Beiträge von dagmarjung

    Richtig, das hatte ich vorhin noch vergessen zu fragen: wie lang ist die Leine?

    An einer kurzen Leine ist der Hund so schnell am Ende der Reichweite, daß er sehr oft korrigiert werden muß und entsprechend ständig gefrustet ist. Überhaupt ist längeres Laufen an der kurzen Leine im angepassten Tempo eine Konzentrationssache, die viele jüngere Hunde überfordert.

    Ein längere Leine kann da entspannend wirken. An einer längeren Leine kann der Hund auch mal kurz stehenbleiben oder ein paar Schritte vorauslaufen.

    Ob eine 4 bis 6 Meter "Schlamperleine" oder eine 10 Meter Schleppleine besser sind hängt auch wieder vom Hund und den Umständen ab. Er soll ja gerade in ländlicher Umgebung nicht in Gräben und Böschungen nach Wildgerüchen suchen.

    Die von mir für meinen Junghund viel genutzte "Schlamperleine" läßt sich einfacher händeln als die Schleppleine.

    Die Schleppleine kommt dagegen dem eigentlichen Freilauf schon näher, muß aber sehr konzentriert geführt werden, damit der Hund nie mit Anlauf reinknallen kann, sonst können sich Hund und Mensch ernsthaft verletzen. Das bedeutet man muß ständig nachfassen oder freigeben, damit der Hund nur immer soviel Freireum hat, wie er gerade benötigt.

    Kannst du mal euren typischen Tagesablauf beschreiben?

    Wohnst du alleine mit deinem Hund oder gibt es mehrere Personen im Haushalt? Falls ja, wie ist die Beziehung zwischen ihnen und deinem Hund?

    Für mich klingt es aus deiner Beschreibung ja mehr nach Single mit Hund, aber dann frage ich mich, wie du bisher aufs Alleinbleiben bzw das Training dafür verzichten konntest. Klar, Homeoffice, aber man muß ja doch einkaufen gehen oder hat sonstige Termine, wo man den Hund nicht mitnehmen kann.

    Ländliche Umgebung kann für jagdtriebige Hunde das genaue Gegenteil von reizarm sein.

    Kennt dein Hund sowas wie Bummelspaziergänge, wo von dir kein Bespaßungsangebot kommt? Ich meine damit nicht die Runde um den Block, sondern schon einen richtigen Spaziergang.

    Wenn dein Hund erst viel Action gewohnt ist und du dann von jetzt auf gleich auf ein Minimalprogramm runterfährst ist klar, daß der Hund darauf nicht mit Entspannung, sondern mit Frust reagiert.

    Radfahren kann aufhetzend wirken durch die schnelle Bewegung.

    Es kann aber auch zur Entspannung beitragen, weil man sich besser als zu Fuß dem natürlichen Trabtempo des Hundes anpassen kann und dadurch das konfliktbelastete Leineziehen vermeidet.

    Da würde ich genau hinschauen, ob dein Hund vom Radfahren profitiert oder nicht und welches Tempo optimal ist.

    Das ist schon ein massives Programm, was Lui da leisten muß.

    Ich glaube, daß du immer noch weit unterschätzt, was dieser Hund gerade zu bewältigen hat. Ja, er kennt das Leben mit einem größeren Hund, aber nicht mit deinem Hund. Der auch noch dazu ein Rüde ist und keine Hündin, also eher potentieller Konkurrent als Partner. Der versucht, ihn einzuschränken und zu kontrollieren. Ja, du maßregelst Texas, wenn er das tut, aber alleine daß du maßregeln mußt heißt ja, daß er es versucht und Lui bekommt schon den Ansatz mit, auch wenn du Texas danach abbrichst. Das heißt, Lui hat Stress dadurch.

    Ja, Lui kennt Katzen, aber er kennt nicht deine Katzen, davon auch gleich noch 6.

    Luis ist erst seit Donnerstag bei dir. Also noch nicht mal 4 Tage.

    Er muß also sein Verhältnis zu nicht weniger als 8 fremden Individuen neu finden, und zwar in einer ebenfalls neuen, unbekannten Umgebung und dazu muß er den Verlust des bisher vertrauten Lebens verarbeiten.

