Beiträge von dagmarjung

    Ich hatte ehrlich auch die naive Vorstellung, dass Verhaltensauffälligkeiten bei einem Welpen ggf noch nicht so tief verankert sind, dass man sie nicht wieder in den Griff bekommt.

    Bei einem Welpen (welcher Rassemischung auch immer) ist die Kernfrage: wie sind die ersten Wochen verlaufen, die so grundlegend wichtig sind? Reizarme Zwingeraufzucht? Oder durften die Welpen Menschen, Tiere, und eine vielfältige Umwelt kennenlernen?
    - Mängel bei der Sozialisation und Umweltgewöhnung lassen sich lebenslang nur schwer oder gar nicht aufholen. Die Verhaltensprobleme zeigen sich allerdings nicht immer schon beim Welpen, oft erst in der Pubertät.

    In überfüllten Tierheimen oder Tierschutzstationen im Ausland fehlt es sehr oft an Personal, um sich so eingehend mit den Welpen zu beschäftigen, wie es nötig wäre, um sie zu umweltsicheren Hunden zu machen. Deswegen ist ein Welpe aus dem Auslandstierschutz keineswegs die sichere Methode, um einen Tierschutzund ohne größere Probleme zu bekommen.

    - Labradormixe aus dem Auslandstierschutz sind häufig in Wirklichkeit Herdenschutzhundmixe. Rassenbezeichnungen werden oft nach Äußerlichkeiten verteilt, und Labrador verkauft sich halt gut.

    Dagmar & Cara

    Ich würde auf jeden Fall eine gute Physiotherapeutin hinzuziehen. Die sehen mit geschulten Händen oft noch eine ganze Menge mehr als der Tierarzt mit dem Röntgengerät. Beides zusammen ergänzt sich gut.
    In jedem Fall kann eine Physiotherapeutin dir Übungen zeigen, um die Muskeln zu stärken, damit werden die Gelenke entlastet.

    Dagmar & Cara

    Der Gedanke an einen Hundesitter (fremder Mensch fässt meinen Hund an) gefällt mir so gar nicht und ist daher auch nirgends eingeplant. Nutzt ihr sowas und warum (nicht)? Fändet ihr es zB für meine Situation unabdingbar?

    Gib bitte diese Art der Romantik (Mein Hund und ich und sonst niemand) ganz schnell auf. Wenn du alleinstehend bist, ist es unabdingbar, daß dein Hund lernt, auch mal ohne dich auszukommen. Du bist sonst aufgeschmissen. Krankheit, (Krankenhaus), Termine jeder Art, Arztbesuche, Weiterbildung, usw: es gibt vieles wo dein Hund nicht dabei sein kann und manches ist nicht planbar.
    Tu dir und deinem Hund einen Gefallen und laß zu, daß er auch außerhalb eurer Zweierbeziehung Menschen vertraut, damit er nicht leidet, wenn du ihn zeitweise in Pflege gibst. Übe das auch ruhig mal stundenweise, auch wenn du es noch nicht brauchst. Das gehört einfach zum Leben dazu. Ein Hund weiß trotzdem, wohin er gehört.

    Dagmar & Cara

    Inwiefern ist Familienhund eine „Aufgabe“? Jeder Hund, egal ob Gebrauchshund oder Begleithund, nimmt in irgendeiner Form am Familienleben Teil. Dass man dafür jetzt besondere „Fähigkeiten“ bräuchte, wäre mir neu.

    Jeder Hund kann (und soll) Teil der Familie sein, aber längst nicht alle Rassen erfüllen die hohen Anforderungen, die heute an einen Familienbegleithund gestellt werden.


    Dagmar & Cara

    Rassebeschreibungen richtig lesen: Eine kleine Übersetzungshilfe

    Großartig! :D
    Das läßt sich fortsetzen:

    zurückhaltend gegen Fremde: ist ein Schisser
    sensibel: dito
    wachsam: kauf dir Ohrenschützer oder zieh besser auf einen Aussiedlerhof aufs Land

    Dagmar & Cara

    Heute beim Reitturnier. Ein L-Springen. Ich saß am Zaun, direkt vor mir das kniffligste Hindernis der Prüfung, eine zweifache Kombination. Ein stolzer Vater sprang auf, zückte sein Handy, um den Triumph seiner Tochter im Video festzuhalten und betätigte sich gleichzeitig noch als Coach, indem er laut "Dranbleiben, dranbleiben!!!" rief.
    Solcherart abgelenkt rasselten Pferd und Reiterin prompt in das Hindernis hinein. Platzierung Ade.

