Beiträge von dagmarjung

    Es ist nicht zu erwarten, daß die Lebensumstände von Rassehunden und Mischlingen, die zB in die Untersuchung in Schweden eingingen, so grundsätzlich verschieden waren. Wenn überhaupt, wäre zu erwarten, daß Rassehunde hier leicht im Vorteil wären, denn wer sich einen teuren Rassehund leistet, wird vermutlich auch eher bereit sein, mehr als nur das Nötigste für Futter auszugeben. Insgesamt jedoch spricht schon der Abschluß einer Krankenversicherung für den Hund dafür, daß den Haltern etwas an ihren Hunden liegt und sie Wert auf eine gute Versorgung ihrer Tiere legen, egal ob Rasse oder Mischling.

    Der große Unterschied in Bezug auf die mittlere Lebensdauer - 6,7 zu 8,5 Jahren! - zugunsten der Mischlinge kann jedenfalls nicht durch unterschiedliche Lebensumstände erklärt werden, denn in Schweden ist das Verhältnis zum Hund vergleichbar wie in Deutschland.

    Etwas anderes wäre es in Ländern, in denen Rassehunde sehr selten und daher ausgesprochene Statussymbole sind, im Gegensatz zu vielen streundenden rasselosen Straßenhunden, die die überwiegende ZAhl aller Hunde ausmachen. Aber dort wurden keine solchen Untersuchungen gemacht.

    Dagmar & Cara

    Da wird das Geschlecht der Halterin eher keine Rolle spielen, sondern der nicht sachgerechte Umgang. Gestresster Mali-Junghund plus ahnungslose Neu-Halterin ist eben keine gute Kombi. Vielelicht ist ihr Partner einfach ruhiger, läßt sich nicht so leicht beeindrucken und vermittelt der Hündin dadurch mehr Sicherheit.

    wieso holt man einen Hund und nimmt die Papiere nicht mit und warum soll der neue Besitzer sie dort abholen und bezahlen?

    Das ist wirklich seltsam.

    Dagmar & Cara

    Zu den Daten der schwedischen Studie: Sie entstammen einer Hundekrankenversicherung. Also von den dort versicherten Hunden, es war fast eine Viertelmillion. 70 Rassen gingen in die Studie ein, nämlich alle, von denen mindestens 500 Hunde vesichert waren. Einige besonders krankheitsanfällige Rassen wurden von der Versicherung jedoch gar nicht erst angenommen.


    - angesichts solcher Tierzahlen spielt es keine Rolle, wenn der eine oder andere Rassehund vielleicht doch nicht ganz reinrassig war.


    Dagmar & Cara

    Vor vielen Jahren habe ich mal eine Studie zu diesem Thema aus einer deutschen Klinik gelesen, demnach waren Rassehunde kranker, es konnte aber nicht ausgeschlossen werden, das Mischlinge seltener vorstellig waren, da die Halter nicht bereit seien, viel Geld zu bezahlen.

    Die Frage, wieviele Rassehunde versus Mischlinge in der Klinik vorgestellt werden, ist falsch gestellt, um daraus zu ermitteln, wer nun
    gesünder ist. Es kommen zuviele Variablen ins Spiel, die ganz außerhalb der Genetik liegen. Der Geldwert eines Rassehundes ist durchaus eine davon. Das fängt ja schon mit der Anschaffung an, wenn es oft heißt, ein Rassehund ist mir zu teuer, ich hole mir einen Mischling. Jemand, der so denkt, wird später nicht immer viel in die medizinische Versorgung seines Hundes investieren wollen oder können.

    Dagegen ist das durchschnittliche Sterbealter, daß in den beiden von mir erwähnten Studien herangezogen wurde, ein objektiv meßbarer Wert, und da ist es auch egal, ob prozentual einige Rassehunde mehr in die Statistik eingehen als Mischlinge. Wenn trotz der nicht unberechtigten Annahme, daß Mischlinge öfters benachteiligt sind, was qualitätvolle Aufzucht und medizinische Versorgung angeht, sie dennoch ein signifikant höheres Lebensalter erreichen, dann ist das ein Zeichen dafür, das die Rassehundezucht ernsthafte Probleme hat.

