Beiträge von dagmarjung

    Alle diese Lernziele, du du derzeit verfolgst und mit Strafe (Schimpfen und Anschreien ist Strafe) erreichen willst, kannst du knicken.

    Das vorerst einzig wichtige Lernziel für einen Hund, der aus seinem Leben herausgerissen und in deines geworfen wurde, ist VERTRAUEN.

    Und das wirst du niemals durch Strafen erreichen.

    Ein Hund, der seinem Menschen vertraut, der kann sich mit der Zeit auch entspannen und dann werden die übrigen Themen alle leichter. Aber Vertrauen muß man sich verdienen, das kann man nicht herbeischimpfen.

    Woher kommt Storm? Aus einem großen Shelter oder von einer Pflegestelle in Deutschland? Ist er ein Direktimport? Was weißt du von seiner Vorgeschichte? Kennt er nur Zwinger? Hat er überhaupt schon einmal mit Menschen in einer Wohnung gelebt? In einer Stadt?

    Dein Hund hat im Moment Angst vor so ziemlich allem. Er kennt das Leben bei dir noch überhaupt nicht. Jedesmal, wenn du ihn anschreist oder mit ihm schimpfst oder "diskutierst", macht ihm das noch mehr Angst. Das ist keine Basis für Vertrauen und Freundschaft. Sondern du verunsicherst ihm damit jedesmal und verhinderst, daß er dir vertraut.

    Er macht sein Geschäft lieber in der Wohnung, weil er draußen zu viel Angst hat und sich nicht genügend entspannen kann, um sich zu lösen. Er macht das nicht, um dich zu ärgern.

    "Nein" ist ein Kommando, was man dem Hund erst beibringen muß. Er kann das nicht von selbst. Im Moment heißt "Nein" für Storm nur, daß du mal wieder sauer bist und ihm Angst machst. Er weiß nicht, was er tun oder lassen könnte, um das zu verhindern.

    Laß deinen Hund in Ruhe fressen!

    Er soll lernen, daß alles Gute von dir kommt, nicht, daß du sein Futter wegnehmen willst.

    Wenn man einen Tierschutzhund aus dem Ausland aufnimmt, darf man keinerlei Erwartungen haben, daß er so funktioniert, wie man das von einem Haus- und Begleithund normalerweise erwartet. Also stubenrein, an die städtische Umwelt gewöhnt, kann alleine bleiben usw. Denn alles das kann sein, muß aber nicht, und es ist nicht gesagt, wieviel davon der Hund lernen kann.

    Wenn man sich also für einen solchen Hund entscheidet, setzt das viel Geduld voraus und die Lebensumstände müssen so passen, daß der Hund ganz in seinem eigenen Tempo ankommen kann. Also keine Anforderungen stellen!

    Ein Hund, der so mit der Zeit lernt, Vertrauen zu fassen, kann sich sehr zum Positiven entwickeln. Wenn der Mensch ihm ein Partner und Beschützer ist, auf den er sich verlassen kann. Und wenn der Mensch ihn nicht überfordert.

    aber denkt ihr manchmal daran wie es ist wenn euer Hund nicht mehr da ist?

    Ich habe mich bewußt immer wieder mal daran erinnert, daß unsere gemeinsame Zeit endlich ist. Schon seit Cara klein war.

    Also den Gedanken daran packe ich nicht weg, sondern lasse ihn bewußt zu. Wie sonst soll man sich denn vorbereiten?

    Ich kenn das zu gut… bevor ich meine Tage bekomme sehe ich auch (noch mehr) Gespenster, wenn der Hund sich mal anders verhält.

    Ja, das kenne ich aus den "Tagen vor den Tagen". Da erschienen mir alle meine Sorgen riesengroß. Wenn es dann losging, war ich beruhigt, weil ich dann realisierte, daß es meine homonbedingt verschobene Sicht auf die Dinge war und nicht die objektive Realität.

    Als mir das klar wurde, konnte ich mit einem Blick auf den Kalender "ist es bald wieder so weit?" auch meine Ängste besser einordnen.

    Drama ist hier mein Problem, denn es fühlt sich so an als wenn ich zwischen leben und Tod entscheiden müsste. Was ja Quatsch ist

    Ganz, ganz wichtiger Punkt!

    Deine Hündin wird eines Tages sterben. Aber nicht, weil du irgendwas falsch gemacht oder getan oder nicht getan hast, sondern weil sie, wie jedes lebende Wesen sterblich ist.

    Das klingt vielleicht hart, was ich aber meine ist: Nicht du entscheidest, ob sie lebt oder stirbt. Das ist nämlich bereits entschieden. Zu jedem Leben gehört auch der Tod am Ende.

    Bei nem Hund, der eh schlecht frisst und evtl wegen Alter nicht mehr so dynamisch ist, ist es vielleicht schwieriger zu bemerken.

    Das war bei meiner Cara der Fall. Sie litt im hohen Alter unter mehreren Krankheiten und Leiden, bekam Schmerzmittel und andere Medikamente, war schlapp und appetitlos, als sie noch dazu eine Pyometra bekam, die ich leider nicht rechtzeitig bemerkt habe, zumal sie kurz zuvor zuvor negativ darauf untersucht worden war. In der NotOP zeigte sich dann, daß sie Krebs an mehreren inneren Organen hatte, davon war 4 Wochen zuvor bei einer gründlichen klinischen Untersuchung noch nichts zu sehen gewesen. Also offenbar sehr schnell wachsend. Daraufhin habe ich zusammen mit der Tierärtztin entschieden, sie nicht mehr aus der Narkose aufwachen zu lassen.

    Ich schreibe das nicht, um dir Angst zu machen.

    Es war einfach so, daß Caras Lebensuhr zu diesem Zeitpunkt in mehrfacher Hinbsicht abgelaufen war. Nichts, was ich oder die Tierärzte hätten tun können, hätte daran etwas verändert.