Bella nimmt dich nicht auf den Arm, sondern du hast ihr eine Verhaltenskette antrainiert. Was gerade beim Thema Abruf bei höherer Reizlage leicht passiert. Quasi eine Standardfalle beim Hundetraining. Du bist nicht allein...
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Grundsätzlich ist eine Verhaltenskette in anderen Zusammenhängen ja sogar erwünscht, zum Beispiel beim Apport, wo eine Handlung in einer bestimmten Reihenfolge auf die andere folgt: Apportel fliegt, aufs Kommando warten, hinauslaufen, aufnehmen, zurücklaufen, einparken, halten, ausgeben. Hierbei darf der Hund erst am Schluss mit seiner Belohnung rechen - er erwartet aber schon beim ersten Element, daß sie am Ende kommt.
Bei dieser Verhaltenskette freut man sich, daß der Hund seine Aufgabe verstanden hat und fühlt sich keineswegs auf den Arm genommen.
Eine andere, diesmal unerwünschte Verhaltenskette entsteht, wenn man den Hund immer dann abruft und belohnt, wenn er sich beim Spaziergang gerade besonders weit entfernt. Man erreicht dadurch nicht etwa, daß der Hund in Zukunft näher dran bleibt sondern im Gegenteil trainiert man ihm an, daß die weite Entfernung das ist, was durch Rückruf + Leckerli belohnt wird.
Bella hat also verinnerlicht, daß Wildgeruch oder Wildsichtung das erste Element in einer solchen Reihe ist: Wild wahrnehmen, hinauslaufen, auf dein Abbruchkommando hin zurücklaufen und Superbelohnung kassieren.
Sie handelt also nur logisch, wenn sie Wildgeruch/Anblick als erstes Glied einer für sie erfreulichen Reihenfolge aktiv sucht und womöglich sogar stärker darauf reagiert als früher oder auch falsch anzeigt, um die Kette auszulösen. Denn du belohnst nicht nur das Zurückkommen, sondern automatisch auch alles, was vorher schon passiert.
Das mußt du durchbrechen. Dafür findest du sicher ausführlichere Hilfe unter dem Stichwort Antijagdtraining, wichtig ist allerdings, daß die Superbelohnung ihren Zusammenhang mit Wild verliert. Wenn du den Rückruf mit entsprechender Belohnung immer oder auch nur überwiegend in Verbindung mit Wild(geruch) übst, also im "Ernstfall" dann passiert so eine unerwünschte Verhaltenskette.
Die Standardmethode beim Training des Superrückrufs ist daher, daß man ihn sehr oft in verschiedenen Situationen ohne oder mit geringer Ablenkung übt und nur ganz selten im Ernstfall anwendet. Sollte das einmal nötig sein, dann "lädt" man ihn wieder eine Weile "auf" durch Üben in harmlosen Situationen.
Du hast jetzt vielleicht nicht den Superrückruf im Sinn, sondern möchtest nur den normalen Rückruf besonders gut belohnen, aber das Prinzip beim Training ist ja das gleiche. Superbelohnung ist super motivierend und der Hund gibt sich Mühe, um diese Belohnung zu erreichen.
Ich bin nicht grundsätzlich gegen Strafen oder Schreckreize. Aber vorher sollte man erst mal wirklich sauber traineren. Wenn du einerseits Schreckreize setzt, andererseits aber unbewußt unerwünschtes Verhalten belohnst, dann bringt euch das nicht weiter, sondern sorgt nur für Verwirrung beim Hund.