Beiträge von dagmarjung

    Es gab mal eine größere repräsentative Umfrage unter TherapiehundehalterInnen und tatsächlich dominierten da eindeutig die Labrador Retriever und an zweiter Stelle kamen die Golden Retriever. Und zwar nicht nur in der Anzahl, sondern auch bei der Frage: "Würden sie als Nachfolgerhund wieder dieselbe Rasse wählen oder wechseln". Die Zufriedenheit mit diesen beiden Rassen war sehr hoch, bei anderen Rassen war die Tendenz zum Wechsel größer.

    (Diese Untersuchung wurde vor Jahren in der Zeitschrift "SitzPlatzFuß" veröffentlicht.)

    Davon abgesehen gibt es natürlich großartige Sozialdienst/Therapiehunde aus allen möglichen Rassen und Mischungen, auch aus solchen, bei denen man es nicht ohne weiteres vermuten würde. Es kommt ja auch immer darauf an, was genau der Hund leisten soll und in welchem Zusammenhang.

    durfte aber meines Erachtens nicht weichen, als sie gewollt hätte, das fand ich schon grenzwertig.

    Das ist meiner Meinung nach nicht nur grenzwertig, sondern ein absolutes no-go in jeder seriösen Arbeit mit Sozial/Therapiehunden. Den Hund über Gehorsam zum Kontakt zu den Klienten zu zwingen oder zu halten, zerstört auf Dauer die Motivation des Hundes und das Vertrauen des Hundes zum Halter. Gerade in der mental anstrengenden sozialen Arbeit mit Menschen ist es extrem wichtig, daß sich der Hund 100%ig auf den Schutz seiner Bezugsperson verlassen kann und niemals in unangenehmen Situationen allein gelassen wird. Wenn dem Hund verboten wird, sich zurückzuziehen, bleibt ihm ja als Alternative nur der Angriff, wenn es ihm zuviel wird. Das ist also brandgefährlich.

    Gehorsam hat schon einen Platz in dieser Arbeit, wenn es zB darum geht, daß der Hund niemanden belästigt oder anspringt, sich auf Befehl ablegt usw. Aber er muß einen Kontakt immer nach eigenem Willen abbrechen und sich zurückziehen dürfen.

    Auch für die Klienten ist das wichtig, sie bekommen damit eine Rückmeldung für ihren Umgang mit dem Hund und können so lernen, seine Bedürfnisse zu lesen und darauf Rücksicht zu nehmen.

    Mit dem Älterwerden hat sich trotzdem eine weitgehende Ignoranz entwickelt. Sie ignoriert Spaziergänger und Passanten, will auch nicht hin, wenn ich stehenbleibe und kurz plaudere. Wenn sie aber jemand lockt, dann reagiert sie meistens, aber da dann beide Seiten offenbar Kontakt wollen, Kaya ruhig und gesittet ist, ist das für mich okay. Sie wendet sich auch recht schnell wieder ab.

    So würde ich das bei Cara auch beschreiben.

    Aber hier ist der Status Quo, dass von der TE der Ist-Zustand als belastend und problematisch empfunden wird.


    Da braucht es einen Reset und ganz klare Regeln.

    Ich fand das bei Cara auch durchaus problematisch. Zumal sie als Junghund noch nicht gut unterscheiden konnte, wer wirklich Kontakt zu ihr wollte und wer nicht. Es kam vor, daß sie Leute begeistert begrüßt hat, die ihr nur irgendwie auffielen, zB durch lebhaftes Reden untereinander. Es gab schon gelegentlich peinliche Momente und mir war es sehr wichtig, da erzieherisch einen Fuß in die Tür zu kriegen.

    Schön, daß ihr Fortschritte macht! Und daß ihr offensichtlich euren eigenen Weg dabei findet.

    Ich bin mir nicht sicher, ob das dieses kontrollierende Verhalten ist oder sie einfach nicht allein sein möchte

    Hunde sind nun mal gesellige Tiere. Gemeinsames Ruhen ist normal. Meine Cara hat ihr ganzes Leben lang dort geruht und geschlafen, wo ich gerade war. Nur ausnahmsweise ist sie mal ins Schlafzimmer gegangen, wenn ich noch im Wohnzimmer war.

    Meine Kleinpudelhündin Cara war auch lebenslang sehr an Menschen interessiert. Das war für mich eine große Umstellung, denn meine beiden früheren Hunde waren höflich-zurückhaltend (Schäferhündin) bzw regelrecht scheu (Sheltie) gegenüber Fremden gewesen. Caras ausgeprägte Kontaktfreude war mir zunächst wesensfremd, aber ich habe gelernt, damit umzugehen.

