Beiträge von dagmarjung

    Wie funktioniert das Absitzen wenn ich nicht Sitz als Kommando nehmen darf? Ganz einfach, Leine wird senkrecht hochgestellt so das sie zwar auf Spannung, jedoch nicht auf Zug ist, es darf natürlich auch kein Ruck ausgeübt werden. Sie wird einfach nur senkrecht gehalten. Aufgrund des Winkels wird sich der Hund früher oder später entscheiden sich hinzusetzen. Sobald der Hintern am Boden ist wird die Leine wieder normal gehalten. Das ist alles.
    Der Unterschied zum Kommando Sitz ist das er bei dieser Variante die Wahl hat stehen u bleiben oder sich hinzusetzen, er setzt sich nur aus Bequemlichkeit nachher einfach hin. Beim Kommando verlangst du direkt etwas und lässt keine Wahl offen, er muss sich hinsetzen, viele Hh erlebt man, wenn der Hund sich dann nicht schnell genug setzt verzweifelt oder aggressiv (neulich bin ich einem Begegnet der seinem Hund dermaßen Sitz um die Ohren gehauen hat, das man es glaub ich im Nachbarort hören konnte)...

    Das ist Konditionierung über negative Verstärkung: dem Hund wird etwas Unangenehmes zugefügt, nämlich (leichter) Druck auf die Kehle. Tut er das Gewünschte, um dem Druck auszuweichen, hört der Druck sofort auf.
    Das und nichts anderes ist die Belohnung für die richtige Reaktion des Hundes. Alles andere, ob Lob oder Leckerchen kann zwar noch obendrauf kommen, ist aber eigentlich nicht nötig. Das Prinzip "Schmerz laß nach" ist, wie wir alle wissen, eine hochwirksame Belohnung, und es gilt nicht nur für Schmerzen, sonderen auch für weit geringere unangenehme Empfindungen.
    Deshalb lehnen Trainer, die überwiegend mit negativer Verstärkung arbeiten, weitergehende Belohnung wie Leckerchen oder Spielzeug oft ab oder verwenden sie nur selten, sie benötigen sie ja auch nicht.

    Nach genau dieser Methode wurde vor Jahrzehnten üblicherweise in Erziehungskursen das Absitzen veranlaßt, um dem Hund das Kommando 'Sitz' beizubringen. Im Moment, in dem der Hund dem Druck weicht und sich setzt, sagt man 'Sitz'. Nach einigen Wiederholungen kann man das Kommando dann direkt vor dem Leinenzug sagen, quasi als Warnzeichen. Hört der Hund das Kommando, weiß er, was er tun muß, um den Leinenzug zu vermeiden, er setzt sich.
    Beim Aufbau über negative Verstärkung ist es dem Hund gegenüber nur fair, ein Kommando (Warnzeichen) zu geben, wenn man ein bestimmtes Verhalten von ihm verlangt.
    Der Hund soll schon wissen, ob er im Dienst ist oder nicht.

    Beim Aufbau über positive Verstärkung wie von L'eau beschrieben verknüpft der Hund das Sitz mit angenehmen Empfindungen, beim Aufbau über negative Verstärkung mit unangenehmen. Denn um zur Belohnung den Druck wegnehmen zu können, muß ich ihn ja erst einmal aufbauen. Das wirkt - obwohl nicht beabsichtigt - immer als Strafe.

    Lernen können Hunde auf beide Arten, und sachgemäß ausgeführt, hält sich der Stress für den Hund auch bei negativer Verstärkung in Grenzen, weil er schnell lernt, wie er die unangenehme Einwirkung vermeiden kann.
    Wer freudige Mitarbeit erwartet, wird natürlich unbedingt auf positive Verstärkung setzen. Und nur ganz selten einmal und nur, wenn der Hund das Kommando schon sicher beherrscht, aber nicht ausführen will, auf negative Verstärkung zurückgreifen, um das Kommando durchzusetzen.


