Beiträge von dagmarjung

    Heute leben Hunde mit uns in unserer Wohlstandsgesellschaft. Sie werden gut und reichlich gefüttert und medizinisch versorgt. Gegen Krankheiten gibt es Impfungen, gegen Würmer Tabletten. Sie leben nicht mehr draußen in Kälte oder Hitze, sondern mit uns in gleichmäßig temperierten Wohnungen. Kranke und schwache Welpen werden medizinisch versorgt und aufgepäppelt, früher wären sie gestorben.

    Selektionsdruck durch harte Lebensbedingungen fällt weg.

    Zur früheren Zeiten, in der Entstehungsgeschichte der allermeisten Rassen, sorgten die ungleich härteren Lebensbedingungen für einen Ausgleich für die auch damals schon angewandte Inzucht. Es kamen eben nur solche Hunde durch, die robust genug waren und auch noch die jeweils gewünschte Leistung brachten.

    Was ist denn bitte eigenschaftslos?

    Heute definiert sich der ideale und von vielen gewünschte Familien- und Begleithund vor allem durch das, was er nicht tut: nicht bellen, nicht jagen, nicht wachen, keinerlei Agressivität gegen Artgenossen und schon gar nicht gegen Menschen zeigen, nicht anspruchsvoll in Bezug auf Bewegung, nicht zu lebhaft, nicht fordernd in Bezug auf geistige Beschäftigung usw.

    Man lese sich nur die Zuchtzielbeschreibung des Elos durch, der genau für diese Bedürfnisse gedacht ist.

    Das steht natürlich im Gegensatz zu den früheren Zuchtzielen der allermeisten Rassen, die eben jagen, wachen, hüten oder sonstwie arbeiten sollten.

    Kennst du das Buch "Rassehund wohin?" von Dr. Hellmuth Wachtel? Der Genetiker beschreibt ausfühlich den Ist-Zustand und seine vielfältigen Ursachen. Sehr zu empfehlen, wenn man sich für das Thema interessiert!

    Grundsätzlich definiert es eine Hunderasse, daß die Individuen miteinander verwandt sind. Die Ähnlichkeit in Typ, Größe, Wesen kommen ja nicht zufällig zustande.

    Aber das Spektrum reicht von "sehr weitläufig" bis zu "viel zu eng". Noch einige andere Faktoren kommen dazu, vor allem die Schauzucht fast aller Rassen mit dem Ausstellungssieg als maßgeblichem Auslesekriterium und das Bestreben, die Rasse optisch immer einheitlicher zu züchten.

    Einer meiner Lieblinge das Internets. :smiling_face:

    Für solche Glanzstücke wurde es erfunden!

    In dieser Version aber leider ohne Ton. (Zumindest kann ich ihn nicht einschalten.)

    Mit passendem Reitermarsch und Ponyhüfchengeklapper ist das Meisterwerk noch mal so schön:

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    OT, weil die Frage nach Shelties aufkam:

    Spoiler anzeigen

    Die Vorfahren der Shelties setzten sich aus zwei Typen zusammen: zum einen die kleinwüchsigen lokalen Hüte- und Bauernhunde von den Shetlandinseln - und zum zweiten die damals gerade stark als Begleithunde in Mode gekommenen langhaarigen Schönheits-Collies, die ja ihrerseits auch schon keine echten Arbeits-Hütehunde mehr waren, auch dank Einkreuzungen und weil das Zuchtziel nun Schönheit war

    .

    Man wollte hübsche Zwerg-Collies für den wachsenden Beglkeithundemarkt erzeugen. So klein wie die ursprünglichen Hütehunde, mit dem Aussehen von Langhaar Collies.

    Shelties sind also seit Anfang der bewußten Rassezüchtung nicht als Arbeitshunde gezüchtet worden, sondern "Hütehunde light".

    Bei meiner Hündin war die Ursache von Bauchschmerzen Gries in der Gallenblase.

    Ich würde den Hund in der Tierklinik auf den Kopf stellen lassen, Ultraschall, Röntgen, Blutuntersuchung usw. Ein Hund kann ja auch zwei verschiedene Sachen gleichzeitig haben, es muß nicht unbedingt von der Durchfallerkrankung her kommen, auch wenn das naheliegt.

    Ich wohne in der Stadt und Cara mußte daher als Welpe auch schon recht viel an der Leine bleiben.

