Beiträge von dagmarjung

    Diese Betriebsblindheit betrifft natürlich ebenso und vor allem die Züchter!

    Nicht alle davon sind gewissenlose Vermehrer, die nur aufs Geld aus sind. Es gibt genauso die Idealisten, die aber in derselben Gefühlsfalle stecken wie die Halter. Sogar wenn sie die Probleme der Rasse im Ganzen nicht ableugnen, es sind immer nur die anderen Hunde, die krank sind. Die Vermehrerhunde, oder alle anderen Hunde außer den eigenen.

    Es kommt noch erschwerend hinzu, daß Tierärzte das Thema nicht immer so explizit ansprechen. Da werden kritische Werte bei der Untersuchung zB der Atemfrequenz schlicht als "rassetypisch" oder "für einen Mops normal" bezeichnet. Bei jeder anderen Rasse würden die Alarmglocken klingeln und der Tierarzt tätig weden.

    Diese ungemein populären Moderassen stellen natürlich auch einen großen Teil der Patienten, also kann man es den TÄ nicht verübeln, daß sie ihre Kunden nicht vergrätzen wollen indem sie bei jedem Besuch, der aus ganz anderen Gründen erfolgt, auf die stets vorhandenen Qualzuchtleiden hinweisen.

    Dagmar & Cara

    Alles was zur Gesundheit des Mopses gesagt wurde, gilt auch für alle anderen kurznasigen Rassen. "Brachyzephales Syndrom" bezeichnet das Krankheitsbild, unter der alle diese Hunde leiden und das ist nun mal die Kurznasigkeit und alle Folgen, die daraus resultieren.

    Deshalb, so sinnvoll es normalerweise ist, einen Rassehund beim anerkannten Züchter zu erwerben und nicht beim Vermehrer, für die kurznasigen Rassen bietet das keinen Vorteil. Hier sind Züchterhunde und Vermehrerhunde gleichermaßen betroffen. Da die züchterisch gewollte Skelettverformung hier wie da dieselbe ist, gleichen sich auch die gesundheitlichen Folgen. Die ganze Palette an Leiden und Krankheiten, die du im Eingangsbeitrag aufgezählt hast, erwartet dich bei jedem Mops, Bully, Pekinesen usw, egal aus welcher Quelle. Denn das sind alles Leiden, die aus der Zucht auf Kurznasigkeit hervorgehen, auch zB die Allergien, die man auf Anhieb nicht damit in Zusamenhang bringen würde.

    (Und natürlich gilt dasselbe für Tierschutzhunde dieser Rassen. Gerade beim Tierschutzhund- oder Secondhandhund liegt es nahe, daß die finanzielle Belastung durch Tierarztbesuche ein Abgabegrund war.)

    - Zum Thema "lügen die Besitzer alle?" Ein paar Zitate und Beobachtungen:

    -"Das ist ein freiatmender Sportmops mit langer Nase!" Die Länge der Nase war höchstens in Millimetern messbar. Da der Hund aber noch nicht mal ein Jahr alt war, hat er zu diesem Zeitpunkt tatsächlich noch keine Atemgeräusche gezeigt. Das entwickelt sich meist erst später. Mit ein, zwei, mit Glück auch drei Jahren können sich viele Halter noch der Illusion hingeben, sie hätten einen gesunden Mops oder Bully. Die Probleme entwickeln sich schleichend, und alles was sich langsam verändert, wird weniger wahrgenommen. Würde sich ein Hund von einem Tag auf den anderen vom lebhaften, bewegungsfreudigen Hund zum schlappen Schnarcher verwandeln, wären die Besitzer ungleich mehr alarmiert und wären genauso schnell beim Tierarzt wie bei einem Autounfall. Was sich aber von Tag zu Tag fast unmerklich verändert, daran gewöhnt man sich leicht.

    - Ich treffe eine augenscheinlich hochbetagte Mopshündin und erkundige mich im Gespräch mit der Halterin nach dem Alter. "6 Jahre" ist die Antwort und nach Einschätzung der Besitzerin ist sie damit im gesetzten Seniorenalter. Ich schaue auf meine Kleinpudelhündin, die mit ihren 11 Jahren fast doppelt so alt, aber dreimal so munter und beweglich ist wie die Möpsin und sage nichts.

