Beiträge von dagmarjung

    Deine Hündin ist zwar kein Welpe mehr, aber auch noch nicht in der Pubertät. Sie ist ein Junghund, etwa einem Grundschulkind vergleichbar. Das bedeutet, daß sie leicht abzulenken ist, sich nicht lange konzentrieren kann und bei allem, was du ihr beibringen willst, noch mitten im Lernprozess ist. Das heißt, es ist gar nicht möglich, daß sie die Lektionen schon unter allen Umständen beherrscht.

    Es ist gerade bei jungen Hunden eine ganz böse Denkfalle zu meinen, er kann es, er will nur nicht und ich muß mich jetzt durchsetzen, wegen der Rangordnung.

    Die Wahrheit ist, der junge Hund kann noch gar nichts sicher, aber manches klappt allmählich immer besser. Je nach Tagesform und Umständen mal so, mal so.

    Hunde lernen sehr stark umweltbezogen. Wenn "Sitz" bei Sonnenschein auf der Wiese unter dem Baum gut klappt, muß das auf dem Parkplatz am Abend noch lange nicht der Fall sein. Bis ein Hund wirklich verinnerlicht hat, daß es nicht auf dem Baum, den Geruch vom Mülleimer daneben, den Sonnenschein oder darauf ankommt, ob du ein Bikini oder eine dicke Jacke trägst, vergeht einige Zeit und es muß oft und unter den verschiedensten Umständen wiederholt werden. Der Hund generalisiert dann immer mehr und weiß irgendwann, daß nur deine Körperhaltung und Stimme das wirklich Wichtige sind bei "Sitz".

    Der junge Hund will nicht die Rangordnung anzweifeln, wenn er sich nicht sofort auf dein Kommando setzt, sondern er kann es in diesem Moment nicht, weil er es noch nicht gut genug gelernt hat.

    Man schreibt ja in der Schule auch nicht deshalb schlechte Noten, um dem Lehrer eins auszuwischen, sondern weil man den Stoff noch nicht beherrscht.

    Dagmar & Cara

    dann liegt er zuerst ganz glücklich auf dem Rücken und rührt kein Haar und genießt und nach einigen Minuten bekommt er sein “Spielgesicht”, beißt erst nur so in die Luft weil er streicheln sondern schön findet und irgendwann nimmt er die Hand und zwickt mächtig rein. Dann beende ich es sofort

    Welpen und Junghunde haben selten etwas für längeres Schmusen übrig, sondern wollen lieber spielen. Spielen heißt in Welpenkreisen nun mal Jagd- und Kampfspiele: rennen, rangeln, raufen.

    Wenn dein Welpe also für wenige Augenblicke mal stillhält, damit du ihn streicheln kannst, genieße den kurzen Moment und - ganz wichtig - hör auf, solange er es auch noch genießt. Das sind vermutlich nur wenige Sekunden, nicht Minuten. Man soll bekanntlich aufhören, wenn es am Schönsten ist. Wenn er am liebsten noch etwas mehr davon hätte, beende das Streicheln mit einem freundlichen Wort.

    Wenn du beschreibst, er hält minutenlang still und fängt dann an, sich erst spielerisch und dann ernsthafter zu wehren, dann hast du den idealen Zeitpunkt zum Aufhören schon längst überschritten. Du solltest lernen, schon auf kleinste Andeutungen deines Hundes zu reagieren, also allerspätestens dann, wenn er unruhig wird und sich deiner Hand entziehen will. Auch das ist eigentlich schon zu spät, aber immerhin ist dann die Situation noch nicht eskaliert.

    Besser ist es wie gesagt, wenn du aufhörst, solange er es noch richtig gut findet. Denn nur dann beendest du das Streicheln mit einer positiven Erfahrung für den Hund - wenn er es jedesmal bis zum Überdruß aushalten muß, wird er das Streicheln insgesamt eher mit Unlustgefühl verbinden.

    irgendwann nimmt er die Hand und zwickt mächtig rein. Dann beende ich es sofort

    Da hatte er vorher schon länger versucht, dir klarzumachen, daß er jetzt nicht mehr gestreichelt werden will. Du hast aber nicht zugehört. Also mußte er immer deutlicher und zuletzt richtig grob werden, bis du es endlich kapiert hast.