    Daß man nicht einfach auf jeden Menschen zulaufen und mit ihm kontaktieren darf, war in Caras Jugend eines unserer wichtigeren Erziehungsthemen. Als Junghund neigte sie zB dazu, sich schon von Leuten eingeladen zu fühlen, die lediglich mit dem Handy telephonierten. :roll:
    Mit 16 Monaten war das Thema auch bei uns noch lange nicht durch.

    Das Verhalten kann verschiedene Ursachen haben. Meiner Meinung nach ist es aber keineswegs immer ein Konfliktverhalten.

    Pudel sind bekanntermaßen "Menschen"hunde, in dem Sinne, daß Menschen als Sozialpartner für sie die allerwichtigste Rolle spielen. Wenn ich mit Cara in die Welpenstunde ging oder mich mit Hundebekannten zum Spaziergang traf, begrüßte sie die Menschen stets zuerst und danach eventuell auch die Hunde.

    Cara genoß es lebenslang, von Menschen, auch Fremden, beachtet und bewundert zu werden. Und natürlich taten ihr viele den Gefallen. Wenn sie zB in der Straßenbahn zu meinen Füßen saß, scannte sie aktiv die Gesichter der Leute und wer sie dann anlächelte, der hatte verloren wurde angeflirtet. Mit seelenvollem Augenaufschlag, an-die-Beine-Schmiegen, das ganze Programm. Nach kurzer Zeit hatte Cara dann genug, wandte sich wieder ab und gegebenenfalls der nächsten Person zu oder sie zog sich zu mir zurück.

    Wichtig war ihr, das lernte ich im Laufe der Zeit, den Kontakt nach ihrem Wunsch zu beginnen und auch wieder zu beenden.

    Das alles war aber kein Stressverhalten oder Fiddeln, sondern eher Unterhaltungsprogramm für meine Pudeline. (Auch genannt: "das Partygirl".) :hust:

    Da dieser Wesenszug einfach zu ihr gehörte, auch wenn ich zunächst sehr damit gefremdelt habe, wollte ich ihr diese Kontaktfreude auch nicht komplett aberziehen, das wäre gegen ihren Charakter gegangen. Ich habe aber intensiv und auch erfolgreich daran gearbeitet, es unter Kontrolle zu bringen. Sie durfte gelegentlich flirten, wenn ich es erlaubte, nach Absprache mit den Betreffenden. Aber nicht immer und überall, und Ein "Platz", "Halt" oder "Nein" galt auf jeden Fall auch wenn jemand noch so nett Dutzidutzi flötete.

    (Auch wenn das Gegenüber mich bösen Hundequäler dann nicht mehr liebhatte. :roll:)

    Was im Welpen und Junghundealter noch recht wahllose Aufdringlichkeit war, wurde mit der Zeit immer weiter differenziert, siehe Beispiel oben. Ich konnte es erlauben oder verbieten, je nach Situation. Cara ist auch nicht eskaliert und den Leuten vor lauter Aufregung ins Gesicht gesprungen, daher konnte ich Kontakt zulassen, ohne die Leute zu verschrecken. Die handliche Größe ist da natürlich auch ein Vorteil.

    Obwohl das Anbiedern bei Fremden seinen Ursprung sicherlich im aktiv/unterwürfigen Welpenverhalten hat, hat Cara im Laufe der Zeit einen durchaus erwachsenen Umgang damit erlernt.

    Diese Neigung hat ja auch positive Aspekte. Man macht Menschen Freude. Es war oft berührend, die Leute lächeln zu sehen, und viele nette Gespräche haben sich dadurch ergeben. In den letzten Jahren waren Cara und ich ein ehrenamtliches Besuchshundeteam in Seniorenheimen. Dafür sind menschenfreundliche Hunde gesucht. Davor waren wir schon in einer ähnlichen Tätigkeit, haben Schulklassen besucht und Kindern den Umgang mit Hunden vermittelt.

    Man muß natürlich dabei gut unterscheiden, ob der Hund fiddelt, also soziale Annäherung als Konfliktlösung zeigt, oder ganz unbefangen Kontakt sucht.

