Beiträge von dagmarjung

    Sehen die nicht, dass ihr Hund sich gerade ziemlich rüpelig verhält? Ist es ihnen egal?

    Nein, diejenigen, die es so laufen lassen, sehen es wirklich nicht. Für sie kennt der Hund an sich nur zwei Aggregatzustände: "Tut was" = beißt oder "tut nix" = beißt nicht. "Tut nix" umfaßt dabei alles andere außer zubeißen, darunter auch belästigen, mobben, provozieren usw.

    Wehrt sich der so angegangene Hund dann mit den Zähnen, ist er automatisch der Böse und der eigene Hund hat "nichts getan".

    Patte :

    Der Kopf der Bulldogge auf dem Bild aus dem Vortrag wirkt nur deshalb so überdimensioniert, weil die Kamera so dicht dran ist. Du kennst den verzerrenden Effekt sicher von Spaßbildern, bei denen ein Tier die Nase direkt an der Kamera hat. Dann wirkt alles, was vorne ist riesig und der Rest wird nach hinten hin schnell immer kleiner.

    Auf dem Bild hier ist die Kamera nicht ganz so nah dran, aber doch nah genug, um die eigentlichen Proportionen des Hundes zu verzerren.

    Das ist für den Zweck der Aufnahme aber egal, sie dient ja nur dazu, die Platzierung der Marker auf dem Hund zu zeigen.

    Auf der folgenden Röntgenfilmaufnahme sieht man, daß Kopf und Rumpf im normalen Verhältnis zueinander stehen. Es handelt sich also durchaus um einen typischen Vertreter seiner Rasse.

    Aus diesem Grund würden mich zahlen interessieren bei wie vielen das so arg ausgeprägt ist.

    Solange eine französiche Bulldoge aussieht wie eine französische Bulldogge nun mal aussieht: 100 %.

    Sicher gibt es Abstufungen, und nicht jeder Hund leidet im selben Ausmaß an allen typischen Symptomen. Aber keiner ist so "normal gesund" wie ein Hund mit normaler, funktioneller Anatomie.

    Das Problem bei Bully, Mops & Co ist, daß der gewollte Rassetyp eine bestimmte Anatomie das Skeletts aufweist, die in sich krankhaft ist. Aus dieser Fehlbildung des Skeletts gehen biologisch und physikalisch bedingt verschiedene Leiden hervor. Nicht umsonst ist die Bezeichnung des Hundetyps "brachyzephale Rassen" dieselbe wie die Bezeichnung des Krankheitsbildes "brachyzephales Syndrom".

    Es ist also nicht so, daß man einen Hund mit einem bestimmten Aussehen hat, und der kann dann entweder krank oder gesund sein. Sondern ein Hund, dessen Knochenbau sich so weit von der normalen Funktion entfernt hat, kann nicht gesund sein. Die Anatomie ist an sich krankhaft und eine Mißbildung, die Leiden hervorruft.

    Patte, hast du eigentlich diesen Thread durchgelesen, bevor du selbst dazu schreibst? Falls nicht, solltest du das nachholen.

    Die TE war anfangs auch der Meinung, daß ihre beiden Bullys zwar nicht super sportlich, aber doch fit und alles andere als krankgezüchtet sind. Viele, sehr viele Fallbeispiele, auch von Tierärztinnen, die hier mitschreiben, ließen dann doch Zweifel wachsen. Aus gegebenem Anlass plante sie zuletzt, ihre beiden Hunde in einer spezialisierten Tierklinik untersuchen lassen.

    Im Alter von einem Jahr oder weniger sind auch Bullys, Möpse und andere Brachyzephale meist noch ganz gut aufgestellt und aktiv. Das Bild ändert sich aber regelmäßig mit fortschreitendem Alter. Viele Hundehalter, die zunächst stolz auf ihre freiatmenden jungen Bullys oder Möpse waren mußten das schon erleben. Nach zwei, drei Jahren liegt der Hund bei sommerlichen Temperaturen nur noch platt auf dem Bauch und sucht Kühlung, während andere Rassen noch voll aktiv sein können.

    Leider nehmen längst nicht alle Besitzer die langsame Verschlechterung wirklich wahr. Das hängt nicht zuletzt mit einem Gewöhnungseffekt zusammen, wenn sich ein Zustand nicht drastisch, sondern über längere Zeit hinweg verändert. Auch wünscht man sich ja vielleicht gerade einen ruhigen Hund als Begleiter, da ist es doch schön, wenn die Gassigänge kürzer ausfallen können. Nur ist es für den Hund selbst alles andere als schön, wenn er so unter seinem Körper leidet, daß er im besten und normalerweise aktivsten Alter nur noch so belastbar wie ein Hundegreis ist.

    Man kann sich auch vieles schönreden. "Sie ist halt schon alt" sagte die Besitzerin über ihre sehr matte und stark hechelnde Mopshündin. "Schon 6 Jahre!" Ich schaute auf meine muntere Pudelhündin, die mit ihren 11 Jahren fast doppelt so alt war, aber dreimal so fit.

    In der Stadt wird von der Gesellschaft auch erwartet, dass ein Hund "funktioniert", sich immer gut benimmt, unauffällig und freundlich ist, niemals laut ist...

    Das war für mich auch ausschlaggebend, als ich damals vor der Entscheidung stand. Daß der Hund solche nicht geringen Anforderungen einigermaßen voraussagbar erfüllen kann. Denn ich bin Single, wohne inder Mietwohnung ohne Garten und da feDazu standen kleine Größe, jung, gesund und motivierbar für Hundesport auf meinem Wunschzettel.

    Und Hunde aus dem Tierschutz, die dieses Anforderungsprofil erfüllen, die "rettet" man nicht, sondern für die gibt es in jedem Tierheim Wartelisten.

    (Auch bei mir wurde es dann ein Kleinpudel vom Züchter.)

    Google doch mal "Brachyzephalie" und "Tierklinik". Es gibt Kliniken, beispielsweise in Leipzig, Ismaning und Hofheim, die sehr viel Erfahrung mit dieser Problematik haben und sich quasi darauf spezalisiert haben. Dort würde ich den Hund zur Diagnose vorstellen und mich beraten lassen. Was gemacht werden muß und kann, ist ja bei jedem Hund etwas anders und hängt von den Umständen ab.