Vor vielen Jahren habe ich mal eine Studie zu diesem Thema aus einer deutschen Klinik gelesen, demnach waren Rassehunde kranker, es konnte aber nicht ausgeschlossen werden, das Mischlinge seltener vorstellig waren, da die Halter nicht bereit seien, viel Geld zu bezahlen.
Die Frage, wieviele Rassehunde versus Mischlinge in der Klinik vorgestellt werden, ist falsch gestellt, um daraus zu ermitteln, wer nun
gesünder ist. Es kommen zuviele Variablen ins Spiel, die ganz außerhalb der Genetik liegen. Der Geldwert eines Rassehundes ist durchaus eine davon. Das fängt ja schon mit der Anschaffung an, wenn es oft heißt, ein Rassehund ist mir zu teuer, ich hole mir einen Mischling. Jemand, der so denkt, wird später nicht immer viel in die medizinische Versorgung seines Hundes investieren wollen oder können.
Dagegen ist das durchschnittliche Sterbealter, daß in den beiden von mir erwähnten Studien herangezogen wurde, ein objektiv meßbarer Wert, und da ist es auch egal, ob prozentual einige Rassehunde mehr in die Statistik eingehen als Mischlinge. Wenn trotz der nicht unberechtigten Annahme, daß Mischlinge öfters benachteiligt sind, was qualitätvolle Aufzucht und medizinische Versorgung angeht, sie dennoch ein signifikant höheres Lebensalter erreichen, dann ist das ein Zeichen dafür, das die Rassehundezucht ernsthafte Probleme hat.
Die alte These, dass Mischlinge die Voraussetzungen für Gesundheit und langes Leben mitbringen, hatte in der Frühzeit der Linienzucht noch viel wahres. Sie trifft aber heute fast nur noch für - jung von der Straße genommene- Straßenhunde in fortgeschrittener Generation zu.
Die Studien aus den USA und Skandinavien wurden nicht in der Frühzeit der modernen Rassehundezucht erstellt, sondern sind ziemlich aktuell, von 1997.
Es wurde der Median der Lebensdauer ermittelt, das heißt, der Zeitpunkt, an dem 50 Prozent der Hunde eines Jahrgangs bereits gestorben waren. Das ist dann die durchschnittliche Lebenserwartung von Rassehunden oder von Mischlingen vergleichbarer Größe.
"Dieses Medianalter betrug für alle Rassehunde 6,7 und für alle Mischlinge 8,5 Jahre. In den einzelnen Größengruppen war die Lebenserwartung der Mischlinge jeweils beträchtlich höher als bei den Rassehunden entsprechenden Gewichts. Dies zeigt die so oft abgestrittene Behauptung der genetischen Variabilität für eine lange, d. h. normale Lebensdauer beim Hund. Sie ist derzeit fast durchgängig durch Inzuchtdepression verkürzt. ... Wie erwähnt, reduziert die Inzucht den einwandfreien Aufbau von Proteinen besonders bei Stress wie hohem Alter oder beim starken Aufbau beim Welpen, wodurch die Sterblichkeit in diesen Stadien bei Inzucht besonders stark zunimmt."
(Hellmuth Wachtel: Rassehund Wohin, Hervorhebungen von mir)
Dagmar & Cara