    Ich hoffe, meine Erfahrungen machen dir etwas Mut. Ein Hund von 16 Monaten ist schon so groß und wirkt schon so erwachsen, daß man gelegentlich zu viel von ihm erwartet, gerade was Themen rund um Selbstkontrolle und sich zurücknehmen betrifft. Manches dauert aber doch etwas länger und dann ist Durchhalten die Parole. In dem Alter konnte ich auch von Cara einiges noch nicht verlangen, was später eine Selbstverständlichkeit war, zb ohne Leine an ballspielenden Kindern vorbeigehen. Da hätte ich in dem Alter niemals erwartet, daß das mal kein Thema mehr sein würde.

    Aber die 1-2 x pro Woche (oder auch weniger, das kommt auf die Woche draufan, sind auch mal 0 Mal) sind die unvermeidbaren. Also zum Beispiel jemand fragt ob er sie streicheln darf, ich sag nein und trotzdem ist die Hand schon auf ihrem Kopf. Oder aber ich sitze auf einer Bank und schreibe SMS, eine Frau geht ruhig vorbei und auf meiner Höhe lockt sie Tara plötzlich und streichelt sie.

    Da mußt vor allem du selbst noch an dir arbeiten. Beide Situationen waren vermeidbar. Vorausschauend und aufmerksam agieren ist aber Übungssache.

    Den Hund so platzieren, daß du immer zwischen dem Menschen und deiner Hündin stehst und blitzschnell entweder Hund oder Mensch blocken kannst.

    Mit deiner Hündin kommunizieren und nicht mit dem Smartphone. ;)

    Das meine ich übrigens in keiner Weise ironisch. Es ist mir zur zweiten Natur geworden, draußen immer mindestens ein Auge am Hund zu haben. Das funktionierte prima, auch wenn ich mit Bekannten unterwegs war und mich lebhaft mit ihnen unterhielt, also geistig nicht 100 % beim Hund war. Meine Cara hielt auf Spaziergängen stets guten Kontakt, achtete auf mich und blieb in meiner Nähe, ein richtig braver Hund.

    Eine Zeitlang wollte ich aber ein Smartphone-Spiel namens Ingress spielen, bei dem man sich draußen bewegt und an bestimmten Punkten Spielaufgaben erledigen muß. (Ein direkter Vorgänger von Pokemon Go.)

    Und meine so toll erzogene Hündin merkte, daß meine Aufmerksamkeit komplett weg war - mit beiden Augen am Smartphone - , sagte sich "das kann ich auch", machte sich selbstständig und ging ihren eigenen Interessen nach. Ich hab das Spiel dann sein gelassen, denn ständig anleinen wollte ich Cara auch nicht.

    Aber warum will man sie erhalten? Das ist eine ernsthafte Frage.

    Warum nicht? Nichts spricht dagegen. Durch die Einkreuzung passender Hunde kann die genetische Vielfalt sehr schnell und wirkungsvoll erweitert und damit auch Robustheit und Vitalität wiederhergestellt werden. Es ist also ein erreichbares Ziel, die derzeitigen Probleme zu lösen.

    Bei einer Rasse wie dem Mops sieht das ganz anders aus. Hier träumen die Züchter davon, daß der Mops zwar gesünder wird, aber dabei in seinem Erscheinungsbild erhalten bleibt. Das kann aber nicht funktionieren, weil das Erscheinungsbild, also die Deformation des Skeletts, die direkte Ursache der Leiden ist. Wenn man nun andere Rassen einkreuzt, dann sehen die Mischlinge nicht wie Möpse aus. Kreuzt man anschließend wieder auf den Mops zurück, ist Deformation und alle sich daraus ergebenden Nachteile auch wieder da.

    Den Mops kann man daher nicht als gesunde Hundrasse erhalten.

    Und wenn ich - rein subjektiv - die Hunde im Forum vergleiche, so haben die kleinen Rassen zwar eine höhere Lebenserwartung, fangen aber früher an zu altern bzw sind länger alt.

    Das sehe ich ganz anders bei den Hunden meiner näheren und weiteren Bekanntschaft. Ich war schon oft froh über meinen Kleinhund, der noch einige gute Jahre vor sich hatte, als größere Hunde im selben Alter schon deutliche Alterserscheinungen zeigten. Das trifft ebenso auf andere Kleinhunde in meiner Umgebung im Vergleich zu großen Hunden zu. Kleine Hunde sind nicht einfach länger Greise als große, sondern haben auch mehr "beste Jahre" zur Verfügung.

    Die individuellen Unterschiede sind allerdings in allen Größenklassen erheblich.

    Für mich ist Langlebigkeit nicht gleichbedeutend mit Gesundheit.

    Ist es auch nicht.

    Aber durchaus ein Hinweis darauf.