    Die Besitzer lügen nicht bewußt, aber die realistische Einschätzung ist nicht vorhanden. Eine Nase, die nach Millimetern zählt, ist extrem kurz verglichen mit einer anatomisch normalen Nase. Ein 6-jahriger Hund einer kleinen, nicht brachyzephalen Rasse ist im allerbesten Alter, zb auch im Hundesport voll einsatzfähig und vom Greisenalter noch ein halbres Leben oder mehr entfernt.

    Dagmar & Cara

    Ja, so kann der Hund viel besser begreifen, was "richtig" und "falsch" ist. Wie "heiß" und "kalt" beim Topfschlagen führt das zu einem sehr viel schnelleren Lernerfolg als wenn man nur die Fehler angekreidet bekommt, aber ins Blaue raten muß, was eigentlich gewünscht ist.

    Dagmar & Cara

    Die Dogge als "sanftmütiger Riese"- das ist halt mißverständlich. Ja, ich kenne Doggen, auf die das zutrifft. Die zB gelassen auf Fremdhunde reagieren und sich nicht provozieren lassen. Die verschmust mit ihren Leuten sind und freundlich-zurückhaltend gegenüber Fremden. Die kooperativ und gut erziehbar sind.

    Aber sanftmütig ist nicht dasselbe wie ruhig. Doggen altern leider schnell und werden dann auch ruhiger. Aber sie starten wie andere Rassen auch als temperamentvolle, bewegungsfreudige Junghunde, die ihren Körper und sich selbst noch nicht beherrschen. Sie sind spontan und impulsiv wie jeder junge Hund, nur aufgrund von Größe und Gewicht mit anderen Auswirkungen.

    Ich denke zB an die Geschichte einer Doggenhalterin, die gemütlich mit ihren angeleinten Jungrüden auf einer Wiese saß. Von einem Moment auf den anderen saß sie drei Meter weiter, weil der Rüde spontan lossprang - er hatte irgendwo weiter weg was Interessantes gesehen.

    Die Erwartung, ein "sanfter Riese" wäre schon als Welpe sanft und vor allem ruhig und allein deshalb eine bessere Wahl zu Kindern als eine kleinere Rasse, ist also utopisch.

    Daß Dogge + Kinder bei erfahrenen und souveränen Hundehaltern gut klappen kann, ist klar. Wer von Anfang an genau weiß, was er tut, kann das regeln. Wer sich aber erst vorantasten und seine Erfahrungen mühsam durch Versuch und Irrtum erwerben muß, hat es sehr viel schwerer. Bei der Erziehung eines Zwergpudels kann man Fehler machen und hat trotzdem Zeit, sie wieder auszubügeln. Eine Dogge wächst so schnell, daß diese Zeit fehlt. Zumindest wenn kleine Kinder betroffen sind.

    Dagmar & Cara

    Das Leben deiner Kinder ist nach deiner Schilderung zur Zeit massiv eingeschränkt. Sie dürfen sich nicht mehr frei und unbefangen in der eigenen Wohnung bewegen, nicht rennen, nichts Essbares in der Hand halten, nur im Zimmer spielen. Machen sie Fehler, werden sie beschimpft. Sie sollen dem Hund ausweichen, der aber seinerseits in ihre Zimmer eindringt und ihr Spielzeug klaut. Der sie verfolgt und beißt. Der Nachts aufs Bett springt und sich auf sie drauflegt. Und der den Kindern an Größe ebenbürtig und an Gewicht, Kraft und Schnelligkeit stark überlegen ist, vom Gebiß mal gar nicht zu reden.

    Außerdem erleben deine Kinder gerade, daß du anscheinend gegen all das machtlos bist und sie nicht schützen kannst oder willst. Vielleicht erleben sie das sogar so, daß dir der Hund anscheinend wichtiger ist als sie.

    Hulk ist mit Sicherheit nicht unerziehbar. aber du kannst das im Moment nicht leisten. Du müßtest dir viele Grundlagen erarbeiten, die du zur Zeit noch

    nicht besitzt, zB vorausschauend agieren und nicht immer zu spät reagieren und Hundeverhalten richtig lesen und interpretieren. Das ist möglich, man kann das lernen, aber es dauert. Und deine Kinder leiden jetzt unter der Situation, die auch jeden Tag gefährlicher wird. Denn der Hund wächst nicht nur schnell, er überholt auch die Kinder an Reife, wird selbstbewußter und weniger leicht zu beeindrucken.