    Dagmar & Cara

    Zitat aus der Mini- Chihuahua Anzeige:

    "Beide Elterntiere sind ein Teil unserer Familie. Die Mama wiegt 2,2 kg
    und der Papa zarte 1,4 kg. Durch Papas gute Gene haben die Welpen ein
    süßes Teddygesicht mit kurzen Schnäuzchen, was sie zu etwas ganz
    Besonderem macht."

    Nein, nicht zu etwas Besonderem, sondern zu Hunden mit extremen Verzwergungmerkmalen und entsprechenden Gesundheitsrisiken: papierdünne Schädelchen, offene Fontanellen, flache Augenhöhlen...
    Solche Leute könnte ich quer fressen. Sind die zynisch oder naiv?

    Dagmar & Cara

    Das Problem bei Philipper ist in meinen Augen nicht in erster Linie seine Trainingsmethode. Alle Hundetrainer arbeiten irgendwo im Koordinatenkreuz positive/negative Verstärkung, positive/negative Strafe, er natürlich auch. Wenn sie sich klar äußern, wie sie arbeiten, ob vorzugsweise im "netten" Bereich oder auch eher im "strengen", dann kann der Hundehalter für sich den passenden Trainer auswählen. Mir muß nicht alles gefallen, aber ich respektiere die Ehrlichkeit bei jedem Trainer, der sich klar über seine Methode äußert.

    Ulv Philipper lebt dagegen von Schaumschlägerei. Wenn man ihm glaubt, hat er nicht nur das Rad und die Hundeerziehung, sondern auch gleich den Hund, die Psychologie und das Management neu erfunden. Seine Kunden machen bestimmte Übungen mit den Hunden, aber die wirken nicht so auf den Hund, wie wie man normalerweise denkt (Sprühstoß = Bestrafung) sondern ganz, ganz anders, und zwar nur aufgrund einer veränderten Sichtweise des Halters. Der Halter sieht nun die Welt anders und glaubt, das Ursache und Wirkung anders sind als früher.

    Deswegen muß man es selbst erlebt haben und den Kurs belegen, um es zu glauben,
    deshalb ist das alles nur zu verstehen, wenn Herr Philipper selbst es erklärt, (und zwar im Kurs)
    deshalb wird in den ersten Stunden nicht mit dem Hund trainiert, (die "Gehirnwäsche" muß zuerst durchgeführt werden)
    deshalb kann man es nicht oder nur ganz unzureichend in Foren erklären,
    und deshalb sind sämtliche Äußerungen des Meisters, ob in Foren, Interviews oder Buchform so bemerkenswert wischiwaschi.

    Dagmar & Cara

    Gegen IRJGV-Papiere hab ich nichts, meine Hündin ist auch von dort und nicht vom VDH.

    Das ist in diesem Zusammenhang zwar OT, aber ich wollte das doch hier erwähnen, daß ich den IRJGV mehr als kritisch sehe. Das war seit Gründungszeiten ein Verein, in dem sich nachweislich Massenzüchter, Vermehrer und Hundehändler tummelten, angefangen vom Gründer des Vereins, Hans Fürst.
    Der Reporter Heiko Gebhardt schrieb 1978 eine Aufsehen erregende Artikelserie über Hunde im Stern. Er kaufte zahlreiche Welpen aus dem Hundehandel und von Hinterhofvermehrern und ließ sie tierärztlich untersuchen. Viele dieser "Verreckerle" hatten Papiere vom IJGRV oder vom Schwesterverein, dem Dackelclub Gergweis.
    Man könnte sagen, das muß nach so langer Zeit mit dem heutigen Verein nichts mehr zu tun haben, aber wenn ich auf der IRJGV Homepage die schöngefärbte, bonbonrosa Vereinsgeschichte lese, sträuben sich mir die Haare.
    Wers genauer wissen will, dem empfehle ich Heiko Gebhardts Buch: "Du armer Hund", das auf der Artikelserie basiert. Es ist antiquarisch noch für wenig Geld zu haben. Daß Welpen heute in Deutschland nicht mehr im Zoohandel verkauft werden (mit einer unrühmlichen Ausnahme), das ist maßgeblich Heiko Gebhardt zu verdanken. Sein Bericht aus der Hundehölle hat damals richtig Wellen geschlagen.


