Wäre es denn ein Schaden, dem Hund einfach noch mehr Entwicklungszeit zu geben, ehe man im Sport durchstartet?
Das ist auf jeden Fall eine Überlegung wert, aber man muß es für jedes Hund-Mensch Team selber herausfinden.
Ich habe mit Cara praktisch von Anfang an neben der "Pflicht" wie Abruf, Leinenführigkeit, Warten usw, auch schon die "Kür" wie Nasenarbeit, Anfänge das Apportierens und Clickertricks gemacht. Mit richtigem Dummytraining haben wir begonnen, als Cara etwa 9 Monate alt war. Das hat uns beiden viel Freude gemacht und Cara kein bißchen geschadet.
Klar saßen da so einige Basics noch nicht. Grundlagen waren gelegt, aber das war noch nicht gefestigt.
Aber das frühe Trainieren von Spaßübungen hat in meinen Augen auch Vorteile:
Ich bin zB viel lockerer an Übungen herangegangen, die nicht unbedingt klappen "müssen" und konnte das auch auf "wichtige" Übungen übertragen.
Nasenarbeit und Dummytrainig sind in starkem Maß selbstbelohnend, der Hund lernt früh, daß gemeinsames Tun mit dem Menschen Freude macht.
Die normalen Gehorsamsübungen wie Abruf, Leinenführigkeit, Sitz und Platz trainiert man zwar auch mit Belohnung und möglichst viel Spaß, aber in ihrem Wesen sind sie ja doch dazu bestimmt, den Hund in seinem Explorationstrieb zu hemmen und ihn zu kontrollieren: er soll nicht zum anderen Hund oder gar dem Hasen nachlaufen, sondern zu uns kommen. Er soll nicht schnüffeln und stehenbleiben, sondern uns an der lockeren Leine folgen. Er soll nicht überall herumwuseln und seine Umgebung erkunden, sondern an einem bestimmten Platz ausharren, bis wir ihn abholen oder rufen usw. Egal, wie nett man das alles trainiert, im Grunde sind das aus Hundesicht alles spaßbremsende Übungen.
Da finde ich es doch schön, wenn es ein Gegengewicht gibt in Form von Übungen, in denen man gemeinsam zu einem Erfolg kommt, der für Hunde ganz unmittelbar verständlich ist. Wenn das gesuchte Objekt gefunden wird oder die Beute "gejagt" und geholt wird.
Gerade im Dummytraining werden außerdem Basics wie Frusttoleranz und Leinenführigkeit unter Ablenkung quasi automatisch mittrainiert.
Man muß mit Fingerspitzengefühl an die Sache herangehen und abwägen, was und wieviel für den eigenen Hund in jeder Phase (Welpe, Junghund, Pubertät) gut und was zuviel ist. Das kann auch mal wechseln, je nach dem Entwicklungsstand des Hundes.