    Dewegen, weil die notwendige Zeit zur Veränderung hier fehlt, ist meiner Meinung hier eine Abgabe sinnvoll. Und ich sehe dich auf keinen Fall als "Monster", wenn du das Leben deiner Kinder wieder schöner machst.


    Quietschen als Signal zum Auslassen: Welpen quietschen, wenn ein anderer Welpe im Spiel zu fest zubeißt. Sie belassen es aber nicht nur beim Quietschen, sondern der Welpe wehrt sich auch gegen das Geschwister, dann wird es für den Beissenden unangenehm. So kann er aus Erfahrung lernen, daß nach dem Qietschen auch eine unangenehme Konsequenz von Seiten des Gebissenen folgt und auch das gemeinsame Spiel erst einmal beendet ist.

    - Wer aber auch quietscht, sind kleine Beutetiere im Todeskampf. Das ist für Hunde kein Signal zum Auslassen, sondern zum festeren Zubeißen.Im Jagdmodus geht es nicht darum, mit dem anderen zu arrangieren, sondern die Beute wird getötet.

    Du bist kein Geschwisterwelpe und schon gar kein Beutetier. Du bist für den Junghund eine elterliche Autoritätsperson bzw solltest eine sein. Die qietscht nicht, sondern unterbindet Frechheiten schon im Ansatz.

    Hast du Zergelspielzeug für Hulk? Er muß lernen, daß menschliche Gliedmaßen, auch bewegte, keine Beute sind, daß es aber erlaubtes Zergelspielzeug gibt. Solche körperbetonten Spiele dürfen dann aber nur Erwachsene mit dem Hund machen, niemals die Kinder!

    Dagmar & Cara

    Ich habe eine nette, pflegeleichte, gehorsame Hündin, die normalerweise immer ohne Leine in meinem Bereich bleibt.

    ABER: Wenn ich draußen wirklich derartig abgelenkt bin, daß ich nicht mal ein halbes Auge auf ihr habe, dann kann es sogar bei ihr passieren, daß sie ohne mich selbstständig auf Erkundungstour geht. Wenn ich die innere Verbindung nicht halte, muß sie es schließlich auch nicht tun.

    In einer Situation wie bei deinem Umzug wäre Cara entweder oben in der Wohnung gesichert oder unten vor dem Haus angebunden.

    Dagmar & Cara

    Und den Wunsch, daß nicht mit ihnen gezüchtet werden soll, kann ich durchaus verstehen.

    Fynns Züchterin ist verstorben und Fynns Schwester, dreijährig mit kompletter Zuchtzulassung, benötigte ein neues Zuhause. Der Züchterin war es wichtig, dass mit ihrer Hündin nicht in einem anderen Kennel weitergezüchtet wird.

    Man hat aber doch selbst keine Mühen gescheut und alle Voraussetzungen geschaffen, um die Hündin zuchtfertig zu machen. Mit allen Untersuchungen und Ausstellungen.

    Warum dürfen dann andere Leute nicht das tun, was man selber gerne getan hätte? Den Gedankengang dahinter verstehe ich nicht. :ka:

    Ich kenne es eher so, daß Züchter ihren besten Nachwuchs gerne an andere Züchter verkaufen, damit die Linie erhalten bleibt, und der "Nur"Familienhund-Interessent sich dahinter anstellen muß. Wenn eine Hündin so gut ist, daß sie einen wertvollem Beitrag zur Erhaltung der Rasse leisten kann, warum darf sie das nicht bei einem neuen Besitzer?

    (Im Falle der Spitzhündin dürfte sie ja, der Verkäufer will sich das nur dreimal so teuer bezahlen lassen. )

    Dagmar & Cara

    Wenn du das Buch von Sabine Winkler liest, bekommst du damit das Rüstzeug an die Hand, um die Arbeitsweise von Hundetrainern jeder Art besser zu beurteilen. Ob Genie oder Scharlatan, du kannst dann erkennen, was sie tun und warum der Hund darauf reagiert und du kannst aufgrund dieses Wissens für dich entscheiden, ob das dein Weg sein soll oder nicht.

    Mach dir den Spaß und schau später mal mit diesem Wissen im Kopf Videos von Cesar Milan mit abgestelltem Ton an. Wir lassen uns nur allzuleicht vom gesprochenen Kommentar ablenken. Schöne, plausibel klingende Worte täuschen gerade bei Milan über vieles hinweg, von ständigem Deckeln bis hin zu drastischer Gewalt.

