Der Wunsch, auch im hohen Lebensalter noch mit einem Hund zu leben, ist nur zu verständlich. Ich durfte in den letzten Jahren zahlreiche ältere Menschen mit Hund kennenlernen. Ich teile sie in zwei Gruppen auf:
Die Realisten: sie planen ein, daß sie möglicherweise in ein, zwei oder fünf Jahren nicht mehr so fit sein werden wie heute. Auch steigt die Wahrscheinlichkeit, daß der Hund wegen Krankheit, Pflegeheim oder Tod in Betreuung gegeben oder an einen neuen Platz vermittelt werden muß. Das kann auch mal ganz unerwartet kommen!
Menschen, die früher immer große Hunde hatten, entscheiden sich nun für einen kleinen Hund, der auch kein Junghund mehr sein muß. Auch wenn das den Abschied von der bisherigen Lieblingsrasse bedeutet. Für Betreuung wird rechtzeitig vorgesorgt.
"Ich weiß wo Joschi hingeht, wenn ich ihn nicht mehr versorgen kann, und er wird mein letzter Hund bleiben, auch wenn ich ihn überlebe", so drückte es meine Freundin Hanna aus. (Joschi starb vier Jahre vor ihr, und sie hat ihn bis zum Ende vermißt. Ich habe sie oft mit Cara besucht, aber das ist nicht das gleiche.)
Ein erfolgreiches Züchterehepaar (Anfang 60) plant weit voraus: "In etwa fünf Jahren werden die meisten unserer derzeitigen Großpudel nicht mehr da sein. Wir werden ja auch älter, wir werden nach den jetzigen keine weiteren Großpudel mehr halten und züchten." Letztes Jahr zog eine junge Kleinpudelhündin bei ihnen ein.
Wer so denkt und handelt, vor dem habe ich tiefen Respekt und ich möchte mir daran ein Beispiel nehmen. Diese HundehalterInnen wollen für ihren Hund das Beste und lieber verzichten sie auf allerletzte Jahre mit Hund, als daß ein Hund bei ihnen zu kurz kommt, weil sie dem nicht mehr gewachsen sind. Zum Glück gibt es viele Menschen, die so vorauschauend sind.
Die Anderen: Älter werden konfrontiert einen unweigerlich mit dem Verlust von Fähigkeiten. Das ist bitter. Es ist auch schwer vorstellbar, wenn man sich augenblicklich noch wohl fühlt. Man kann natürlich die Augen vor der Zukunft verschließen und sich nach eigenem Gutdünken einen Hund holen. Man hatte ja immer schon Hunde und kennt sich aus.
Ich kenne leider etliche Fälle, in denen das wenig schön bis katastrophal ausging. Am geringsten wiegt da noch "der Problemhund": Der neue Hund ist so unfaßbar anstrengend, wie der oder die früheren es niemals waren. Ganz furchtbar! Junge Hunde sind aktiv, temperamentvoll, fordernd - man selbst ist aber seit dem letzten Welpen 15 Jahre älter geworden und es ist ein Unterschied, ob man diese Belastung mit 55 oder 15 Jahre später mit 70 Jahren stemmen muß, oder in noch höherem Alter. Die eigene Kondition ist dann einfach nicht mehr so wie früher.
Solche gefühlten Problemhunde "er ist ja so wild!"
kenne ich reihenweise. Es ist dann auch immer der Hund schuld oder der Züchter, nur nicht man selbst.
Katastrophal kann es werden, wenn man "schon immer" Rottweiler/Schäferhunde/xx hatte, und auch mit 80+ kommt nur solch ein großer eindrucksvoller Hund infrage. Der Ridgebackrüde, der in einem konkreten Fall daraufhin einzog, terrorisierte dann ab der Pubertät die gesamte Nachbarschaft bzw die Gassistrecken, fiel Hunde und deren Halter an, weil sein alter Besitzer ihm weder körperlich noch mental gewachsen war. Er durfte stets frei laufen, denn sein Herr konnte ihn nicht halten. Und das ist leider kein Einzelfall.
Das eigentliche Problem sehe ich nicht so sehr im eigenen Alter. Man kann, wenn man realistisch denkt, noch vieles möglich machen, sich Unterstützung suchen, muß aber auch Kompromisse eingehen. Ein solcher Kompromiss muß darin bestehen, nur einen Hund zu nehmen, den man gut unterbringen kann, wenn man selbst ausfällt.
Wenn man aber die Augen vor den Realitäten des Älterwerdens verschließt, und so tut, als wäre man mit 80 noch genauso wie mit 40, dann ist es im Grunde genommen keine Frage für ein Hundeforum. Es geht mehr darum, ob man die Augen vor der Wirklichkeit verschließt oder nicht. Älter werden ist bekanntlich nichts für Feiglinge.