Der Verein hat mich ja sicher nicht absichtlich getäuscht.
Es kommt tatsächlich leider recht häufig vor, daß solche Vereine absichtlich täuschen. Warum? Weil die Tierschützer das Leid der Hunde sehen und möglichst viele davon durch eine Vemittlung nach D oder Ö retten wollen.
Das Interesse der Helfer ist also auf den Hund konzentriert: Hauptsache, er kommt da raus. Menschlich verständlich, aber ein großes Risiko für die neuen Besitzer. Das Anliegen solcher Vereine ist nämlich nicht, den passenden Hund zu passenden neuen Haltern zu vermitteln. Deren Zufriedenheit mit dem Hund steht nicht im Mittelpunkt.
Der Verein rechnet vielmehr damit, daß der neue Besitzer trotz aller Probleme doch sein Herz an den Hund hängt und ihn wohl oder übel behält. Wie und ob der Halter mit dem Hund letztendlich klarkommt und wie gut oder schlecht das Leben des Hundes verläuft, ist dann nicht mehr das Problem des Vereins. Hauptsache "gerettet".
Ein Dilemma ist, daß es im Ausland noch viele Arbeitsrassen und ihre Mischlinge gibt, während die Interessenten hier sich - so wie du - nette, pflegeleichte Begleithunde wünschen. Arbeitsrassen (Bewachen, Hüten, Jagen, Hetzen) sind aber in der Haltung durchweg anspruchsvoller als Begleithunde und stellen Halter, die völlig andere Erwartungen an ihren Hund haben, vor erhebliche Probleme.
Deshalb wird in den Beschreibungen oft geschönt und leider auch gelogen. Der angeblich dankbare, nur mit einem Sofaplatz zufriedene Hund ist da so ein Klassiker.
Ein weiterer Klassiker: Retriever gelten hierzulande mit Recht als freundliche, anpassungsfähige Familienhunde. Die Retrieverrassen sind aber in den Ländern, aus denen die Tierschutzhunde kommen, sehr selten - im Gegensatz zu den optisch ähnlichen HSH. Daher werden Herdenschutzhundmixe und sogar reinrassige HSH nur zu gerne als Retrievermischling vermittelt, denn dafür finden sich hierzulande immer Käufer. Die dann einen ganz anderen Hundetyp bekommen als sie erwartet haben - diese Erfahrung machst du ja auch gerade. Aber egal, Hauptsache "gerettet", mit den Problemen darf sich dann der neue Besitzer herumschlagen.
Auch dein "Leonbergermix" verdankt seine Entstehung einer solchen Täuschung. Im Ernst, wie viele mischlingsproduzierende Leonberger mag es wohl in Rumänien geben? - Die kann man wahrscheinlich an einer Hand abzählen und braucht dazu nicht alle Finger. Herdenschützer und Hofwächter dagegen gibt es dort reichlich. Was liegt also näher, als einen optisch ähnlichen Mix so zu etikettieren, daß eine Interessentin aus Österreich sich von der "Marke" Leonberger angesprochen fühlt? (Wobei auch Leonberger nicht immer nur gutmütige Riesen sind.)
Klingt doch gleich viel ansprechender als HSH-Mix.
Ich habe den Verein gefragt warum sie nicht gesagt haben, dass ein HSH in Henry steckt. Sie meinten, dass die Hunde im Ausland so bunt durchgemischt sind, dass man fast unmöglich sagen kann was da für Rassen oder Anteile drinnen stecken, deshalb geben sie nur in Fällen, wo sie sich ganz sicher sind an um welche Rassen es sich handelt. Bei Henry wäre das nicht der Fall gewesen.
Das ist schon eine sehr dreiste Aussage. Ja, es gibt viele bunte Mixe, bei denen man wirklich kaum was sagen kann. Ja, man muß als Tierschützer auch nicht jede exotische ausländische Rasse kennen. Aber es gibt gewisse Grundtypen, die in einem Land häufig sind und auch in nicht rassereiner Form immer wieder auftauchen und gut erkennbar sind. HSH ist einer dieser Grundtypen; Hütehunde, Jagdhunde oder Windhunde sind einige weitere.
Spätestens beim erwachsenen Hund kann man auch als interessierter Laie ganz gut sehen, was für eine Art Hund man vor sich hat, wenn einer dieser Typen so dominiert, wie das bei Henry der Fall ist.
Ein seriöser Verein preist Mischlinge nicht unter falscher Flagge an. Ein Hund gehört nicht erst dann einem bestimmten Typ an, wenn er zweifelsfrei einer bestimmten Rasse zugeordnet werden kann.
Ein unseriöser Verein redet sich dagegen mit Aussagen wie oben zitiert heraus.
Dagmar & Cara