Körperliche Auslatung bzw. Gassigänge machen wir vor allem in der Stadt durch die Straßen, mit teilweise schnüffeln lassen, teilweise an der kurzen Leine neben uns gehend Meter zurücklegen.
Das ist keine körperliche Auslastung, sondern geistige Anstrengung für einen reizoffenen Hund. Er soll sich auf euch konzentrieren, muß dabei viele (zuviele) Reize verarbeiten, muß in einem an euch angepasstem Tempo laufen. Er kann sich also seelisch nicht entsopannen, gleichzeitig fehlt ihm aber körperliche Auslastung.
Alle paar Tage gehen wir mit ihm als großen Spaziergang auf eine größere Wiese in der Nähe wo er rennen kann und an der Schlepp "einfach mal machen kann".
Das ist ein guter Ansatz!
- Das Verhältnis sollte aber genau umgekehrt sein: längere Spaziergänge in der Natur mit möglichst freier Bewegung (wenn auch an der Schlepp) sollten tägliche Routine sein, die nur in seltenen Ausnahmefällen einmal nicht stattfindet. Lern- und Übungsgänge in Cafes, belebten Einkaufszonen usw sollten dagegen höchstens alle paar Tage eingeplant werden. Nur so kann der Hund seine Batterien auch wieder aufladen.
Mit der Zeit kann man dann auch mehr verlangen, der Hund wird ja noch reifer im Wesen. Aber er muß die Möglichkeit haben, in seinem Tempo und ohne Überforderung zu lernen.
In Summe kommen wir im Schnitt auf 1,5 Stunden pro Tag, bis vor kurzem eher weniger als das, jetzt versuchen wir aber eher mehr als das zu schaffen - meistens verteilt auf 3-4 Mal, ein längerer Spaziergang von 30-60 Minuten und die restlichen ca. 20 Minuten.
1,5 Stunden Gehorsam, Training, Reize aushalten und sich konzentrieren müssen ist viel zu lang für den Hund.
Aber: 1,5 Stunden Gesamtzeit Bewegung pro Tag ist deutlich zuwenig für einen jungen, aktiven Hund. Da liegt das Problem auch nicht an der Rasse, egal welche auch immer da drinsteckt. Jeder gesunde Hund hat in diesem Alter das Bedürfnis, sich zu bewegen, und zwar im eigenen Tempo, auch mal im Galopp und nicht ständig nur an kurzer Leine.
Mit meiner kleinen Pudelhündin Cara habe ich im selben Alter einen täglichen längeren Gang von etwa 2 Stunden eingeplant, dazu eine Morgenrunde von wenigstens 30 Minuten und noch ein, zwei mal Kurzgassi zum Lösen. Insgesamt kamen da schon 3 Stunden draußen zusammen. Klar mußte das je nach den Umständen auch mal gekürzt werden, aber hätte ich diese 3 Stunden in meinem normalen Alltag nicht zur Verfügung gehabt, hätte ich mir keinen Hund geholt.