    Die alte These, dass Mischlinge die Voraussetzungen für Gesundheit und langes Leben mitbringen, hatte in der Frühzeit der Linienzucht noch viel wahres. Sie trifft aber heute fast nur noch für - jung von der Straße genommene- Straßenhunde in fortgeschrittener Generation zu.

    Die Studien aus den USA und Skandinavien wurden nicht in der Frühzeit der modernen Rassehundezucht erstellt, sondern sind ziemlich aktuell, von 1997.
    Es wurde der Median der Lebensdauer ermittelt, das heißt, der Zeitpunkt, an dem 50 Prozent der Hunde eines Jahrgangs bereits gestorben waren. Das ist dann die durchschnittliche Lebenserwartung von Rassehunden oder von Mischlingen vergleichbarer Größe.

    "Dieses Medianalter betrug für alle Rassehunde 6,7 und für alle Mischlinge 8,5 Jahre. In den einzelnen Größengruppen war die Lebenserwartung der Mischlinge jeweils beträchtlich höher als bei den Rassehunden entsprechenden Gewichts. Dies zeigt die so oft abgestrittene Behauptung der genetischen Variabilität für eine lange, d. h. normale Lebensdauer beim Hund. Sie ist derzeit fast durchgängig durch Inzuchtdepression verkürzt. ... Wie erwähnt, reduziert die Inzucht den einwandfreien Aufbau von Proteinen besonders bei Stress wie hohem Alter oder beim starken Aufbau beim Welpen, wodurch die Sterblichkeit in diesen Stadien bei Inzucht besonders stark zunimmt."
    (Hellmuth Wachtel: Rassehund Wohin, Hervorhebungen von mir)

    Dagmar & Cara

    Alles was ein Boxer aus guter Zucht haben kann, können die Vermehrerwelpen auch haben... und bei ihnen ist das Risiko deutlich höher, weil über die Eltern und weiteren Vorfahren nichts bekannt ist.

    Dagmar & Cara

    "Ich hab Angst vor schwarzen Hunden"
    - erklärte mir heute der Alt-Punk. Sein Hund: großrahmiger Amstaffmix, geschätzte 30 + Kilo; mein Hund: Pudelchen knapp 9 Kilo, aber, ja doch, schwarz.

    Leider hat er seine Angst offenbar überwunden und läßt seinen Rüden jetzt immer zu Cara, früher ging er uns aus dem Wege. Zum Glück ist der Rüde höflich.

    Dagmar & Cara

    Mischlinge haben eben keine dieser Listen ich habe dann auch gesagt, dass diese Krankheiten ja genauso gut bei Mischlingen vorkommen können aber da eben keiner testet oder sich Gedanken macht.

    Jein. Viele vererbbare Krankheiten beruhen auf mehreren Genen und sind auch nicht rassetypisch. HD ist dafür ein gutes Beispiel.

    Aber es gibt in den Rassen immer mehr rassetypische Krankheiten, die auch öfters zum Ausbruch kommen. Wenn eine Krankheit nämlich auf einem Gen beruht, welches beide Eltern haben müssen, damit es zur Wirkung kommt, dann steigt die Wahrscheinlichkeit stark an, wenn zB ein einziger Rüde einen großen Einfluss auf die Zucht hat und über einige Generationen hinweg praktisch jeder Hund auf ihn zurückgeht. (Popular Sire) Dann treffen sich innerhalb der Rasse immer öfter zwei Träger derselben Anlage und die Krankheit wird "rassetypisch". Während ein Mischling aus einem Anlageträger und einer anderen Rasse gesund bliebe.

    Wölfe tragen immens viele Anlagen zu Erbkrankheiten in sich, weil aber nur ganz selten zwei gleiche Anlagen aufeinander treffen, kommen die Krankheiten fast nie zum Ausbruch. Jedenfalls solange sie nicht zur Inzucht gezwungen werden, was sie von sich aus durch ihre Lebensweise vermeiden.

    Dagmar & Cara

    In den vorhin erwähnten Studien wurde kein Unterschied zwischen Rassehunden vom seriösen Züchter oder aus Vermehrerzucht gemacht. Auch Vermehrerhunde gehören immer noch der jeweiligen Rasse an. Sie sind auch nicht automatisch alle krank.