    Das beste Konzept in meinen Augen ist, Geschirr und Halsband in ihrer Bedeutung strikt zu trennen.

    Am Geschirr darf gezogen werden. Damit das nicht ständig passiert, empfiehlt sich eine längere Leine von etwa 4 bis 5 Metern, denn die übliche Führleine von 2 Metern ist viel zu kurz für einen sich spontan bewegenden Welpen. (Ich habe meine"Schlamperleine" aus leichtem Seil und Karabiner selbst gebaut.)

    Damit geht man sehr viel entspannter mit einem Welpen und Junghund spazieren. Man muß nichts korrigieren, nur verhindern, daß der Hund in die Leine rennt. Richtungsänderungen usw kann man mit Locken und Heranrufen initiieren, genau wie beim frei laufenden Hund.

    Zum Leinenführigkeitstraining wird dann ans Halsband umgehakt und die Leine verkürzt. Mit 100% Konzentration aauf beiden Seiten und viel Belohnung wird dann in ganz kurzen Abschnitten trainiert. Nicht 5 Minuten, sondern anfangs nur wenige Schritte und später vielleicht mal 30 Sekunden. Von da aus ganz langsam steigern, denn ein junger Hund kann sich noch nicht lange konzentrieren.

    Macht man beides konsequent, kann man jederzeit mit dem Welpen Strecken von A nach B zurücklegen, nämlich am Geschirr, und parallel dazu eine saubere Leinenführigkeit am Halsband aufbauen.

    Alle diese Lernziele, du du derzeit verfolgst und mit Strafe (Schimpfen und Anschreien ist Strafe) erreichen willst, kannst du knicken.

    Das vorerst einzig wichtige Lernziel für einen Hund, der aus seinem Leben herausgerissen und in deines geworfen wurde, ist VERTRAUEN.

    Und das wirst du niemals durch Strafen erreichen.

    Ein Hund, der seinem Menschen vertraut, der kann sich mit der Zeit auch entspannen und dann werden die übrigen Themen alle leichter. Aber Vertrauen muß man sich verdienen, das kann man nicht herbeischimpfen.

    Woher kommt Storm? Aus einem großen Shelter oder von einer Pflegestelle in Deutschland? Ist er ein Direktimport? Was weißt du von seiner Vorgeschichte? Kennt er nur Zwinger? Hat er überhaupt schon einmal mit Menschen in einer Wohnung gelebt? In einer Stadt?

    Dein Hund hat im Moment Angst vor so ziemlich allem. Er kennt das Leben bei dir noch überhaupt nicht. Jedesmal, wenn du ihn anschreist oder mit ihm schimpfst oder "diskutierst", macht ihm das noch mehr Angst. Das ist keine Basis für Vertrauen und Freundschaft. Sondern du verunsicherst ihm damit jedesmal und verhinderst, daß er dir vertraut.

    Er macht sein Geschäft lieber in der Wohnung, weil er draußen zu viel Angst hat und sich nicht genügend entspannen kann, um sich zu lösen. Er macht das nicht, um dich zu ärgern.

    "Nein" ist ein Kommando, was man dem Hund erst beibringen muß. Er kann das nicht von selbst. Im Moment heißt "Nein" für Storm nur, daß du mal wieder sauer bist und ihm Angst machst. Er weiß nicht, was er tun oder lassen könnte, um das zu verhindern.

    Laß deinen Hund in Ruhe fressen!

    Er soll lernen, daß alles Gute von dir kommt, nicht, daß du sein Futter wegnehmen willst.

    Wenn man einen Tierschutzhund aus dem Ausland aufnimmt, darf man keinerlei Erwartungen haben, daß er so funktioniert, wie man das von einem Haus- und Begleithund normalerweise erwartet. Also stubenrein, an die städtische Umwelt gewöhnt, kann alleine bleiben usw. Denn alles das kann sein, muß aber nicht, und es ist nicht gesagt, wieviel davon der Hund lernen kann.

    Wenn man sich also für einen solchen Hund entscheidet, setzt das viel Geduld voraus und die Lebensumstände müssen so passen, daß der Hund ganz in seinem eigenen Tempo ankommen kann. Also keine Anforderungen stellen!

    Ein Hund, der so mit der Zeit lernt, Vertrauen zu fassen, kann sich sehr zum Positiven entwickeln. Wenn der Mensch ihm ein Partner und Beschützer ist, auf den er sich verlassen kann. Und wenn der Mensch ihn nicht überfordert.