Der Knackpunkt bei Hunden aus dem Auslandstierschutz sind nicht die schlechten Erfahrungen, sondern der Mangel an Erfahrungen. Schlechte Erfahrungen kann man überwinden und ausgleichen, eine reizarme Aufzucht im Zwinger oder Hinterhof schränkt das Lernvermögen und die Verarbeitung von neuen Erfahrungen lebenslang ein. Die Hunde mit den größten Anpassungsproblemen sind aus diesem Grund nicht die echten Straßenhunde, sondern die sogenannten "Verschlagshunde", die in ihrem Leben nichts kennenlernen durften.
Auch wenn die Welpen im Shelter aufgewachsen sind, fehlt in den überlaufenen Tierheimen die Zeit, sich in angemessener Weise um die Hunde zu kümmern, Sozialisation und Gewöhnung an Umweltreize kommen zu kurz.
Deswegen ist ein Junghund aus dem Tierschutz ein größeres Risiko, was die Wesensentwicklung betrifft, als ein ausgewachsener Hund, denn viele Defizite zeigen sich erst nach und nach.. Die Idee, man könne beim jungen Hund noch viel erreichen, gilt nämlich nur bei guter Prägung und Sozialisation in den ersten Lebenswochen.
Als Studentin bist du extrem darauf angewiesen, einen überdurchschnittlich anpassungsfähigen Hund zu haben. Denn du bist alleine zuständig und hast weder finanziell noch zeitlich noch organisatorisch große Spielräume.
Der Hund muß mit Stadtleben, Leben im Mehrfamilienhaus, Lärm, unregelmäßigem Tagesabläufen, Fremdbetreuung, großer Hundedichte, vielen Menschen aus engem Raum und vielem mehr zurechtkommen. Für uns ist das Alltag und fällt uns gar nicht auf. Von unseren Hundesn aus gesehen ist das eine gewaltige Leistung, nicht jeder Hund schafft das. Man merkt es erst, wenn es nicht klappt. Ein Blick in die Problem-Threads hier im Forum zeigt das.
Ich würde, wenn es ein Junghund sein soll, tatsächlich einen Welpen vom Züchter nehmen. Wenn es ein Tierschutzhund sein soll, dann einen erwachsenen Hund, den du vorher ausführlich kennenlernen kannst.
Dagmar & Cara