Beiträge von dagmarjung

    Nach dieser Übung und ca. 30 Minuten „zurückschicken“ sollten wir Leinenführigkeit machen

    Bei jedem guten Training gilt: in der Kürze liegt die Würze.

    Erst 30 Minuten permanent korrigieren und danach noch Leinenführigkeit - das überfordert die Konzentrationsfähigkeit maßlos, zumal in diesem jungen Alter und bei einem Hund, dessen Thema ausgerechnet Frustrationstoleranz ist.

    Dinge, die schon richtig gut laufen, die kann man auch mal länger am Stück abfragen. Aber wenn es darum geht dem Hund Neues beizubringen, das er noch nicht kann und das ihm schwerfällt, dann muß er bei der Vorgehensweise deiner Trainerin zwangsläufig scheitern.

    Nicht umsonst ist es ein sehr wichtiger Leitsatz, von Erfolg zu Erfolg zu trainieren und nicht von Mißerfolg zu Mißerfolg. Das setzt aber voraus, daß der Hund nur soweit und so lange gefordert wird, wie er das Geforderte auch leisten kann.

    Offenbar ist der Trainerin das nicht bewußt, da sie das aus Überforderung entstehende Stressverhalten nicht als Übersprungshandlung erkennt, sondern als "rotzfrech und Absicht" einstuft. Womit sie es auf eine persönliche Gefühls- und Beziehungsebene hebt, (Frechheit darf man sich nicht bieten lassen) die sachlich unzutreffend ist und folgerichtig zur agressiven Eskalation in Form von Schlagen und Kneifen führt. Diese Einstellung ist eigentlich ein typischer Halterfehler, der einem Profi nicht passieren darf.

    Zusammengenommen mangelt es hier eindeutig an Fachkenntnis.

    Gerade wenn man über Korrektur arbeiten will, (wie sinnvoll das hier ist, ist eine andere Frage) muß man extrem aufpassen, den Hund nicht mental zu überfordern.

    Jagdtrieb ist hier ein kleines Thema. Problematisch ist es eher auf Sicht, es gibt durchaus Gegenden, wo ich eher Mal die Leine dran lasse, aber ich habe hier auch viele Gebiete, wo ich ihn frei laufen lassen kann.

    So würde ich meine Cara auch beschreiben.

    Ich finde es gut, daß du den Jadtrieb beim Pudel ernstnimmst - nimm ihn auch bei allen anderen Rassen ebenso ernst. Die allermeisten Hunde, die groß genug sind, um über ein Grasbüschel hinwegzusehen, schauen einem Hasen, Reh oder Kaninchen nicht mit interesselosem Wohlgefallen hinterher.

    Für mich ist es dann auch selbstverständlich alle erdenklichen Gesundheitsfragen, Erbfaktoren etc. abzuklären, mal Formwerte einzuholen, ggf. in der ein oder anderen Arbeitsprüfung vorstellen... nicht total übertrieben, aber einfach grundlegende Daten über die Nachkommen liefern.

    Hätte ich alles gerne gemacht mit Cara, wenn ich den Eindruck gehabt hätte, es hätte irgendwen, sei es Zuchtverein oder Züchterin, im mindesten interessiert. Das war leider nicht der Fall.

    Ich sehe hier große Unterschiede zwischen den verschiedenen Zuchtvereinen. Einige tun sehr viel, um möglichst alle Welpenkäufer mit ins Boot zu holen, damit sich Züchter und Rasseinteressierte ein Bild von der Nachzucht machen können. ZB durch Regelungen wie ein Pfand, das nach Ablegen einer HD-Untersuchung an den Welpenkäufer zurückgezahlt wird oder ausdrückliche persönliche Einladungen, die jungen Hunde beim Rassetreffen dem Zuchtrichter zur Nachzuchtbeurteilung vorzustellen. Die KZG Eurasier und der Club Berger des Pyrenees sind da sehr engagiert, um nur zwei Beispiele zu nennen.

    Andere Vereine dagegen, wie- leider - der Deutsche Pudelklub, ... :( absolute Schnachnasen. Von Vereinseite kommt da gar nichts, um die Welpenkäufer einzubeziehen.

    Und gerade bei den Pudeln ist die Hemmschwelle ja höher als bei anderen Rassen, den eigenen Hund öffentlich vorzustellen. Wer nicht schon von vorneherein auf eine Ausstellungskarriere abzielt, wird sich den Aufwand mit der professionellen Vorbereitung und Haarpflege nicht antun. Da reicht ja nicht einmal drüberbürsten und Trab an lockerer Leine üben.