    Vor allem ist Langlebigkeit aber viel exakter zu erfassen als gesund oder krank. Ist mein Hund krank, wenn er bestimmte Futtermittel nicht verträgt? Oder erst, wenn er dauerhaft spezielle Diät oder Medikamente braucht, damit aber ohne Beeinträchtigung leben kann? Oder erst dann, wenn er leidet? Ab wann ist die Abnutzung von Gelenken, die das Leben halt mit sich bringt, nicht mehr normal sondern krankhaft?

    All das läßt sich endlos diskutieren, aber nicht exakt messen.

    Ob ein Hund aber lebt oder tot ist, das ist eindeutig.

    Und wenn die so erfasste Lebenserwartung einer Rasse merklich über dem Durchschnitt ihrer Größen/Gewichtsklasse liegt, dann läßt das schon einige Rückschlüsse auf die allgemeine gesundheitliche Robustheit - oder eben Anfälligkeit der Rasse zu. Auch wenn ein Hund natürlich unter HD oder Bandscheibe leiden und trotzdem alt werden kann.

    Und der Stammvater des Hundes ist ja der Wolf

    Das ist etwas verkürzt. Genauer wäre es so ausgedrückt: Heutige Wölfe und Hunde gehen auf dieselben Vorfahren zurück. Und wie die Vorfahren der Hunde eigentlich aussahen, ist noch längst nicht klar. Einige Biologen sind der Ansicht, es wären besonders kleinere Wolfsunterarten gewesen, die sich dem Menschen anschlossen. Nur etwa so groß wie größere Shelties. Also wirklich nicht besonders beeindruckend von der Größe her.

    (Heute haben wir meist die besonders große Unterart der nordamerikanischen und kanadischen Wölfe vor unserem inneren Auge, wenn wir an Wölfe denken, weil sie am häufigsten in Zoos gehalten und am ausgiebigsten mittels Bildmaterial dargestellt wird.)

    Das würde zum einen erklären, warum die Steinzeitmenschen solche kleinen Protohunde für ungefährlich genug hielten, um sie unmittelbarer Nähe ihrer Lager (und ihrer Kinder) zu dulden.

    Und zum anderen die Tatsache, daß kleinere Hunde im Schnitt älter werden als größere. Im Sinne von: das ist die ursprünglich biologisch optimale Größe für Hunde.

    Und nach meiner persönlichen Ansicht könnte es einen weiteren bemerkenswerten Unterschied zwischen Hunden und heutigen Wölfen erklären, nämlich daß Hündinnen zweimal im Jahr läufig werden. Viele Nachkommen in kurzer Folge zu bekommen macht ja vor allem dann Sinn, wenn man klein und weniger wehrhaft ist und demzufolge höhere Verluste ausgleichen muß.

    Der Verein publiziert jährlich sehr transparent sämtliche Ergebnisse der Untersuchungen.

    Ja, für mich ist die KZG Eurasier ein leuchtendes Beispiel dafür, wie Rassezucht sein sollte. Der Verein tut wirklich alles zur Förderung und Kontrolle der Gesundheit. Wenn neue Auffälligkeiten auftauchen, auch in geringer Zahl, wird dem konsequent nachgegangen anstatt es unter den Teppich zu kehren wie bei vielen anderen Zuchtvereinen.

    Mindestens ebenso wichtig ist aber in meinen Augen, daß die genetische Vielfalt aktiv gefördert wird, zB in dem die Decksprünge pro Rüde eng begrenzt werden und andererseits möglichst viele Rüdenbesitzer ermuntert werden, ihre Hunde in der Zucht einzusetzen.


    Tja und dann noch: Mischlinge leben im Durchschnitt 1 bis 2 Jahre länger als gleichgroße Rassenhunde. Wäre also auch einen Gedanken wert…

    Auf jeden Fall!

    Neben der Übertreibung von Rassemerkmalen, die zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen können besteht eine Rasse nun mal aus Tieren, die erst durch Inzucht so einheitlich wurden, daß bestimmte Merkmale sicher vererbt werden. Diese genetische Verengung wirkt sich aber negativ auf die Gesundheit bzw auf die Langlebigkeit aus.

    Den obigen Satz sollten sich Züchter an den Spiegel hängen und jeden Tag darüber nachdenken, wie sie die genetische Vielfalt in ihrer Rasse aktiv fördern könnten, um ihre Hunde robust und langlebig zu machen bzw zu erhalten. Die KZG Eurasier macht vor, wie sowas geht.