    Dagmar & Cara

    Herzlich willkommen im neuen Leben als Hundehalter! :D
    Was nicht in den schlauen Welpenratgebern steht: man muß ab jetzt vorausschauend auch für andere Menschen mitdenken, die sich nicht so viele Gedanken um den Hund und seine Erziehung machen.
    Mach besser kein Drama draus, denn als Hundehalterin bist du ja auch oft auf die Toleranz und Nachsicht anderer angewiesen. Bellen, Anspringen, Dreck, Haare... :roll:
    So schnell wird ein Hund auch nicht verdorben; er lernt halt bei wem er was darf oder eben nicht. Ich nenne das den Oma-effekt.

    Dagmar & Cara

    Die berühmte 5-Minuten-Regel wird leider oft falsch weitergegeben und falsch verstanden.
    Zunächst mal bezieht sie sich auf Welpen und nicht auf Junghunde in der Pubertät.
    Zum zweiten bezieht sie sich nicht auf die gesamte Zeit des Aufenthalts draußen, sondern lediglich auf das stramme Laufen an der Leine. Damit nämlich kann man Welpen tatsächlich leicht überfordern; das gleichmäßige Tempo, angepasst an den Menschen überfordert ihn körperlich und er kann die Konzentration auch noch nicht leisten. Bewegung (mit Ruhepausen) nach eigenem Belieben steht auf einem ganz anderen Blatt.
    Wäre es anders, dürfte man zB gar keine Welpenstunden in Hundeschulen abhalten, denn die dauern ja immer länger als 5 Minuten pro Lebensmonat.


    Ein Junghund mit 9 Monaten ist aber kein Kleinkind mehr, sondern schon auf dem Weg zum Erwachsenen. Zwar soll man mit Radfahren und körperlich belastenden Sportarten noch warten, aber der Bewegungsbedarf ist schon deutlich höher als beim Welpen und das Schlafbedürfnis nicht mehr so groß.
    Ein ganze Stunde draußen kann für einen Welpen zuviel sein, aber der Welpe wird ja älter und damit ändern sich auch die Bedürfnisse.

    Bei Hütehundrassen wie dem Aussie muß man sehr auf Überforderung achten, das wurde hier schon mehrfach gesagt. Aber andererseits gibt es auch das Gegenteil, die Unterforderung. In der Wohnung still und passiv sein und nur dreimal zu kurzen Gängen raus, das wird einem Hütehund auch nicht gerecht. Es braucht halt etwas Fingespitzengefühl, um hier die Balance zu finden.
    Bei den Schäfern läuft ein junger Hund lange einfach nur angeleint mit, aber er ist dabei, erlebt etwas, lernt durch zuschauen.


    Dagmar & Cara

    Im Gegensatz zu anderen hier empfinde ich eure Ausgehzeiten für einen 9 Monate alten Hund als sehr wenig. 2 x 10 - 20 Minuten sind für mich nur Kurzgassigänge zum Lösen und etwas Schnüffeln. Dazu kommt einmal ein längerer Gang von bis zu 50 Minuten, wenn ich das richtig verstanden habe. Das ist nicht sehr viel Zeit am Tag, um sich zu bewegen, etwas zu erleben und die Umwelt zu entdecken.
    Zusammengenommen ist euer Hund nur eine bis anderthalb Stunden am Tag draußen und ihr erwartet von ihm, daß er die restlichen fast 23 Stunden ruhig und entspannt verdösen soll. Da finde ich es nicht überraschend, daß er auch drinnen eher Aktion sucht.

    Ich finde es zwar richtig, daß ihr seine Erwartungshaltung in dieser Hinsicht nicht erfüllt und ihn nicht mehr nach Wunsch bespaßt oder unnötige Tricks trainiert. Aber vielleicht solltet ihr dann doch zum Ausgleich mehr Zeit mit ihm draußen verbringen, das dürfen dann ruhig gemütliche Bummelspaziergänge sein oder ihn einfach mitnehmen zu Besorgungen oder Gängen, die ihr zu erledigen habt, wobei er euch einfach nur begleiten darf ohne im Mittelpunkt zu stehen.

    Dagmar & Cara