    Da ist es für SitzPlatzFuß noch weitaus zu früh.

    Bitte übe Geduld und beschränke dich vorerst auf das Aller-Allernotwendigste. Laß alles weg, was du weglassen kannst, ohne Leib und Leben deiner Tiere zu gefährden und laß den Chi erst einmal so mitlaufen. Sitz Platz, Fuß und Pfote lernt er auch später noch.

    Kommandos baut man ausnahmsweise über positive Verstärkung auf. Bei Pferden mache ich keinen Unterschied. Neue Lektionen lernen sie mit viel Stimmenlob.

    Empfinden Pferde Stimmlob als direkten positiven Verstärker? Oder eher als Signal, daß man im Moment im sicheren Bereich ist und keinen Druck befürchten muß, was dann eher einem negativen Verstärker gleichkäme?

    Für Hunde wirkt Stimmlob ja meist weniger belohnend verglichen mit Leckerlie oder Spiel.

    Der Chi ist auf jeden Fall massiv gestresst, nur zeigt er das nicht auf dieselbe Weise wie Texas.

    Er wurde von jetzt auf gleich in eine fremde Umgebung versetzt, zu einem wesentlich größerem Fremdhund, dem er nicht ausweichen kann und zu einem Menschen, den er nicht kennt und dem er daher auch noch nicht vertrauen kann.

    Klar ist er verunsichert, wie sollte es denn anders sein?

    Bitte pack keine Aufkleber wie "typisch Kleinhund-Größenwahn" auf den Hund!

    Stressmarkieren bei Rüden hat nichts mit Größenwahn zu tun. Sondern einfach mit dem Versuch der Stressbewältigung.

    Dazu kommt, wie andere schon schrieben, daß viele Zwerghunde schon von Welpe an (Wohnungsaufzucht) aus Bequemlichkeit an Pinkelmatten oder ähnliches gewöhnt wurden und daher die Wohnung als Löseplatz kennen.

    An so massiv eingreifende Maßnahmen wie den Kastrationschip solltest du vorerst nicht einmal denken. Der Chi ist ja erst wenige Tage bei dir.

    Er hat es sich nicht ausgesucht, bei dir zu sein. Das Zauberwort heißt hier Geduld. Gib ihm viel Zeit und Ruhe zum Ankommen. Vertrauen muß man sich erst einmal verdienen.

    Wenn ihr den Hund schon seit 2 Wochen habt, dann ist er schon mit 5 Wochen von der Mutter und den Geschwistern getrennt worden?

    Puhhh... :verzweifelt:

    ich mag hier gar keine Tips aus meiner Erfahrung aus Caras Welpenzeit geben, weil ein so junger Welpe wie eurer ja noch ganz andere Bedürfnisse hat als ein Welpe von 8 Wochen oder älter.

    Kannst du mal euren gesamten Tagesablauf schildern?

    Wenn ein Welpe abends im gemeinsamen Bett keine Ruhe findet, kann das daran liegen, daß tagsüber zuviel los war und die Nerven überreizt sind. "Nach müd kommt blöd."

    Wäre ja auch kein Wunder, da er tagsüber unter Schlafmangel leidet.

    Wenn der Welpe tagsüber nur zur Ruhe kommt, wenn er mit einem von euch kontaktliegen kann, würde ich das als altersentsprechend normales Verhalten ansehen. Wenn man sich einen Wurf junger Welpen beim Züchter anschaut, dann ruhen die in dem Alter alle gemeinsam auf einem Haufen, wachen auf, haben eine Spielphase, trinken/fressen, fallen um und schlafen, und so weiter wieder von vorne. Die Aktivitäts- und Ruhephasen sind weitgehend mit den Geschwistern koordiniert. Kein Wunder also, wenn euer Hund jedesmal aufspringt, wenn ihr durch aufstehen signalisiert, daß ihr jetzt aktiv sein wollt.

    Gut, daß ihr keinen Käfig zum Wegsperren geholt habt. Der hätte euch nichts genutzt, sondern nur Trennungsangst erzeugt.