Beiträge von dagmarjung

    Ich wecke sie nicht stündlich auf. Ich gehe nur stündlich raus, wenn sie wach ist. Sonst nach jedem schlafen, trinken, fressen und spielen.

    Das ist gut und du machst das genau richtig! :smile:

    Ich weiß das liebe bedingungslos ist, ich kenne diese Liebe von meiner Tochter. Aber bei einem Hund ist es nicht zu vergleichen. Ich kann Molly lieb haben, aber ich darf auch enttäuscht von ihr sein und böse auf sie. Solange ich ihr nichts lebenswichtiges verwehre mache ich nichts falsch.

    In diesem Punkt bist du im Irrtum.

    Man kann von Menschen enttäuscht sein und daher böse auf sie. Menschen sind ab einem gewissen Alter für ihr Tun verantwortlich. Sie können einem bewußt Schaden zufügen, einen im Stich lassen und vieles andere mehr.

    Aber es macht überhaupt keinen Sinn, von Tieren enttäuscht und daher böse auf sie zu sein. Tiere sind einfach so wie sie sind und was sie tun, tun sie niemals, um dich zu ärgern. Tiere können unter Umständen gefährlich und agressiv sein, aber sie sind niemals verantwortlich für ihr Tun so wie ein Mensch es ist. Es ist eben ihre tierische Natur.

    Wenn du böse auf ein Tier bist, dann stülpst du ihm eine menschliche Rolle über, du vermenschlichst das Tier und empfindest ihm gegenüber so wie gegenüber einem Menschen, der dir etwas angetan hat.

    Wenn du von deinem Tier enttäuscht bist, dann hat das Tier keine Schuld. Der Fehler liegt immer bei dir, niemals beim Tier.

    (Wer das verinnerlicht, den Fehler immer bei sich zu suchen und nicht beim Tier, hat übrigens die besten Aussichten, ein wirklich guter Tierhalter und erfolgreicher Tierausbilder zu werden. )

    Schwanzwedeln heißt erstmal nur Erregung. Es kann mit freundlichen Gefühlen, aber ebenso mit agressiven Gefühlen verbunden sein. Sich an den Besuch herandrängen kann ein Ausbremsen, sich quer Davorstellen sein. Ebenso wie das Kopfauflegen, über das schon gesprochen wurde.

    Das Dumme ist, daß Menschen all diese Signale des Hundes als Zuneigung interpretieren und fast automatisch mit Streicheln reagieren anstatt mit Rückzug. Der Hund wertet das dann als weitere Eskalation und wird seinerseits deutlicher. Dann ist es bis zum Biß nicht mehr weit.

    Du wirst deinen Hund nicht zum Menschenfreund umpolen können. Trenne ihn vom Besuch und zeige ihm, daß du verläßlich dafür sorgst, daß ihm niemand zu nahe kommst.

    Da er auch draußen nach Vorbeigehenden schnappt, ist ein Maulkorb unbedingt erforderlich! Denn du kannst nicht jede Situation in der Öffentlichkeit so kontrollieren, daß kein Risiko für andere Menschen besteht. Bitte warte nicht bis er wirklich einmal zubeißt! Denn dann bekommst du Anzeige, Auflagen usw.

    PS: er ist schon ein sehr Hübscher! :smile:

    Gerade deshalb ist es umso wichtiger, daß er einen Maulkorb trägt, weil so hübsche helle Hunde gerne auch ungefragt angefaßt, angesprochen und gelockt werden.

    Ob da ein Labrador drinsteckt oder ein Herdenschutzhund, ist eigentlich fast egal, weil der Hund allein durch sein Verhalten deutlich zeigt, wer er ist und was er (nicht) will. Und genau damit mußt du arbeiten.

    Mein Mann sagt auch schon abgeben und einen erzogenen erwachsenen Hund holen. Aber ich glaube wenn ich sie abgebe dann werde ich keinen Hund mehr holen. Hunde aus dem Tierheim sind ja auch oft etwas kaputt bzw. Verstört oder so.