    Dagmar & Cara

    Wenn ich jetzt die Hündin als "Liebhaberhund" für 1000,- Euro kaufe und in einem Jahr doch mit ihr züchte, kann die Verkäuferin mir irgendwie an den Karren fahren? Ich glaube ja nicht, denn Eigentum ist Eigentum, und was ich damit mache, ist meine Sache. Vielleicht habe ich beim Kauf noch zur Miete in der Stadt gewohnt und ein, zwei Jahre später bin ich aufs Land ins eigene Haus gezogen. Da muß ich mich doch nicht lebenslang nach den Vorgaben der ehemaligen Verkäuferin richten.

    Allenfalls könnte ich mir vorstellen, daß die Verkäuferin die Belege für diverse Untersuchungen und erfolgreiche Ausstelungsbewertungen erst gar nicht herausgibt. Aber diese Daten hat ja bereits der Zuchtverein.

    Der Hund ist doch nicht mehr oder weniger wertvoll je nachdem was der künftige Besitzer damit vorhat.

    Dagmar & Cara

    Du stehst zwischen ganz verschiedenenTrainingskonzepten. Das ist für Ersthundehalter sehr verwirrend. Da dir die eigenen Erfahrungen noch fehlen, kannst du zwar einige schnell sichtbare Wirkungen sehen oder auch das Fehlen von schnellen Erfolgen, aber die Nebenwirkungen kannst du in ihrem Ausmaß noch nicht erfassen.

    Ich empfehle dir ein Buch, das wirklich alle verschiedenen Trainingsansätze von "nett" bis "streng" erklärt und zwar mit ihren Vor- und Nachteilen, Möglichkeiten und Grenzen.

    Sabine Winkler: "So lernt mein Hund: der Schlüssel für die erfolgreiche Erziehung und Ausbildung"

    Die Autorin erklärt so klar wie sonst niemand, wie und warum jede einzelne Methode wirkt. Mit diesem Grundwissen könnt ihr dann besser beurteilen, wie ihr mit eurem Hund künftig trainieren wollt.


    Im Moment trainiert ihr mit einer Methode, die auf Strafe basiert. Wobei Strafe keineswegs Schmerz sein muß. Auch ein leichtes Unlustgefühl wirkt bereits als Strafe im lerntechnischen Sinne. Denn der Hund soll lernen, etwas zu tun oder zu unterlassen, um den unangenehmen Reiz zu vermeiden. Die hauptsächliche Belohnung für richtiges Handeln ist also, daß kein Strafreiz erfolgt. Daher ist es sachlich falsch, von einem reinen Aufmerksamkeitssignal zu sprechen. Es soll ja unangenehm genug sein, um den Hund zu einer Verhaltensänderung zu bewegen. Zum Beispiel soll er sich aus dem Liegen hochsetzen, um den unangenehmen Zug am Halsband zu vermeiden.

    Diese Art des Lernens funktioniert, das zeigt dir dein Hund. Er zeigt dir gleichzeitig die unvermeidlichen Nebenwirkungen: Das Lernen an sich, die gelernten Kommandos und die Zusammenarbeit mit dem Menschen allgemein wird mit Unlustgefühlen verknüpft. Der Frust sucht sich ein Ventil.

    Der Hund wird auch künftig nicht freudig mitarbeiten, sondern sich eher entziehen, wenn er die Möglichkeit dazu sieht (zB ohne Leine).

    Diese früher allgemein üblichen strengen, auf Strafe basierenden Methoden belasten den Hund psychisch, besonders natürlich den jungen Hund. Daher wartete man früher mit dem Training, bis der Hund etwa ein Jahr alt war.

    Heute möchte man den Hund nicht ein Jahr im Zwinger sitzen lassen sondern schon mit dem Junghund Grundlagen erarbeiten. Dafür muß das Training aber entsprechend so gestaltet sein, daß der junge Hund sehr viel Lust und nur minimal Frust erlebt.

    Erfolgreiche Hundesportler trainieren heute ganz anders, nämlich weitestgehend lustbetont mit viel Spiel- und Beutebelohnung und auch mit Futterbelohnung.

    (Und niemals so lang am Stück, sondern in ganz kurzen, knackigen Lektionen)

    Dagmar & Cara