Preisfrage: Frißt er wirklich unessbare Dinge oder kaut er nur drauf rum?
Als meine Kleinpudelhündin Welpe war, habe ich auch zum ersten Mal so richtig wahrgenommen, wieviel Müll hier rumliegt. Zigarettenkippen, Glasscherben, alles wurde ins Maul genommen. Ich habe mir ebenfalls große Sorgen gemacht.
Allerdings war es bei Cara so, daß sie zwar alles ins Maul genommen hat, aber nur wirklich Essbares (naja, nach Hundemeinung essbar) auch wirklich gefressen hat.
Genau wie kleine Kinder, untersuchen junge Hunde nämlich alles oral, das ist ein normaler Teil der Entwicklung. Die gute Nachricht: das geht von selbst vorbei.
Harmlose Dinge wie Holzstücke und Nußschalen würde ich ihm deshalb einfach lassen. Vorausgesetzt, er kaut nur drauf rum, ohne sie zu schlucken.
Stürzt man sich jedesmal auf den kleinen Hund und versucht ihm das Ding zu entreißen, kann es dazu kommen, daß er es allein deshalb runterschluckt, damit es ihm nicht weggenommen wird.
Sprich, es gibt ein Abbruchkommando ausschliesslich für Dinge, die er in den Mund nimmt ("Lass!"), wenn er dann davon tatsächlich ablässt wird er belohnt (Leckerli),
Im Prinzip ist das richtig, aber du mußt die darüber im klaren sein, daß du automatisch eine Verhaltenskette mittrainierst: Um die Belohnung zu bekommen, muß der Hund etwas Unerwünschtes aufnehmen. Dieses Verhalten wird also mitbelohnt, nicht nur das Ausgeben. Deshalb sollte der Hund möglichst wenig Gelegenheit haben, unerwünschte Dinge aufzunehmen.
Ich weiß das ist leichter gesagt als getan.
Kannst du wenigstens einmal am Tag mit dem Welpen irgendwo hin fahren, wo kein Zivilisationsmüll rumliegt?
Ich sehe aus jeder Zeile, daß dich das Thema stark mitnimmt, das ist verständlich, denn wir alle machen uns Sorgen wegen Giftködern.
Es kann aber sein, daß es gerade deshalb für deinen Welpen doppelt attraktiv und aufregend ist, Sachen aufzunehmen. Weil du dich ja offensichtlich ungemein dafür interessierst, müssen die Dinge ja wichtig sein. Verstehst, du was ich meine? Es ist möglich, daß ihr beide euch in einem Teufelskreis bewegt.
Dazu kommt, daß dieses Verhalten - Dinge ins Maul nehmen und darauf kauen - auch dem Stressabbau dienen kann. Wenn du ihm den Stress aber selber zufügst, indem du ihn ständig bedrängst und ihm Sachen wegnimmst, ist das noch ein Teufelskreis im Teufelskreis.
Ich stelle mir das ganze so vor, dass er ohne Maulkorb raus kann, aber sobald er das allererste mal nicht auf das Abbruchkommando eingeht, er sofort den Maulkorb übergezogen bekommt. Nach einer Weile kommt dieser ab, aber beim nächsten Ungehorsam jedesmal wieder drauf.
Nein, das ist kein gangbarer Weg. zunächst mal soll der Maulkorb niemals Strafe sein. Zum zweiten kommt Strafe immer zu spät, denn der Hund hat sich bereits selbst für sein Verhalten belohnt, sobald er etwas ins Maul genommen hat. Dieses Verhalten war in dem Moment erfolgreich und wird daher wiederholt, ganz egal ob er danach bestraft wird oder nicht.
In deinem Fall wäre es wichtig, zunächst mal genau abzuklären, obe dein Hund tatsächlich unessbare Sachen hinunterschlingt. Ist das der Fall, wäre ein Tierarzt der richtige Ansprechpartner.
Falls nicht, würde ich mal mit einer Hundetrainerin reden, die Antigiftköderkurse anbietet. Ich weiß allerdings nicht, ob das für einen Welpen schon infrage kommt, wie geasgt, die orale Phase ist nichts, was durch Training bearbeitet werden muß, die geht von selbst vorbei.
Das wichtigste ist natürlich Management in dem Sinne, daß du ihn an der Leine begleitest und vorher verhinderst, daß er Dinge aufnimmt.
Dagmar & Cara