    Das ist zum einen keine so schöne Kommunikation. Zum anderen lernt dein Hund dadurch, daß er mit heftigen Maßnahmen bei dir Erfolg hat. Das ist nichts, was du ihm beibringen willst.

    Du möchtest dich doch mit deinem Hund fein und nicht grob verständigen. Das gelingt aber nur, wenn es von beiden Seiten, also auch von deiner aus geschieht.

    Dagmar & Cara

    In der Klinik waren es die Betreuer die sich darüber aufgeregt haben wie wir uns gegenseitig genannt haben, für uns Patienten war immer klar wie der andere das meint.

    Es kommt immer drauf an, wer was sagt und in welchem Ton. Wer im selben Boot sitzt, darf sich mehr erlauben als zB ein behandelnder Arzt.

    In der Reahaklinik , in der ich vor einigen Jahren war, gab es zwei Abteilungen, eine für die Nachbehandlung von Hüft und Knieoperationen, die andere für psychosomatische Krankheitsbilder. Wir PatientInnen nannten uns - je nachdem - "Stockenten" oder "Meisen".

    Dagmar & Cara

    Im örtlichen Tierheim werden aber doch auch Hunde mit ähnlichen Problemen gegen eine vergleichbare Schutzgebühr vermittelt/verkauft. Die Schutzgebühr wird ja nicht in Gewinnabsicht erhoben, sondern um weiter Tierschutz, Versorgung und Betreuung anderer Tiere leisten zu können. Sie hat mit dem Wert des zu vermittelnden Tieres daher nichts zu tun.

    In der Anzeige verkauft ebenfalls nicht der Besitzer, der den Hund wie auch immer versaut hat, sondern ein privater Tierschutzverein.

    Die Qualität der Vermittlungsgespräche kann ich logischerweise hier wie da nicht beurteilen. Ich sehe aber immerhin, daß der Goldie einen passenden(!) Maulkorb trägt, was ein eher seltener Anblick ist. Das zusammen mit der realistischen Beschreibung nimmt mich durchaus für die Tierschutzorga ein.

    Ebay erreicht halt sehr viele Menschen, und natürlich muß man für einen Hund wie diesen seine Netze weit auswerfen, um überhaupt mal an einen anderen ernsthaft in Betracht kommenden Interessenten zu kommen. Ein Aushang im Supermarkt wird da nicht reichen. Klar muß man dann aussortieren, aber wer sagt, daß das nicht geschieht?

    Dagmar & Cara

    aber es ist nicht das, wofür die Gattung Hund ursprünglich gemacht ist.

    Ein guter Punkt: wofür ist die Gattung Hund (nicht einzelne, spezialisierte Rassen) gemacht? - Wenn man dem derzeitigen Stand der historischen Forschung glauben darf, dann dazu, um die Hütten und Abfallhaufen des Menschen zu streunen und sich von letzteren zu ernähren. Sicher vor größeren Beutegreifern und von den Menschen geduldet, als bellende Alarmanlage. :denker:

    Ich meine das jetzt nicht zynisch, ich denke oft, daß Streuner da, wo sie nicht verfolgt und getötet werden und wo die Nahrungsgrundlage gegeben ist, ein recht artgerechtes Leben haben. Während unsere Haushunde jeden Tag eine sehr hohe Anpassungsleistung erbringen müssen. Mein Pudel kann nicht mal bestimmen, wann und wo sie pinkeln möchte, nur so als Beispiel.

    Davon ab, vermenschlichen bzw. anthropomorphisieren geht nicht nur in die eine kuschelige Richtung, sondern funktioniert auch umgekehrt. Das zeigt sich schon in Deinem Satz, von dem ich einen Teil hervorgehoben haben. Dabei spielt es keine Rolle, ob man es vermehrt in Richtung Objekt statt Subjekt deutet (oder umgekehrt), es mündet in 'maskuliner Schwanz-Ersatz? Soll heissen: Das ist auch ein menschlicher Ersatz (wie eben bsw. Kinder-Ersatz), eine Form von Vermenschlichung.

    Da bin ich ganz deiner Meinung, habe aber absichtlich nicht das Wort von der "Vermenschlichung" in diesem Zusammenhang benutzt. Es wird nämlich im Zusammenhang mit Hunden so gut wie ausschließlich als Kritik an einer als weich/weiblich definierten Haltung gegenüber Hunden benutzt. Verwöhnt, kennt keine Grenzen, behandelt wie ein Baby, sind da die mitgedachten Begriffe. Unausgesprochen steht dahinter: Hunde brauchen eine harte Hand; Frauen können nicht mit Hunden ungehen, sie sind zu weich.