    In dieser Frage gebe ich dir recht. Ich finde es gut, daß du dir keinen weiteren Hund holen willst.

    Ein neuer erwachsener Hund macht auch viel Arbeit, denn man muß so gut wie immer die Erziehungsfehler und Versäumnisse der Vorbesitzer nachbearbeiten. Und das kann langwieriger und schwieriger sein, als einem Welpen neue Dinge beizubringen, weil der Hund bis dahin schon seine Gewohnheiten entwickelt hat. Selbst wenn der Hund bei seinem früheren Besitzer mustergültig brav war, muß der neue Besitzer trotzdem alles für sich neu erarbeiten.

    Ein Hund ist nämlich kein Elektrogerät mit Automatik. In einer neuen Beziehung wird alles wieder neu ausgehandelt.

    Es würde dir also gar nichts bringen, wenn du deinen Welpen gegen einen erwachsenen Hund austauschen würdest. Die Probleme wären dann andere, aber genauso groß.

    Da du so gar keine Freude an der Erziehung eines Hundes hast, besteht auch kein Grund, dir einen anzuschaffen. Kein Hund verhält sich immer mustergültig, auch ein gut erzogener hat seine eigenen Wünsche und Ideen und will nicht immer so wie du. Erziehung findet im Grunde lebenslang statt.

    Und Rücksichtnahme auf die Bedürfnisse das Hundes erfordert auch beim besterzogensten Hund einiges an Verzicht vom Hundehalter. Zeit, die man extra für den Hund und nichts anderes aufwendet, man kann nicht immer und überall hin mit ihm, er kostet Geld (Tierarzt!), macht Dreck usw.

    (Nebenbei: wirklich gute HundehalterInnen stellen immer wieder fest, daß ihr Hund sie ebenso erzogen hat wie sie ihn. Das ist so, wenn man wirklich als Team zusammenwächst.)

    Wenn ich mich an Cara als Welpe erinnere, da gab es täglich hundert Gelegenheiten, sie zu loben und mich zu freuen. Alles, was klappt ist toll und lobenswert und nichts ist selbstverständlich.

    Jeder, der seinen Welpen mag wird das so sehen.

    Klar muß man gerade Welpen auch mal korrigieren und sie von unerwünschten Tätigkeiten abhalten. Sie können ja noch nicht wissen, was sie dürfen und was nicht und brauchen ihre Zeit, um das zu lernen. Aber das ehrliche, freudige Lob muß weit überwiegen. Mindestens 10 zu 1.

    Gibt es sowas wie Wochenbettdepression bei Welpeneinzug?

    Das gibt es tatsächlich tatsächlich, aber: das trifft typischerweise Menschen, die sich vorher sehr intensiv - eher zu intensiv - auf den Welpen vorbereitet haben. Und dann ist er da und die Verantwortung, dieses kleine Wesen glücklich zu machen, fühlt sich erdrückend an. Menschen, die unter "Welpenblues" leiden, machen aber nicht den Welpen dafür verantwortlich, sondern zweifeln, ob sie ihren eigenen sehr hoch gesteckten Ansprüchen als HundehalterIn jemals entsprechen können.

    Und ganz ehrlich: all das sehe ich bei dir nicht.

    Dann haben wir es mit ihrem lieblingsspielzeug einem Plüschtier versucht.

    Was genau tut sie denn mit ihrem Lieblingsspielzeug, wenn sie sich damit beschäftigt? Schildere das doch bitte mal, vielleicht kann man da ansetzen.

    Es gibt einige wichtige Grundlagen für echtes Spiel. Echtes Spiel findet nur dann statt, wenn beide Partner sich wohl fühlen. Wer Angst hat oder gestresst ist, kann nicht wirklich spielen, denn das Spiel mit einem Partner braucht gegenseitiges Vertrauen.