    Moral: Liebe Helikopter-Eltern: man muß auch wissen, wann man einfach mal den Mund halten soll. :mute:

    Dagmar & Cara

    Meine unvergessene Schäferhündin Nuja begleitete mich Anfang der Achziger Jahre. Leider nur kurze Zeit, da ich sie als Siebenjährige übernahm und sie schon mit 8 an einer Magendrehung starb.
    Ich kann gar nicht zählen, wie oft mir damals Leute sagten "Also eigentlich hab ich ja Angst vor Schäferhunden, aber ..." Nuja hatte eine freundlich-unaufdringliche Art, die auch Fremden Vertrauen einflößte. Sie war eben ganz Dame. :cuinlove:

    Dagmar & Cara

    Vom deutschen Schäferhund existierten, solange ich das verfolge, immer mehrere Bilder nebeneinander. Ich beziehe mich jetzt auf die Zeit vor den Neunziger Jahren:

    Die reißende Bestie, der scharfe Hund:
    nicht nur Polizei- und Sporthunde, sondern auch die vielen Wachhunde, oft sozial verwahrlost, sorgten für dieses Image. In den Siebzigern und Achzigern galten Schäferhunde daher als gefährliche Hunde. Dazu muß man wissen, daß die Mannarbeit früher viel mehr über den "Wehrtrieb" aufgebaut wurde und daß es viel mehr Wachhunde gab als heute. Entkamen die vom Grundstück, besonders wenn es zwei waren, kam es nicht selten zu schweren, auch tödlichen Beißvorfällen. Die Trennung zwischen Dienst- und Sporthunden war auch noch nicht so streng wie heute, viele Privathalter trainierten auf dem Hundeplatz (inoffiziell) für den Ernstfall.
    (In den Neunzigern wurde die Rolle der Bestie auf die Kampfhunde übertragen.)

    Der unterwürfige Sklave im Kadavergehorsam:
    Der Deutsche Schäferhund war geeignetes Objekt für Menschen, die sich als Bezwinger der Bestie und kleine Diktatoren fühlen wollten. Auch das Hitler diese Rasse bevorzugte, gehört in dieses Bild. Die harte Art der Abrichtung zog natürlich entsprechende Persönlichkeiten an. In vielen Büchern über andere Rassen fand sich der Hinweis: "Einen Gehorsam nach Schäferhundart darf man bei Rasse XY nicht erwarten, sie läßt sich aber mit Liebe und Konsequenz gut erziehen."

    Der König und das Ideal aller Hunderassen:
    Es ist fast lachhaft, wie sehr früher alle Hunde am Deutschen Schäferhund gemessen wurden. Der Schäferhund galt als Inbegriff von Treue, Mut, Schönheit und Adel und allen Tugenden, die man Hunden zuschrieb. Eigentlich konnte jede andere Rasse dagegen nur abfallen. Alles, was eine andere Rasse mit dem Deutschen Schäferhund gemeinsam hatte, adelte sie. ZB Schutztrieb: "verteidigt mutig seinen Herrn" war das allerhöchste Lob sogar für Begleithund-Zwergrassen. Dieses Bild stammt noch aus der Zeit vor 1970.

    Der kranke, kaputtgezüchtete Hund:
    Auch dieses Bild vom Schäferhund ist nicht neu. Die Zucht auf bedenkliche anatomische Merkmale wurde schon Ende der Siebziger kritisiert, und als das Thema HD aufkam, erwies sich der SV lange Zeit als Bremser, auch als andere Rassezuchtvereine schon längst züchterische Maßnahmen getroffen hatten.


    Seit den Neunziger Jahren hat der Deutsche Schäferhund viel an Bedeutung verloren. Er ist kaum noch als Deutscher Nationalhund im öffentlichen Bewußtsein verankert. Im Hundesport gibt es heute eine Vielzahl von Möglichkeiten außer der Mannarbeit auf dem SV-Platz. Und dank hundefreundlicheren Trainingsmethoden gibt es eine große Auswahl an Rassen, mit denen man erfolgreich Sport machen kann, darunter viele Rassen, die früher als ungeeignet, da zu weich, für eine Ausbildung galten.
    Selbst in seiner ureigenen Domäne des Diensthundes ist der Deutsche Schäferhund heute vom Malinois weitgehend ersetzt worden.

    Dagmar & Cara

    Kannst du einmal genauer euren Tagesablauf beschreiben? Das wiederkehrende Problem in verschiedenen Variationen ist ja immer "zu wild".

    Zusätzlich zu dem, was schon weiter oben gefragt wurde, wären noch folgende Fragen interessant:

    - Hat dein Hund die Möglichkeit, auch mal frei zu laufen oder immer nur angeleint? Wo und wie lange?

    - Wie sieht es aus mit Artgenossenkontakt? Zu älteren wie auch zu gleichaltrigen Hunden?

    Jeder junge Hund benötigt Ruhe und Aktivität, beides in passendem Maß. Dein Hund könnte von zu vielen Reizen überfordert sein oder umgekehrt darunter leiden, daß er zuwenig erlebt und oder sich zuwenig bewegen kann. Damit ein klares Bild entsteht, müßtest du allerdings mehr Informationen geben.

    Dein Tierarzt ist leider weit hinter dem aktuellen Stand des Wissens. Heute versucht ein guter Tierarzt sogar bei einer medizinischen Indikation die Kastration beim Jungrüden so weit wie möglich nach hinten zu schieben, damit der Hund ausreifen kann.

    Wenn ein so junger Hund viel rammelt, hat das gewöhnlich mit Stress zu tun, nicht mit Sexualtrieb. Rammeln verschafft ein gutes Gefühl, das sucht man, wenn man unter Stress leidet.

    Dagmar & Cara