein, wie sie waten konnte

    Ich drücke dir und Lina ganz doll die Daumen, daß du das mit Hilfe der Trainerin in den Griff bekommst!

    Sabine Ditterich hat uns damals ihren Ex-Balljunkie als "trockenen Alkoholiker" beschrieben. Das heißt, analog zur Suchtproblematik bei Menschen bleibt auch der Hund im Prinzip immer süchtig, aber ohne Zugang zum Suchtmittel kann er sein Leben ganz normal ohne Symptome leben.

    Anders als Menschen können sich Hunde ihr Suchtmittel Ball nicht selbst verschaffen und somit nicht rückfällig werden, wenn der Mensch das nicht zulässt.

    Natürlich ist es ein langer Weg, aber den ersten Schritt hast du jetzt getan! :smile:

    und natürlich möchte ich auch gerne hören, wie es weitergeht - auch wenn es kein einfacher Weg wird.