    Es gibt aber natürlich andere menschliche Beziehungen, auf die man das Wort Vermenschlichung anwenden könnte, Herr und Sklave wäre eine davon. Das ist aber nie gemeint.

    Auf das Thema Gewalt und Mißhandlung wollte ich aber gar nicht hinaus.

    Die Benutzung des Hundes als männliches Attribut muß ja keineswegs mit Mißhandlung einhergehen. Der voll krasse Hund darf und soll sich agressiv gebärden und wird eventuell sogar scharf gegen Menschen und Hunde gemacht. Er soll so sein, wie sein Besitzer sich fühlt, ein Kämpfer in einer feindlichen Welt. Kann ja auch toll sein, wenn der eigene Hund der Welt den Stinkefinger zeigt - so lange, bis es nicht mehr schön ist und der Hund zB entzogen wird. So einen Fall durfte ich hier über Jahre beobachten. Dieser Hund diente seinem Herrn quasi als Avatar. Zum Glück wurden bei der allzu freien Entfaltung des Hundes wenigstens keine Menschen verletzt.

    Auch auf solche Hunde passt natürlich das Prädikat "unerzogener Rüpel, der keine Grenzen kennt".

    "Hund mit Potential un ungeeigneten Händen" auch.

    Dagmar & Cara

    Also Sie ist null gestresst draussen.

    Daß sie draußen weder spielen noch sich lösen mag, spricht allerdings dagegen.

    Manchmal hab ich wirklich das Gefühl sie hat keinen Bock und will dann ihren Kopg durchsetzen.

    Das ist nemals ein gutes Konzept im Umgang mit einem Welpen. Welpen haben vor allem den Drang nach Sicherheit. Und danach das Bedürfnis, die Welt von einer sicheren Basis aus kennenzulernen, die hoffentlich ihr Mensch ihnen bietet. In Ruhe und in ihrem Tempo, ohne sie zu überfordern.

    Einen mentalen Krieg gegen ihren Menschen zu führen, um sich "durchzusetzen", gehört nicht zu den Bedürfnissen eines Welpen. Geh lieber davon aus daß sich deine kleine Hündin aus Unsicherheit und einer wie auch immer gearteten Überforderung heraus so verhält, wie sie es tut.

    Wenn meine Tochter mit ihrem Roller mitkommt sieht das schon besser aus aber dann läuft sie quasi nur dem Roller hinterher,

    Viele Welpen folgen fast automatisch Objekten, die sich schneller bewegen. Im Alter von 3,4 Monaten konnte es meiner Hündin passieren, daß sie sich ZB von Joggern hinterher ziehen ließ. Sie hatte mein Körperbild und meine Bewegungen noch nicht so verinnerlicht, daß sie mich gut von anderen Menschen unterscheiden konnte und lief dann einfach dem schnellsten Objekt hinterher.

    Mit Spielen hat dieses Hinterherlaufen nichts zu tun.


    Aber bewegen muss sie sich ja auch...

    Man muß einem Welpen oder Junghund kein Mindestpensum Bewegung abfordern. Im Gegenteil, das kann auf Dauer schädlich sein. Sich auf die Wiese, unter einen Baum oder an einen Bach setzen und die Kleine einfach machen und entdecken lassen ist viel besser. Der neugierige Junghund holt sich seine Bewegung von alleine und kann zwischendurch nach eigenem Bedürfnis Pausen einlegen. Vom Menschen erzwungenes längeres Mitlaufen ist in diesem jungen Alter schädlich. Später wird der Hund von selbst ausdauernder.

    Dagmar & Cara

    Wenn ich mir die Liste mit den 60+ Hunden aus der HHF anschaue und mir auch die verschiedenen Videos ins Gedächtnis rufe, dann sind das überwiegend keine Rassen, die üblicherweise als Partnerersatz, Kindersatz oder Kuscheltier angeschafft werden.
    Sondern eher solche, die häufig als maskulines Rennomierobjekt und Schwanzersatz dienen. Was ein ganz anderes Thema ist - auch und gerade in Bezug darauf, wie die ursprünglichen Besitzer mit den Hunden umgegangen sind.

    Dagmar & Cara