    Aufs Ganze gesehen sollten trotzdem eigentlich eher Rassehunde als Mischlinge die besseren Voraussetzungen haben. Denn sie haben im Durchschnitt, da sie mehr wert sind, doch eine größere Chance, daß die Elterntiere gesundheitlich überprüft wurden, daß Sorgfalt und Geld in eine gute Aufzucht gesteckt werden und daß die Besitzer regelmäßig zum Tierarzt gehen als die "billigen" Mischlinge. Und nur bei Rassehunden existieren ja Vereine, die bestimmte Untersuchungen vor der Zucht verlangen, um dadurch möglichst gesunde Hunde zu züchten.

    Daß aber gerade die Mischlinge eine höhere Lebenserwartung haben, spricht dafür, daß der Unterschied tatsächlich genetisch bedingt ist, und daß die Rassehundezucht ernsthafte Probleme hat.

    Alles das bezieht sich natürlich immer auf den Durchschnitt. Über jeden einzelnen Hund, ob Mischling oder Rassehund, sagt das gar nichts aus.

    Dagmar & Cara

    Egal, wieviel Hunde wir privat kennen oder selbst besessen haben, daraus kann man keine Schlüsse ziehen. Man muß schon Tausende Hunde vergleichen, um einen ausagekräftiges Ergebnis zu bekommen. Deswegen sind die erwähnten Studien, die auf den Todesdaten von vielen Tausenden von Hunden beruhen so interessant. (Es wurden die Daten von Tierkrankenversicherungen ausgewertet.

    Ich glaube, dass es um "beide" gleich gut bzw. gleich schlecht bestellt ist.

    Tatsächlich ist es um die Rassehunde schlecht bestellt, was namhafte Genetiker wie Hellmuth Wachtel oder Dr Irene Sommerfeld-Stur seit Jahrzehnten anmahnen. Veraltete Ansichten und Zuchtsysteme verhindern eine wirksame Verbesserung.

    Es gibt allerdings vereinzelt auch Zuchtvereine, die sich den Erkenntnissen der Wissenschaft nicht verschließen und auf echte Verbesserung hinarbeiten. Dabei geht es nicht einfach um immer mehr Untersuchungen von immer mehr möglichen vererbaren Krankheiten. Sondern zB darum, den genetischen Pool einer Rasse möglichst zu verbreitern anstatt ihn immer weiter zu verengen. Das kann auch weh tun und den einzelnen Züchter in seiner Freiheit einschränken, wenn zB Rüden nur wenige Male im Leben decken dürfen. Deshalb tun sich die meisten Vereine schwer mit wirklich nachhaltigen Verbesserungen, denn dafür müßten viele heilige Kühe geschlachtet werden.

    Dagmar & Cara

    Gesundheit an sich ist kaum messbar, denn wo fängt sie an und wo hört sie auf? Auch mit vielen Krankheiten können Hunde lange leben, wenn sie gut behandelt werden. Daher eignet sich dieser Begriff nicht für einen echten Vergleich. Anders steht es mit dem erreichten Lebensalter.

    Es gibt zwei große vergleichende Untersuchungen mit sehr hohen Tierzahlen, eine in den USA und eine in Schweden. Dabei wurden die Lebensalter der Hunde ausgewertet und verglichen, also welches Alter sie erreichten. Außerdem wurden alle Hunde in verschiedene Größen- bzw Gewichtsgrupppen eingeteilt, denn kleine Hunde leben bekanntlich im Durchschnitt länger als große.

    Bei beiden Untersuchungen erreichten Mischlinge über alle Größen hinweg im Durchschnitt ein deutlich höheres Lebensalter als Rassehunde. Der Unterschied lag, wenn ich mich richtig erinnere, bei 14 bis 16 Monaten, was schon signifikant ist.

    Quelle: "Rassehund Wohin" von Hellmuth Wachtel


    Unabhängig von Qualzuchtmerkmalen unterliegen Rassehunde grundsätzlich einer höheren Verwandschaftszucht, das geht auf die Dauer auf Kosten der Vitalität. Inbesondere dann, wenn keine echten Arbeitseigenschaften mehr gefordert werden, sondern eine reine Zucht auf Schönheit betrieben wird, wie bei der überwiegenden Zahl aller heutigen Rassen.


    Dagmar & Cara