    Eine zweite Grundlage ist, daß Spielen auf Augenhöhe stattfindet. Es gibt kein "du mußt" und beide Spielpartner dürfen gleichermaßen die Regeln des Spiels bestimmen. Wenn immer nur einer die Regeln bestimmt, ist es kein echtes Spiel. Spiel ist auch keine Pflichtübung. Wer keinen Spaß mehr hat, darf das signalisieren und aufhören.

    Der Reiz des gemeinsamen Spiels liegt darin, daß beide Partner sich so intensiv aufeinander einstellen, daß die gemeinsame Freude über eine gewisse Zeit erhalten bleibt.

    Deine kleine Hündin kann auf jeden Fall spielen. Wenn sie kein Einzelwelpe war, hatte sie ja ihre Geschwister als Spielpartner zur Verfügung. Es kann allerdings sein, daß sie das Spielen mit Menschen noch nicht kennt und erst erlernen muß. Alle Welpen und Junghunde haben von Natur aus das Bedürfnis, zu spielen.

    Ich versuche ihn draußen viel auszupowern, da er nicht unbedingt kommt, wenn ich rufe, macht es die Sache etwas schwieriger.

    Was verstehst du genau unter auspowern? Wie lange und in welcher Umgebung gehst du spazieren, was tust du dabei und was darf der Hund tun?

    Wenn ein Hund neu ins Haus kommt, hat er zunächst einmal reichlich mit der Umstellung zu tun. Sein Alltag sollte daher zunächst einmal sehr ruhig verlaufen und er sollte die neue Routine kennenlernen. Die Spaziergänge sollten ihm Gelegenheit zu ausreichend (ruhiger) Bewegung und Schnüffeln geben, ihn aber nicht durch Tobenlassen und viele neue Eindrücke hochpushen. Steigern kann man später immer noch.

    Er ist dadurch aber deutlich ruhiger als bei ihr zuhause, dort rammelt er ständig seine Spielzeuge und Kissen.

    Auch frisst er bei den Spaziergängen mit ihr Permanent Stöcke, das macht er bei mir so gut wie gar nicht mehr. Ist für mich auch ein Hinweis, dass er dieses Auspowern braucht.

    Rammeln ist ein Mittel zum Stressabbau. Stöckefressen deutet in dieselbe Richtung. Kauen und Rammeln beruhigt und verschafft gute Gefühle, wenn es einem nicht gut geht. Es ist ein gutes Zeichen, daß er bei dir weniger auf diese Hilfsmittel zurückgreifen muß.

    Ich bezweifle aber, daß er wegen "auspowern" darauf verzichtet, es sei denn, er wurde bisher immer nur um den Block geführt und erlebt bei dir zum erstenmal bedarfsdeckende Spaziergänge.

    Er ist sehr, sehr unruhig. Sobald ich den Raum verlasse, folgt er mir. Selbst nachts, wenn ich aufs Klo gehe.

    Das ist ganz normal für einen Hund, der neu eingezogen hat. Er ist zunächst einmal verunsichert und kennt dich noch nicht gut genug, um dir wirklich zu vertrauen. Daher muß er sich ständig davon überzeugen, daß du noch da bist. Er muß sich äußerlich holen, was er innerlich noch nicht hat.

    In dem Maße, wie er den neuen Tagesablauf kennenlernt und allmählich eine Bindung zu dir entwickelt, wird er sich entspannen und kann dann auch auf ständiges Hinterherlaufen verzichten.

    Ich würde daher vorerst auf jegliches Deckentraining verzichten. Damit eröffnest du sonst nur einen unnötigen Konflikt, weil er das noch nicht leisten kann und Stress hat, was wiederum seine Unsicherheit und das Kontrollbedürfnis erhöht.

    Was ich allerdings machen würde, ist schon von Anfang an gewisse Grenzen setzen, indem ich zB allein aufs Klo gehe oder den Müll rausbringe.