    Niedrigschwellige Angebote, damit die Nachzucht wenigstens einmal öffentlich sichtbar wird und nicht in der züchterischen Versenkung verschwindet - Fehlanzeige.

    Die Züchterin von Cara hat weder mit ihren eigenen Pudeln noch mit den Tibis ihrer Schwester in irgendeiner Weise gearbeitet. Sie bezog sich auf die Wesensart, nicht auf das Vorführen von Kunststückchen.


    Sie selbst fand, daß Pudel mehr Ausstrahlung haben. Ihre Schwester schätzte dagegen das zurückhaltendere Wesen der Tibis.

    Ob man die eine oder die andere Wesensart mehr mag, ist einfach Geschmacksache.

    Die Züchterin meiner Kleinpudelhündin hatte auch mit Tibetterriern zu tun, da ihre Schwester solche besaß und die auch oft bei ihr in Pflege waren. Sie sah die Unterschiede im Wesen ganz wie du sie schilderst, danimonster . Die Pudel beschrieb sie grob gesagt als extrovertiert und die Tibetterrier im Gegensatz dazu als introvertiert. Der Pudel kann halt seine Vergangenheit als Artistenhund nicht verleugnen und genießt Aufmerksamkeit und Applaus! :smile:

    Sherly : mein Eindruck über die Jahre war immer, daß es schon einen Unterschied macht, ob man eine gesuchte und seltene Farbe wie Black and Tan haben möchte oder ob es auch ein schlichter Schwarzer sein darf. Die sind ja bei den Kleinpudeln sehr stark vertreten. aber als Farbe eher nicht so beliebt.

    War dir die Farbe bzw die Züchterin wichtig oder hättest du auf einen schwarzen Pudel, gegebenenfalls bei einer anderen Züchterin, ebenso lange warten müssen?

    Den Boston Terrier solltest du von deiner Liste streichen - brachyzephale Rassen bringen ihre Gesundheitsprobleme alleine durch die Anatomie mit. Auch wenn der Körperbau des Boston sportlicher ist als bei Mops und Bully - am Grundproblem des verkürzten Gesichtsschädels und aller damit zusammenhängenden Leiden ändert sich nichts. Dazu zählt nicht zuletzt die schlechte Thermoregulation, wodurch die Brachyzephelen bei Wärme nicht belastbar sind.

    Ich weiß nicht, wie es im Moment bei Kleinpudeln in punkto Beliebtheit und Nachfrage aussieht. Lange Zeit war der Kleinpudel im Vergleich zu Groß- und Zwergpudel die am wenigsten gefragte Pudelgröße. Wenn ihr euch darüber hinaus nicht auf eine bestimmte Farbe festlegt, vergrößert ihr die Auswahl erheblich.

    Zum Jagdtrieb bei Pudeln: es gibt die ganze Bandbreite von gar nicht über mäßig bis ausgeprägt. Vorhersagen kann man das nicht. Wobei man Pudel in dieser Hinsicht trotzdem nicht mit echten Jagdgebrauchshunden vergleichen kann.

    Ich finde, Pudel sind einfach durchschnittliche Otto-Normalhunde, was den Jagdtrieb betrifft. Das gehört zu den allermeisten Hunden nun mal dazu.

    Manche Menschen erwarten aber gar nicht, daß ihr "liebes" Pudelchen überhaupt so etwas wie Jagdtrieb entwickelt und sind dann maßlos überrascht, wenn die süße Bella nicht nur mit Blättchen und Amseln "spielt", sondern "plötzlich und unerwartet" auch Hasen hetzt.

    Wer sich dessen bewußt ist, daß auch Pudel richtige Hunde sind, wird schon beim Welpen und Junghund auf Anzeichen von Jagdtrieb achten und früh gezielt gegensteuern. So wie bei anderen Rassen eben auch. Pudel lassen sich gut erziehen, aber es macht auch bei Pudeln Arbeit, die man nicht scheuen darf.

    Ob ein Hund gerne kuschelt, liegt mehr am Individuum als an der Rasse. Viele Welpen machen sowieso aus jedem Nahkontakt am liebsten ein Beiß- und Raufspiel und lernen sanftes Streicheln erst mit zunehmendem Alter zu genießen.