Spoiler für AoT Staffel 4:
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Ja, mit Eren muß etwas passiert sein, von dem wir noch nichts wissen. Von dem impulsiven aufbrausenden, Jungen bis zu dem zynischen, berechnenden, kalten Mann ist es sonst ein zu weiter Schritt. Auch wenn es Erens erklärtes Lebensziel ist, die Existenz der Titanen zu beenden, seine Freunde waren ihm immer wichtig. Das wurde ja auch noch mal explizit in der Szene herausgestellt, als sie von der Arbeit an den Schienen heimfahren und darüber reden, wer gegebenenfalls den Attack-Titan erben soll.
Irgendwie kann ich mir auch nur schwer vorstellen, daß Eren so fraglos Zekes Pläne und Vorstellungen übernimmt, wie es im Moment den Anschein hat. An herzliche Brudergefühle und uneingeschränktes Vertrauen zwischen den beiden glaube ich nicht. Woher sollten die auch kommen?
Ich vermute, daß Eren den Bruch mit Mikasa und Armin mit voller Absicht herbeigeführt hat, um sie davon abzuhalten, ihm weiterhin zu folgen und sich damit in Gefahr zu bringen oder seine Pläne zu gefährden. Etwas anderes macht in meinen Augen keinen Sinn, denn er hat ja die Macht, er braucht sich gar nicht persönlich mit den beiden zu befassen. Nur daß sie sich - zumindest Armin - nicht so einfach wegsperren lassen, wenn er sie also möglichst wirksam trenen will von sich und dem, was er vorhat, dann macht es Sinn, daß er sie dazu bringen will, freiwillig weg zu bleiben.
Also ich denke, Conny hat recht.
Was Eren inhaltlich zu Mikasa und Armin gesagt hat, ist viel Bullshit mit einigen Körnchen Wahrheit, gerade genug, um maximal zu verletzen und Selbstzweifel bei beiden zu provozieren. "Ich habe euch immer schon gehaßt und verachtet" - ja nee, klar. Deshalb hat man ja all die Jahre zusammengehalten wie Pech und Schwefel.
zB selbst wenn die Ackermanns darauf programmiert sind, dem Befehl der königlichen Familie zu gehorchen, seit wann trägt denn Eren königliches Blut in sich, so daß Mikase ihm gehorchen müßte?
Und Kenny und Levi Ackermann sind ja wohl auch alles andere als Sklavenseelen, Kenny hat dramatisch und erfolgreich gegen Rod Reiss rebelliert und ohnehin nur deshalb für ihn gearbeitet, weil er sich etwas davon versprochen hat. Eren war selbst Zeuge davon.
Daß die Inhaber der Titanen die Erinnerung ihrer Vorgänger erben, heißt ja noch lange nicht, daß sie ihre eigene Persönlichkeit verlieren. Mag schon sein, daß Armins Interesse an Annie ein Erbe von Bertholdt ist, aber Armins Loyalität zu seinen Leuten steht völlig außer Frage.
Ich frage mich allerdings in diesem Zusammenhang, ob vielleicht der Einfluß ihres Vorgängers Ymir dazu veranlasst hat, freiwillig zurück nach Marley zu gehen und dort ihr Leben zu opfern. Mir erschien das immer ein bißchen zuviel an Dankbarkeit, zumal sie damit rechnen mußte, daß der künftige Jaw-Titan gegen ihre eldianischen FreundInnen und Kameradinnen eingesetzt werden würde.
Interessanterweise bezieht Eren diese These anscheinend nicht auf sich selbst, obwohl es einiges an seiner jetzigen Persönlichkeit erklären könnte, wenn ein Eren Krüger aus ihm spräche.
Seine Persönlichkeitsveränderung kam aber erst sehr lange nachdem er zum Titanenwandler wurde und auch Jahre nachdem er sich regelmäßig in den Titan verwandelte.
Wen man bedenkt, daß er inzwischen drei Titanen in sich vereinigt mit sämtlichen Erinnerungen aller zeitweiligen InhaberInnen, was heißt das eigentlich für ihn und seine Handlungsfreiheit als Person? Das müßten ja genügend Leute sein, um ein Stadion zu füllen. Eigentlich müßte er irrenhausreif verrückt sein, mit einer ständigen Shizo-Party im Kopf. Das würde aber storytechnisch keinen Sinn machen, daher glaube ich an einen selbstständig handelnden und planenden Eren. Bin, wie gesagt, da ganz bei Conny.
Was mir noch so auffällt:
Das Motto, welches Dr Jäger und seine beiden Söhne derzeit germeinsam haben ist: " Der Zweck heiligt die Mittel". Schon der junge Grisha Jäger benutzte seinen Sohn Zeke als Werkzeug für den höheren Zweck. Oben auf der Mauer im Gespräch mit Eren Krüger zeigte Grisha dann Reue und bezeichnete sich als schlechten Vater, aber dies war offenbar nicht von Dauer. Schon daß er seinen zweiten Sohn nach Eren Krüger benannte, der nun wahrlich die Verkörperung dieses Mottos ist, zeigt, daß er sich nicht geändert hat, und daß er Eren später den Titan aufgezwungen hat, war nur folgerichtig.
Zeke seinerseits kennt keine Loyalität zu irgendwem, er verfolgt seine ganz eigenen Ziele einer vagen besseren Zukunft. Aber Zukunft für wen? Nicht für die Eldianer, deren Völkermord er plant. Die Marleyaner, die ihn, seine Familie und sein Volk unterdrücken? Die Ausländer drumherum, an deren Eroberung er maßgelich beteiligt war? Ich weiß es nicht.
Noch ein gemeinsames Motto der beide Jäger-Brüder: "Der Stärkere hat Recht". Wer die Macht hat, kann schrankenlos über die verfügen, die keine haben, und über sie und ihre Zukunft entscheiden. Das überrascht bei Zeke nicht, aber Eren hatte zwischenzeitlich zu einer Haltung der Bescheidenheit gefunden, die mir gut gefiel. Das ist jetzt vorbei, oder zumindest scheint es so.
Eines ist sicher: Eren Jäger geht es derzeit richtig mies. Er sieht sehr, sehr ungücklich aus. Ich bin überzeugt, daß er etwas durchzieht, weil er meint, daß er muß, aber nicht aus freier Wahl und tiefster Überzeugung, denn dann wäre er glücklicher damit.
- Was macht eigentlich Historia? Ich bin überzeugt, daß sie noch eine wichtige Rolle spielen wird. Warum und von wem ist sie schwanger geworden? Was macht sie aus der chaotischen Umbruchsituation? Wir haben lange nichts von ihr gehört, ich bin gespannt.
So, das waren ein paar Gedanken zu den letzen Entwicklungen dieser spannenden Serie. Was meinst du dazu?
Dagmar & Cara